| 02:32 Uhr

Altdöbern will gesund kochen

Essen aus der eigenen Küche oder von einem Fremdanbieter? Altdöbern diskutiert darüber. Foto: Uwe Hegewald/uhd1
Essen aus der eigenen Küche oder von einem Fremdanbieter? Altdöbern diskutiert darüber. Foto: Uwe Hegewald/uhd1 FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Altdöbern. Ginge es nach Eltern, Kindern und Gemeindevertretern, so würde ab dem kommenden Schuljahr das Essen an der Lilien-Grundschule Altdöbern in der eigenen Küche zubereitet. Vertreter der Elterninitiative "Gesundes Essen" nutzten in dieser Woche die Gelegenheit, um den Mitgliedern des Hauptausschusses ihr Konzept vorzustellen. Uwe Hegewald / uhd1 uhd1 Foto: Uwe Hegewald/uhd1 Foto: Uwe Hegewald/uhd1

"Nachdem sich Klagen unserer Kinder über das Schulessen gehäuft haben, sahen wir uns gezwungen, aktiv zu werden", sagte Rebecca Dietz von der kürzlich gegründeten Elterninitiative "Gesundes Essen". Sie verwies auf die Vorzüge einer Essenszubereitung vor Ort, mit frischen Zutaten und kurzen Wegzeiten, die dazu beitragen sollen, wieder mehr Kinder und Erwachsene an die Mittagstische zu locken.

Derzeit nutzen 80 von 145 Schülern und zwei von 23 Lehrern das Angebot der Firma Sodexo, die der Einrichtung täglich drei Menüs serviert. Eine Umfrage unter Eltern und Kollegium habe ergeben, dass sich rund 90 Prozent für eine direkte Essenszubereitung aussprächen, auch wenn täglich nur ein Essen angeboten würde.

Nach dem Konzept der Elterninitiative sollte dieses von einem ausgebildeten Koch/Köchin (40-Stunden-Woche) sowie zwei Küchen-Hilfen (jeweils 20/30-Stunden-Woche) zubereitet werden. Als Personalkosten hat die Elterninitiative 1800 Euro für den Küchenchef und jeweils 800 Euro für die Küchen-Hilfen veranschlagt. "Diese sollen nach Möglichkeit über das Förderprogramm 50+ oder Bundesfreiwilligendienste refinanziert werden", zitierte Anja Dietz aus dem Konzeptentwurf.

Die Personalkosten könnten den Befürwortern der neuen Essenstrategie jedoch vor die Füße fallen: "Ich finde die Idee nicht schlecht, sie muss sich aber auch wirtschaftlich tragen", ließ Amtsdirektor Detlef Höhl (SPD) Skepsis anklingen. Er verwies auf die desolate Haushaltssituation der Gemeinde Altdöbern, die auch die Kommunalaufsicht des Landkreises im Blick habe. "Sollten wir Personal einstellen und dieses nach Tarif bezahlen, müsste die Kommune jährlich rund 50 000 Euro einstellen", gab Höhl zu bedenken.

Nach Berechnungen von Verwaltungsmitarbeiterin Manuela Wagner ((Kosten- und Leistungsrechnung) müsse die Gemeinde sogar mit Personalkosten von 59 000 Euro rechnen. "Hinzu kämen Ausgaben für Warenbedarf, Unterhaltung, Bewirtschaftung und Ausstattung", rief sie in Erinnerung.

Was die Ausstattung anbetrifft, schwört die Elterninitiative auf die gute Ausgangssituation.

Nach einer Visitation durch das zuständige Gesundheitsamt, am 28. November 2013, spräche nichts gegen eine Reaktivierung der bereits vorhandenen Schulküche, unter Auflagen. Einige Geräte wie etwa eine Kippbratpfanne oder Kochgeschirr können wir zu günstigen Konditionen von Unternehmen erwerben, die ihre Betriebe schließen oder verkleinern", informierte Anja Dietz. Stellvertretend nannte sie das Wirtschaftsinstitut Mentil-Naumann in Lübbenau. "Malerarbeiten würden die Eltern übernehmen", ergänzte Matthias Helbig.

Die Mitglieder des Hauptausschusses würdigten die Initiativen zum Thema "Gesundes Kochen".

Wir sind Befürworter dieser Idee. Sie wäre ein Aushängeschild für unsere Schule und ein Alleinstellungsmerkmal, das der Sicherung des Schulstandortes unterstütze, befanden Walter Schiementz, Karl-Heinz Grund, Rolf Wünsche (alle AFW) und Hans-Dieter Helbig (SPD). Abgeordnete und Vertreter der Amtsverwaltung wollen sich zeitnah mit der Elterninitiative zusammensetzen und darüber beraten, wie die Essensversorgung an der Lilien-Grundschule kostenneutral gestaltet werden könne.

Zum Thema:
Wie Sodexo-Gebietsleiter Roland Jakob, sieht der Vertrag eine vierwöchige Kündigungsfrist vor Vertragsende (31. August) vor. Auf Anfrage von Bürgermeister Peter Winzer (SPD), ob Sodexo kurzfristig in der Lage sei, die Essensversorgung wieder aufzunehmen, für den Fall, dass sich das angestrebte Modell nicht bewähre, antwortete Jakob: "Wir können sehr schnell reagieren, obwohl wir uns die Zusammenarbeit mit einem langjährigen Vertragspartner anders vorstellen." Er verwies dabei auf neue Varianten und den Dialog mit Sodexo, um die Bereitstellung des Mittagsessens zu optimieren.uhd1