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| 20:53 Uhr

RUNDSCHAU-SERIE: MEINE HEIMAT OBERSPREEWALD-LAUSITZ
Hurra, ich war ein Schulkind

 Ein letztes Mal läutete Monika Krüger (vorn, l.) die Schulglocke, um diese anschließend  ihre Nachfolgerin Anke Hoffmann (vorn, r.) zu überreichen. Von den Emotionen am Mittwochvormittag getragen räumte die neue Schulleiterin ein: „Ich kann euch Frau Krüger gar nicht ersetzen.“
Ein letztes Mal läutete Monika Krüger (vorn, l.) die Schulglocke, um diese anschließend ihre Nachfolgerin Anke Hoffmann (vorn, r.) zu überreichen. Von den Emotionen am Mittwochvormittag getragen räumte die neue Schulleiterin ein: „Ich kann euch Frau Krüger gar nicht ersetzen.“ FOTO: Uwe Hegewald
Altdöbern. „Heimat ist, wo wir unseren Lebensfaden festgemacht haben“, sagt ein Sprichwort. Die RUNDSCHAU besucht Menschen, um zu erfahren, wann, warum und wo sie ihren Lebensfaden im Kreis festgemacht haben. Heute: Monika Krüger aus Altdöbern. Von Uwe Hegewald

Eines der Mädchen mit der längsten Schulzeit im Land Brandenburg ist kürzlich ein letztes Mal versetzt worden. Und zwar in den wohlverdienten Ruhestand. Die Rede ist von Monika Krüger, die zum Schuljahresbeginn 1963 erstmals die neu errichtete Polytechnische Oberschule (POS) in Altdöbern betrat und dieser nun Adieu gesagt hat. „Mein erstes Schuljahr habe ich noch im früheren Schulgebäude absolviert. Im Jahr 1963 wechselten wir alle in die neue Einrichtung“, erinnert sie sich. Damals hatte sie noch nicht im Traum daran gedacht, dass das Objekt für sechs Jahrzehnte zu ihrem zweiten Zuhause würde. Als POS-Schülerin hatte Monika Krüger Schüler-Patenschaften gepflegt und Nachhilfe in Mathematik gegeben.

Zum Schlüsselerlebnis, den Lehrerberuf zu erlernen, hat jedoch die vier Jahre ältere Schwester Ingrid beigetragen. „Ihre Ausbildung zur Pädagogin und das lockere Studentenleben hatten mir gefallen“, begründet die Altdöbernerin, ihrer Schwester beruflich zu folgen. Im Jahr 1972 begann die Ausbildung im damaligen Altdöberner Lehrerbildungsseminar, das ein Jahr später nach Cottbus verlegt wurde.

An der Schule II in Calau begann 1976 der Ernst des (Berufs-)Lebens, bevor 1982 die Rückkehr nach Altdöbern erfolgte. „Plötzlich waren die Lehrer von einst meine Kollegen. Schon ein komisches Gefühl“, räumt Monika Krüger ein.

Angetreten sei sie, „um für Kinder da zu sein und ihnen die Welt zu erklären“. Klar habe es schwierige Zeiten gegeben, insbesondere während der politischen Wende und den Umstrukturierungen im Haus. „Vom vorherigem Schulleiter der POS ist mir binnen einer Stunde erklärt worden, wie eine Bildungseinrichtung zu leiten ist. Das war’s dann“, blickt Monika Krüger zurück.

Als die Grundschule im Jahr 1991 neu gegründet wurde, fand sie sich im Bewerbungsverfahren für die Stelle der Schulleitung wieder. Schulamt und die Gemeinde hatten sich für die couragierte Frau aus dem Ort ausgesprochen, die zuvor in den Fächern Deutsch, Mathematik und Werken unterrichtete. 340 Mädchen und Jungen umfasste die Grundschule zur Übernahme ihrer Schulleiterfunktion. Eine sich ebenfalls unter dem Dach befindliche Gesamtschule schloss 2005. Plötzlich standen Räumlichkeiten und Kapazitäten zur Verfügung, um die Altdöberner Grundschule zur Ganztagsschule zu erheben. „In unserer Gemeinde und in den Nachbarkommunen haben wir eine Reihe von Vereinen, Institutionen oder Privatpersonen, die entsprechende Möglichkeiten bieten, damit sich unsere Kinder ausprobieren und entwickeln können. Wir haben nun mal nicht die Voraussetzungen wie in einer Stadt“, fasst Monika Krüger zusammen.

Aber die Schule hatte jederzeit ehrenamtliche Helfer, treue Sponsoren, Handwerker, kompetente Elternsprecher und ein gefestigtes Kollegium zur Seite. Viele der Wegbegleiter sowie 159 Mädchen und Jungen nutzten jetzt die Gelegenheit, um sich persönlich von ihrer Schulleiterin zu verabschieden – mit Chorgesang, herzlichen Worten, Präsenten und Blumen. Darunter viele Lilien, die Charakterblüte der Gemeinde Altdöbern und Namensgeber für die Lilien-Grundschule seit dem Jahr 2011.

„Ich freue mich auf den Ruhestand, die entspannende Arbeit im Garten und darauf, Ecken Deutschlands zu bereisen, in denen ich noch nicht gewesen bin“, blickt die wohl dienstälteste Schülerin im Land Brandenburg zurück. Ferner geht sie davon aus, dass an Bewährtem festgehalten werde oder erfolgreiche Konzepte eine Wiederbelebung finden: Grundschul- oder Talentefeste, die Zusammenarbeit mit dem Hort, der Jugendbauhütte (Gartendenkmalpflege) und dem Interforum Cottbus zählt sie auf, Zirkus- oder Kunstprojekte und die Partnerschaft mit der Schule im 140 Kilometer entfernten Przylep, einem Ortsteil der Landgemeinde Zielona Góra (Polen).

Bevor Monika Krüger bei einer emotionalen Verabschiedung die Schulglocke symbolisch an ihre Nachfolgerin Anke Hoffmann weiterreichte, wies sie auf neue Entwicklungen hin. „Was die Konzentration und Aufmerksamkeit einiger Schüler betrifft, ist vieles schwieriger geworden.“

Die Eltern stehen in der Pflicht, Momente zu schaffen, in denen Kinder zur Ruhe kommen. Und sie sollten darauf achten, welche Vorbilder sich die Kinder nehmen – privat oder in den Medien“, appelliert sie. Eltern könnten und müssten das leisten, so Krüger, bei der christliche Werte wie Respekt, Toleranz, Nächstenliebe fest verankert sind. Als Mitglied der CDU saß sie mehrere Legislaturperioden in der Gemeindevertretersitzung, um Maßnahmen für ihre Schule anzuschieben, in der sie fast fünf Jahrzehnte ihres Lebens ein und aus ging.