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Als die "Blauen" in Lübbenau marschierten

Die Schützengilde zu Lübbenau 1655/1991 marschiert aus. Seit 1991 führt Hauptmann Christian Balke (Mitte) die blaue Kronenkompanie an. Links daneben marschiert Matthias Krügermann, der Vorsitzende der Jägerkompanie.
Die Schützengilde zu Lübbenau 1655/1991 marschiert aus. Seit 1991 führt Hauptmann Christian Balke (Mitte) die blaue Kronenkompanie an. Links daneben marschiert Matthias Krügermann, der Vorsitzende der Jägerkompanie. FOTO: Bernd Marx/bdx1
Lübbenau. Wer kennt nicht die rührigen Mitglieder der Lübbenauer Schützengilde 1655/1991, nach denen sogar das bedeutendste Stadtfest in der Spreewaldmetropole benannt wurde? Die blaue Kronenkompanie hatte vor 180 Jahren ihren ersten Auftritt. Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648 kam das ausgeblutete Land nicht zur Ruhe. bdx1

Marodierende Söldnertruppen plünderten Städte und Dörfer, in denen kaum noch etwas zu holen war. So auch in der Spreewaldregion.

Deshalb gründeten mutige Lübbenauer Stadtabgeordnete, Handwerker und Gewerbetreibende zum Schutze der Stadt und der Bürgerschaft am 24. Juni 1655 die Schützengilde. Sie ist damit die älteste Vereinigung in der Spreewaldstadt. Das Privileg erhielten sie vom damaligen Kurfürsten von Sachsen und vom Standesherrn Graf Johann Siegmund zu Lynar.

Der Standesherr war stets der Schirmherr der Schützengesellschaft. Er ernannte die Schützenältesten und die Offiziere oder sorgte für ihre Enthebungen. Die erste Fahne der Gilde spendierte der Graf. Sie wurde im Schloss aufbewahrt und zu Schützenfesten oder besonderen Anlässen mit klingendem Spiel von dort abgeholt. Der Standesherr spendete für den Bau des Schützenhauses, für die Anfertigung kostbarer Schärpen und für das Banner am Schellenbaum.

Bis 1830 trugen die Mitglieder der Lübbenauer Schützengilde ein einheitliches Grün. So leitete sich der Name "Jägerkompanie" ab.

Es kam aber zur "Aufmüpfigkeit": Einige Mitglieder betrachteten diese grüne Farbe nicht mehr zeitgemäß, denn Lübbenau gehörte seit 1815 zu Preußen, wo der blaue Farbton vorherrschte.

Erst lehnte der Graf das Ansinnen zum "Blau" strikt ab. Durch mehrere Verhandlungen, der damalige Kommandeur Dr. Martin versuchte immer ein salomonisches Urteil zu fällen, kam es am 23. Juli 1832 zu einem Einlenken aller Kontrahenten. In einem Beschluss wurde festgelegt, dass die Grundfarbe für die Uniform grün oder blau sein darf.

Am 3. August 1833, es war der Geburtstag von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, marschierte zum ersten Mal die blaue Kronenkompanie unter dem stürmischen Beifall der Bürgerschaft in der Stadt Lübbenau auf. Als Verzierung trugen sie an der Uniform eine Krone. Erst langsam wurde der Name "Kronenkompanie" angenommen. Man sprach damals noch von der "Blauen Kompanie", der "Grenadierkompanie" oder der "Gardekompanie".

Mit einem großen Stadt- und Schützenfest, Zapfenstreich, Ausmarsch, Festschießen, Tanz und Ball wurde 1858 an das 25-jährige Gründungsjubiläum der "Kronenkompanie" erinnert. Auch 1883, 1903 und 1933 wurde mit Stadtvergnügen, Festveranstaltungen und Preisschießen an die Gründung der populären Kompanie erinnert. Die Kronenkompanie wurde in ihrer 180-jährigen Geschichte von den Hauptleuten Friedrich Schumann, L. Winzler, A. Schumann, E. Nissel, E. Legler, Otto Enghusen, Hermann Braun, Helmut Trüstedt und Paul Konzack geführt.

An Kommandeuren stellte die Kronenkompanie Friedrich Schumann, E. Zimmermann, Friedrich Pöschkau, Carl Trüstedt, Otto Enghusen und Helmut Trüstedt.

Anlässlich des 75-jährigen Gründungsjubiläums im Jahre 1908 stifteten die Frauen der Kronenkompanie eine neue Fahne.

1991 kam es zur Neugründung der "Schützengilde zu Lübbenau 1655/1991". Seit dieser Zeit ist Christian Balke (Jahrgang 1953) der Hauptmann der Kronenkompanie.

Im Jahre 2010 wurde er zum Vorsitzenden der Schützengilde zu Lübbenau gewählt. Mit zahlreichen Initiativen und Aktivitäten bereitet die Schützengilde das Stadtfest "60 Jahre Lübbenauer Spreewald- und Schützenfest" vor.