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| 02:45 Uhr

Alles auf Anfang in Altdöbern in der Hebammenpraxis

Maria Beck, Heidrun Bertram und Dietlind Gennermann (v. l.) bei der Tourenplanung: Das Territorium der drei freiberuflichen Hebammen erstreckt sich über das gesamte Amtsgebiet Altdöbern, nach Calau, Welzow (SPN) sowie die Städte Senftenberg, Ruhland, Großräschen oder Schwarzheide im Süden des Landkreises OSL.
Maria Beck, Heidrun Bertram und Dietlind Gennermann (v. l.) bei der Tourenplanung: Das Territorium der drei freiberuflichen Hebammen erstreckt sich über das gesamte Amtsgebiet Altdöbern, nach Calau, Welzow (SPN) sowie die Städte Senftenberg, Ruhland, Großräschen oder Schwarzheide im Süden des Landkreises OSL. FOTO: U. Hegewald/uhd1
Altdöbern. Mit dem am 1. Februar erfolgten notariellen Eintrag einer Partnerschaftsgesellschaft bilden Dietlind Gennermann, Heidrun Bertram und Maria Beck ab sofort ein gleichberechtigtes Hebammen-Trio. Damit wird die langjährige, erfolgreiche Arbeit der Altdöberner Hebammen mit einer neuen Kollegin fortgeführt. Uwe Hegewald

Nicht mehr benötigtes Inventar sowie medizinische Geräte für Entbindungen sind verstaut oder anderen Geburtshäusern überlassen worden, der frühere Entbindungsraum zum Beratungs- und Kursraum umgestaltet. Die drei Hebammen verständigen sich bei einer Tasse Tee über anstehende Termine, feilen am Dienstplan, legen Fahrrouten fest. "Trotz ausbleibender Geburten ist die Arbeit nicht weniger geworden. Auch in unserem Landkreis finden nicht alle Familien eine Hebamme", sagt Dietlind Gennermann.

Werdenden Müttern und jungen Familien wird quasi eine Rundum-Fürsorge angeboten. "Von der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit oder dem neunten Lebensmonat des Kindes. So sieht es die Hebammen-Gebührenordnung vor", ergänzt Heidrun Bertram.

Geburten wird es in Altdöbern - mit Ausnahme von Notfällen - nicht mehr geben. Auslöser sind die hohen Beiträge der Berufshaftpflicht für freiberufliche Hebammen. "Um Geburtshilfe anbieten zu können, müsste ich allein für diese Leistung ab Juli dieses Jahres einen Betrag von 7600 Euro entrichten. Da sind alle weiteren Kosten noch nicht einbezogen", erklärt Maria Beck. Ihre Kolleginnen führen an, dass sich das wirtschaftlich nicht mehr rechnen lasse. Sie fügen sich in ihr Schicksal, auch wenn nach jahrelangem Kampf des Deutschen Hebammenverbandes inzwischen Zuschüsse zur Deckung der gestiegenen Versicherungskosten gezahlt werden.

"Das ist eine politische Entscheidung, die es Schwangeren nahezu unmöglich macht, sich alternativ zur Klinik für eine Hausgeburt oder Entbindung in einem Geburtshaus zu entscheiden", beklagt Susi Maaß aus Weißag (Gemeinde Luckaitztal). Ihr am 14. September 2015 geborener Sohn Stellan ist der letzte Sprössling, der im Altdöberner Geburtshaus das Licht der Welt erblickte. Es war das 665. Baby der im März 1993 gegründeten Hebammen-Praxis und das 49 025 seit Altdöberner Geburtenaufzeichnungen im Jahr 1874.

Die junge Familie Maaß findet keine plausiblere Erklärung dafür, dass sich die Geburt eines Kindes in einer hoch entwickelten, zivilisierten Gesellschaft so schwierig gestaltet, jedoch früher nahezu problemlos funktionierte. Für den bevorstehenden Familienzuwachs hat sich die junge Familie deshalb auch in Sachen Hausgeburt informiert und eine freiberufliche Hebamme gefunden, die auch Geburtshilfe anbietet. Ihr Wohnort: Dresden. "Ist das nicht schlimm? Als sich Stellan angekündigt hatte, waren wir in sieben Minuten im Altdöberner Geburtshaus", zieht Susi Maaß einen Vergleich.

Die Altdöberner Hebammen haben indes mit dem Kapitel Geburtshilfe schmerzlich abgeschlossen und können dem Schritt sogar Positives abgewinnen. "Wir können unsere ganze Kraft in die Vor- und Nachsorge investieren und wir können wieder einmal durchatmen. Die jahrelange Dauerbereitschaft zehrte schon an den Kräften, familiäre Dinge wurden oft hintenangestellt", sagt Dietlind Gennermann zurückblickend. Tröstlich: Erinnerungen und Erlebnisse an "Lichtblicke" im nun ehemaligen Geburtsort Altdöbern können den Hebammen nicht genommen werden.

Zum Thema:
Auf der Homepage www.lichtblicke-altdoebern.de erfahren Interessierte mehr über die drei freiberuflichen Hebammen sowie alles Wissenswerte über Termine und Kurse, darunter auch Yoga-Kurse für Schwangere, Mama-Baby-Yoga sowie Erste-Hilfe-Kurse am Säugling, die durch das Netzwerk "Frühe Hilfen" gefördert werden.