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Alles, was alt ist und Räder hat

Das Mädchen fuhr Draisine: Christin Libor (Ogrosen) lenkte mit einem originalgetreuen Nachbau der vor 200 Jahren erfundenen Draisine die Blicke auf sich. Ausgeborgt hatte sie sich den Holzesel (Laufrad) von Opa Wilfried Jordan aus Drebkau (SPN).
Das Mädchen fuhr Draisine: Christin Libor (Ogrosen) lenkte mit einem originalgetreuen Nachbau der vor 200 Jahren erfundenen Draisine die Blicke auf sich. Ausgeborgt hatte sie sich den Holzesel (Laufrad) von Opa Wilfried Jordan aus Drebkau (SPN). FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Ogrosen. Udo Klauke zeigt sich beeindruckt: "Ich staune über den Zustrom und die Begeisterung. Diese Resonanz hätte nicht erwartet", schildert der Vorsitzende des MC Lübbenau seine Eindrücke zum sonntäglichen Stelldichein der Oldtimer in Ogrosen. Uwe Hegewald

Er selbst ist mit seinem Ford A Four-Door (4-Türer) de luxe und aus mehrfachen Gründen in Richtung Vetschauer Ortsteil aufgebrochen: Seelenverwandte treffen, am Wettbewerb um das älteste Auto teilnehmen und Werbung betreiben für das Oldtimertreffen am kommenden Sonntag, 10. September, im Rahmen des 14. Brandenburger Dorf- und Erntefestes in Raddusch. Was die Seelenverwandten betrifft, lernt Udo Klauke neue Liebhaber edler Karossen kennen. Familie Gensch (Plieskendorf) fährt mit ihrem Wartburg Hycomat vor, Familie Löber (Lipten) u.a. mit einem Youngtimer Crysler Le Baron Cabrio (Baujahr 1988) und die Familie Hüper (Vetschau) mit einem EMW (Baujahr 1951).

Olaf Hüper erzählt: "Bei der Limousine handelt es sich um den ersten Dienstwagen der SED-Bezirksleitung Cottbus. Produziert wurde damals im AWTOWELO Werk BMW Eisenach." Im Jahr 1995 habe er das "Wrack" erworben und binnen acht Jahren fahrtüchtig gemacht. Bemerkenswert: Mit ihrer stilechten Garderobe aus der Zeit ziehen Ingrid und Olaf Hüper zusätzlich Blicke auf sich.

Das gelingt auch Christin Libor (Ogrosen) mit ihren historischen Fahrrädern. "Ich vertrete nur meinen Opa Wilfried Jordan, der mit seinen Oldtimern beim zeitgleich stattfindenden Treffen in Drebkau weilt. Weil hier auch motorisierte Zweiräder, Fahrräder, Roller oder Dreiräder präsentiert werden, haben wir uns den Job geteilt", so die junge Dame, die viele von den regionalen Stollenreiten kennen. "Pferde sind besser und bequemer als dieses hölzerne Gefährt", räumt sie zwischenzeitlich ein. Bei dem "hölzernen Gefährt" handelt es sich um den originalgetreuen Nachbau des Laufrades, mit dem Karl von Drais am 12. Juni 1817 das Fortbewegen revolutionierte.

Die Erfindung des badischen Forstbeamten und Tüftlers findet im 200. Jubiläumsjahr vielerorts besondere Beachtung und Würdigung. "Vor mehreren Monaten hatten wir uns in der Kirchengemeinde darüber verständigt, ein Oldtimertreffen zu veranstalten. Mit so einem Zulauf haben wir nicht gerechnet", zeigt sich Horst Bernstein überrascht.

Der Organist aus Altdöbern ist für die Moderation zuständig, bei der er mit Detailwissen überzeugt. So erinnert er an die Zeiten, als für einen gebrauchten Pkw Trabant auf dem Schwarzmarkt mehr bezahlt wurde, als überglückliche Käufer nach zwölf Jahren Wartezeit für einen Neuwagen hinblättern mussten.

"Es sind die Geschichten, die sich um einzelne Fahrzeuge ranken und dem Treffen die Würze geben. Beachtlich, welche Raritäten hier vorgerollt sind", charakterisiert Lothar Böhme die Veranstaltung. Der Neudöberner ist mit einer Zündapp (Baujahr 1942) angereist, an der er sieben lange Jahre geschraubt hat. Freier Eintritt, Null Standgebühr und Petrus` Gefälligkeit sorgen zusätzlich für Magnet-Wirkung der Veranstaltung, bei der bereits zur besten Kaffeezeit der Kuchen ausgeht. "Das wird uns im kommenden Jahr nicht noch einmal passieren", beteuert Christel Paulick vom Gemeindekirchenrat. Unter welchem Motto das Fest im kommenden Jahr steht, kann die Ogrosenerin noch nicht sagen. Nur so viel verspricht er schon mal: "Wir werden uns schon etwas Originelles einfallen lassen."

Zum Thema:
Folgende Teilnehmer konnten mit ihren ältesten Fahrzeugen die Kategorien für sich entscheiden: Pkw: Udo Klauke (Lübbenau) Ford A (Baujahr 1930), Motorrad: Daniel Rogenz (Bad Muskau) BMW (Baujahr 1932), Moped: Christin Libor (Ogrosen) Quickly NSU (Baujahr 1954), Fahrrad: Christin Libor (Ogrosen) Hochrad (um 1870), Roller: Babette Helbig (Ogrosen), Dreirad: Heiko Helbig (Ogrosen), ältester Führerschein: Alfred Weise (Zwietow) ausgestellt 1926 auf Schwiegervater und Müllermeister Robert Schneeweiß. uhd1