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| 14:16 Uhr

Schloss Altdöbern
Geehrter versäumt seine eigene Festveranstaltung

 Künstler der Orchesterakademie bei der Staatskapelle Berlin spielten im geschlossenen Lichthof des Altdöberner Schlosses.
Künstler der Orchesterakademie bei der Staatskapelle Berlin spielten im geschlossenen Lichthof des Altdöberner Schlosses. FOTO: Uwe Hegewald
Altdöbern/Dresden/Köln. Buchpräsentation entzückt im Altdöberner Schloss Sachsen und Brandenburger gleichermaßen. Von Uwe Hegewald

Alles war perfekt vorbereitet. Die Einladungen verschickt, Schloss und Park auf  Vordermann gebracht, sogar Violinen-Virtuosen von der Orchesterakademie bei der Staatskapelle Berlin verpflichtet. Einzig der Geehrte der geschlossenen Veranstaltung, zu der die Heineken-Gesellschaft und die Brandenburgische Schlösser GmbH am Samstagnachmittag eingeladen hatte, glänzte mit Abwesenheit. Die Rede ist von Carl-Heinrich von Heineken (1707-1791) der dem Treffen an der einstigen Nahtstelle von Preußen und Sachsen ohnehin nicht hätte folgen können. Aber er hätte seine Freude gehabt, zu sehen welche Würdigung sein fast 30-jähriges Wirken in dem kleinen Ort der Niederlausitz findet. „Wir wollen Heineken stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken“, nennt Martin Schuster einen der Gründe der Veranstaltung.

Der Kunsthistoriker aus Dresden und der ebenfalls anwesende Kunsthistoriker Dr. Thomas Ketelsen, Leiter der Graphischen Sammlung des Wallraff-Richartz Museums in Köln, sind Herausgeber des 2017 erschienenen Buches mit dem Titel „Carl Heinrich von Heineken in Dresden und auf Schloss Altdöbern“. Zu den Kunstwerken, die unter Heinekens Mitwirken aus ganz Europa ihren Weg nach Dresden fanden, gehören beispielsweise Correggios „La famossissima Notte“ (Die Heilige Nacht) und Raffaels „Sixtinische Madonna“. Gemälde von Weltruf, so war es dem Fachvortrag von Prof. Dr. Harald Marx zu entnehmen.

Als Hingucker der Veranstaltung erwiesen sich die nach Jahrzehnten erstmals wieder in Altdöbern präsentierten Sandsteinputten, die das Bäckerhandwerk und die Schafzucht darstellen. Die ursprünglich um 1725 vom Bildhauer Johann Christian Kirchner geschaffenen Figuren gehören zu den insgesamt acht Putten auf der Westterrasse des Schlosses, die Graf Heinrich von Witzleben beim Umbau von Schloss und Park hatte errichten lassen. Ein dickes Fragezeichen steht hinter den Bemühungen, beide Figuren temporär im Schloss zu belassen.

Jürgen Klemisch von der Brandenburgischen Schlösser GmbH führt sicherheitsrelevante Gründe an, wonach beide Sandsteinfiguren zurück zu den anderen sechs Putten, an einem sicheren Standort in Altdöbern gebracht werden sollen. „Es gibt noch Gesprächsbedarf“, räumt er gegenüber der RUNDSCHAU ein. Martin Schuster spricht sich für den Verbleib der beiden Figuren im Schloss aus. Dem Dresdner Kunsthistoriker ist es auch zu verdanken, dass beide Figuren ihren Weg nach Altdöbern zurückgefunden haben. Nach der Landesausstellung „Sächsische Landsitze“ im Landesamt für Denkmalpflege Dresden sorgte er für den Rücktransport nach Altdöbern. „Von der sächsischen Denkmalsbehörde sind sogar die Kosten übernommen worden“, so der Heineken-Kenner und Wahl-Sachse mit Lausitzer Wurzeln.

Bei der Aufarbeitung der Altdöberner Schlossgeschichte gehe es nicht um Brandenburg oder Sachsen, sondern um die Lausitz, betont der in Peitz Geborene, dessen Mutter aus dem Vetschauer Ortsteil Repten stammt. „Meinen Standpunkt habe ich auch gegenüber Dr. Martina Münch (SPD) vertreten“, so Schuster. Die Kulturministerin des Landes Brandenburg richtete sich mit einem Grußwort an die knapp 200 geladenen Gäste – unter ihnen viele aus dem Freistaat Sachsen, die erstmals in Altdöbern weilten.

 Künstler der Orchesterakademie bei der Staatskapelle Berlin spielten im geschlossenen Lichthof des Altdöberner Schlosses.
Künstler der Orchesterakademie bei der Staatskapelle Berlin spielten im geschlossenen Lichthof des Altdöberner Schlosses. FOTO: Uwe Hegewald