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| 02:48 Uhr

Alt und Neu harmonisch zusammengefügt

Hier fließt es ordentlich: Der Mühlgraben speist die Neudöberner Wassermühle.
Hier fließt es ordentlich: Der Mühlgraben speist die Neudöberner Wassermühle. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Neudöbern. Die Wassermühle in Neudöbern ist ein Zeugnis der Vergangenheit. Besitzer Uwe Zozmann hat sie auf einen modernen Stand gebracht. Er hat dabei Altes und Neues miteinander verknüpft und sie somit der Nachwelt erhalten. Einst gab es 152 Wassermühlen in der Region. Heute sind nur noch wenige übrig. red/bt/hei1

In der ländlichen Region um Altdöbern und Calau klapperten früher zahllose Mühlen. 1860 gab es allein im Altkreis Calau 152 Wassermühlen. Das hat Chronist Helmut Jentsch recherchiert. 1960 waren es lediglich 18.

Heute wächst meist Gras aus Mauerresten, falls der alte Mühlenstandort überhaupt noch auffindbar ist. "Intakte Wassermühlen anzutreffen ist eine Seltenheit und immer eine touristische Attraktion", sagt Hans-Joachim Emmrich. Der Leiter der Arbeitsgemeinschaft (AG) "Regionales Wasser" des Heimatvereins Calau kennt sich gut aus. Und er würdigt Uwe Zozmann. Der Unternehmer hat die alte Wassermühle in Neudöbern, die vermutlich aus dem Jahr 1527 stammt, wieder zum Klappern gebracht. Das ist sinnbildlich gesprochen, denn hier klappert eigentlich nichts mehr. "Den technisch interessierten Bürger beeindruckt die gelungene Kopplung von Alt und Neu. Nahezu geräuschlos läuft ein hochmoderner Generator" erzählt Hans-Joachim Emmrich. Unabhängig von der anströmenden Wassermenge werde Strom rund um die Uhr produziert.

Beeindruckend ist die 50 Zentimeter starke Welle des Wasserrades, die aus dem Stamm einer gut gewachsenen, alten Eiche neu gefertigt wurde. Gewaltig sind auch die gusseisernen Antriebsräder. Sie sind mit neuen Holzzähnen versehen worden und greifen lautlos ineinander. "Beeindruckend sind ebenfalls die Reste des wieder aufgefundenen alten Wasserrades. Originalgetreu konnte so das neue Wasserrad nachgebaut werden", schwärmt Emmrich.

"Nicht im Selbstlauf ist das alles hier entstanden", erklärt Uwe Zozmann. "Es waren nicht nur erhebliche mechanische, sondern auch besondere elektrotechnische Probleme zu lösen. Dabei war außer Hinweisen und Ratschlägen von Experten immer wieder auch der eigene Sachverstand gefragt", so der Mühlenbesitzer. Hilfreich gestaltete sich die Unterstützung bei allen anfallenden Arbeiten durch Mitglieder des neu gegründeten Mühlenvereins Neudöbern.

Das Wasser kommt aus dem Rettchensdorfer Graben, dem Schöllnitzer Graben, dem Neudöberner Doppelgraben und der Neudöberner Mühlteichquelle. "Die Besonderheit des Wasserregimes besteht darin, dass die Zozmann-Mühle das Wasser nicht vom Mühlteich direkt erhält, sondern aus dem Mühlgraben", erläutert Hans-Joachim Emmrich. Das hätten recht aufwendige Untersuchungen der AG zum Einzugsgebiet ergeben. "Der Mühlteich ist zwar mit dem Mühlgraben verbunden, wird aber unabhängig vom Graben aus einer ergiebigen Quellregion gespeist", ergänzt Emmrich.

Seit 1997 werden alle Quellschüttungen und Abflussmengen im Naturschutzgebiet Calauer Schweiz regelmäßig gemessen: bis maximal 500 Liter pro Minute mit entsprechendem Auffanggefäß und Stoppuhr. Für größere Wassermengen besitzt die AG ein Messgerät, einen "SEBA-Miniflügel-M1". Hier in Neudöbern kam dieses Gerät zum Einsatz. Es wurden 1,9 Kubikmeter pro Minute als direkter Zufluss zum Antrieb des Wasserrades ermittelt. Ein Kubikmeter sind 1000 Liter. Oder 100 Wassereimer zu zehn Litern.

Nun fragen sich Wasserexperten, ob der neue Südgraben in Altdöbern Auswirkungen auf das Wasserdargebot der Mühle in Neudöbern hat. Im Projekt des Bergbausanierers LMBV "Maßnahmen zur Gefahrenabwehr im Zusammenhang mit dem Grundwasseranstieg für die Ortslage Altdöbern" heißt es: "Auswirkung auf bestehende Nutzungen der Gewässer (Salzteich, Schmidtsteich, Michlenzteich) als Angelgewässer, können zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden." Das Zentrum des Quell- und Zuflussbereiches der Neudöberner Wassermühle ist knapp 1500 Meter vom Anfang und gleichzeitig tiefsten Geländeeinschnitt des Neuen Südgrabens entfernt. Bedenkt man, dass dieser Einschnitt maximal zwölf Meter tief und 50 Meter breit ist, drängen sich zwangsläufig Auswirkungen eines benachbarten Geländeeinschnittes auf. Für eine ehemals geplante Kohlebahn ist ein Damm aufgeschüttet worden. "Dieser hat den gesamten Quellbereich der Kschischoka sowie den Quellbereich der Luckaitz einschließlich der ,Fliegerteiche' bis auf den heutigen Tag total trocken gelegt", erläutert der Wasserexperte.

Fließende Gewässer zur Energiegewinnung zu nutzen besitzt in der Region Seltenheitswert. Ein weiteres Beispiel ist die Mühle Müschen. Wenn Sonne und Wind nicht aktiv sind - Wasser fließt Tag und Nacht. Die nachhaltige Kraft des Wassers wieder zu entdecken und mit modernster Technik effektiv nutzbar zu machen lohnt sich. Das meint zumindest Emmrich. Nicht nur für den Betreiber der Anlage. "Es sollte als aktiver Beitrag zum Umweltschutz verstanden und künftig öffentlich unterstützt werden", so der Experte.