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| 01:38 Uhr

Ältestes Haus ist neues Schmuckstück

Schön anzusehen – das Gebäude mit dem Café „Zeitlos“ in Lübbenau am Kirchplatz. Foto: Jan Gloßmann
Schön anzusehen – das Gebäude mit dem Café „Zeitlos“ in Lübbenau am Kirchplatz. Foto: Jan Gloßmann FOTO: Jan Gloßmann
Lübbenau. Das Bild des Lübbenauer Altmarktes hat sich in den zurückliegenden Wochen verändert. Das Café „Zeitlos“ präsentiert sich im vermutlich ältesten Haus von der Stadt. Neben Kaffee, Torte und Leckereien finden die Besucher im Gastraum auch Musik, Kultur und ganz viel Geschichte. Bernd Marx/bdx1

Nicht nur die einheimische Bevölkerung sah die Umbaumaßnahmen am Eckhaus zur Lübbenauer Poststraße in den zurückliegenden Wochen mit Wohlwollen. Nach dem Fall der Baugerüste, zeigt sich ein Geschäftshaus mit Stil.

"Nach dem Erhalt der Baugenehmigung im Dezember 2010 benötigte ich fast ein ganzes Jahr, um alles nach meinen Vorstellungen umzubauen und zu gestalten", erklärte der Hausbesitzer Werner Zimmermann aus Lübbenau. Historisches Baumaterial, darunter 400 Jahre altes Kieferholz, und handgestrichene Ziegel im Klosterformat fanden dabei im Innen- und Außenbereich Verwendung.

Nach historischen Unterlagen soll das Gebäude aus dem Jahr 1713 stammen. Damit ist es vermutlich das älteste noch erhaltene Haus in der fast 700-jährigen Spreewaldstadt. Das einzigartige Kreuztraggewölbe im Keller soll zwischen 1620 und 1650, es ist die Zeit des 30-jährigen Krieges von 1618 bis 1648, entstanden sein. Der Hausflur war bis 1911 eine "Mautstelle", da es die heutige Poststraße zwischen dem Lübbenauer Bahnhof und dem Altmarkt noch nicht gab.

Historisches Ambiente

Eine originale "Roll-Karte" mit einer langen Lübbenauer Namensliste aus dem Jahr 1891 zeigt im Café an, welche Beiträge die Altstädter Bürger für den Transport von Waren an dieser Stelle zu zahlen hatten.

Nach den Zwischenstationen als Kolonialwarenladen und Schuhgeschäft in den vergangenen Jahrzehnten, ist das Haus nun ein attraktives Café mit dem Charme der Vergangenheit geworden.

Anfang Oktober 2011 öffneten sich die Türen für die Kundschaft. Historisches Interieur schmückt das Café mit seinen 20 Sitzplätzen. Dazu gehören auch alte Ansichtskarten aus Lübbenau und dem Spreewald sowie Reklameschilder aus den 1920er-Jahren.

Blechkuchen, hausgemachte Waffeln und die Torte "Kalter Hund" gehören zur umfangreichen Angebotspalette. In der Adventszeit kommen Stollensorten und weihnachtliches Gebäck dazu. Es gibt zahlreiche Kaffees, in Tassen, Potts oder Kännchen sowie heiße Schokolade für die Gäste aus nah und fern.

"Der Renner ist aber die ‚Eitner Buttercremetorte‘ nach einem 150 Jahre alten Hausrezept", so Geschäftsführerin Evelyn Baganz aus Berlin. Die Hauptstädterin verliebte sich während eines Spreewaldbesuches spontan in das Ambiente des neuen Café‘s und zog kurzentschlossen nach Lübbenau um. Nun will Evelyn Bagenz mithelfen, dass das Café ein Treffpunkt der Lübbenauer und ihrer Gäste wird.

Brunnengeist erfüllt Wünsche

In der Weinstube können zwölf Personen Platz finden. "Hier versammeln sich gern Familien und Gruppen", informierte Werner Zimmermann. Allerlei Karten- und Würfelspiele liegen parat, um die geselligen Treffen der Gäste zu umrahmen.

Im Brunnenhof lockt der Brunnengeist die kleinen und großen Gäste an.

"Wer eine Münze in den fast sieben Meter tiefen Brunnen wirft, kann sich etwas wünschen", so Werner Zimmermann, der den einst zugemauerten Brunnen der Öffentlichkeit wieder zugänglich machte. Der Wassergeist wird bei der Erfüllung des Wunsches etwas nachhelfen.

Das Café soll auch ein Treffpunkt für Familien, Gruppen und Vereine werden.

Jeden Dienstag geben sich um 14 Uhr die Lübbenauer Senioreninnen zum Kaffeeklatsch ein Stelldichein. Mittwochs treffen sich um 18 Uhr die Weinliebhaber im Weinkeller. Dort finden im Schein der Wachskerzen Weinverkostungen und ein Verkauf statt.

"Wir laden unsere Gäste auch zu Lesungen und Lichtbilder-Vorträgen, Life-Musik und Klavierabende ein", erklärte Evelyn Baganz. In der Adventszeit werden die Besucher von Lübbenau spüren, dass sich der Altstadtbereich in den letzten Wochen veränderte. Das Antlitz in diesem historischen Areal wurde um ein kleines "Schmuckkästchen" reicher.