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Ackerbau im Freilandmuseum

Gruppenleiterin Viola Wiedemann (2.v.r.) und ihre Mitarbeiter von der AWO-Spreewaldwerkstatt beackern rund 1000 Quadratmeter.
Gruppenleiterin Viola Wiedemann (2.v.r.) und ihre Mitarbeiter von der AWO-Spreewaldwerkstatt beackern rund 1000 Quadratmeter. FOTO: Preikschat
Lehde. Lautes Kikeriki und viel Gegacker empfangen Besucher des Lehder Freilandmuseums seit einigen Wochen auf der Obstwiese. Ein stattlicher Hahn und sieben Hühner verschiedener alter Rassen in hübschem Federkleid stolzieren hier herum. Daniel Preikschat

Und noch eine Veränderung stellt fest, wer schon früher Mal das Museum besucht hat: Auf der verwilderten Wiese hinter dem Gartenzaun sprießt das Blattwerk von Kartoffel und Kürbis.

Ergebnis der Arbeit von Gruppenleiterin Viola Wiedemann und fünf jungen Männern aus der Lübbenauer AWO-Spreewaldwerkstatt. Seit April haben sie im Freilandmuseum täglich von 8 bis14 Uhr viel zu tun. Auf 1000 Quadratmeter zuvor vernachlässigter Fläche haben sie Kartoffeln und Kürbis gepflanzt, in einem kleinen Gemüsegarten außerdem Gurke, Tomate und Meerrettich. Ein alter Schuppen wurde als Hühnerstall hergerichtet, in dem nun fleißig Eier gelegt werden. "Wir sind auch viel mit Besuchern im Gespräch über den Pflanzenanbau und die Hühner", erzählt Viola Wiedemann. Gerade für Großstadtbewohner und deren Kinder, ergänzt Museumschef Stefan Heinz, ist das schon etwas Besonderes. Es sei keine Frage: Die fünf jungen Männer aus der AWO-Spreewaldwerkstatt in Lübbenau und ihre Gruppenleiterin haben mehr Leben ins Freilandmuseum gebracht und es so noch etwas attraktiver gemacht für Gäste.

Im Museum wird aus Sicht von Heinz bereits gut dargestellt, wie Menschen vor 100 und mehr Jahren im Spreewald gewohnt und ihr Handwerk betrieben haben. Ziel sei nun, auch das Thema Gartenbau und Landwirtschaft anschaulich und lebendig zu präsentieren. Hierbei helfe die Kooperation mit der AWO. Die neuen Helfer identifizierten sich mit ihrer Arbeit, auch setzen sie landwirtschaftliches Gerät ein wie etwa den Handpflug. Die historischen Hilfsmittel stehen so nicht weiter nur irgendwo rum, sondern werden für Besucher sichtbar auch eingesetzt.

Auch aus Sicht von AWO-Fachbereichsleiterin Claudia Hub entwickelt sich im Freilandmuseum eine gedeihliche Zusammenarbeit. Die psychisch und/oder geistig eingeschränkten jungen Männer haben schnell eine starke Bindung zu ihrem Arbeitsplatz aufgebaut: "Sie wollen hier nicht mehr weg."

Außerdem sei es gut, wenn Menschen mit Behinderung und ihre Arbeit öffentlich mehr wahrgenommen werden. Die Kooperation sei sicher nicht von kurzer Dauer, sagt auch Heinz: "Es gibt noch viel zu tun."

Zum Thema:
Die Kooperation zwischen den AWO-Spreewaldwerkstätten und dem Freilandmuseum Lehde wurde im Dezember 2016 vereinbart und gilt seit dem 1. April. Die zunächst fünf Teilnehmer werden am Standort Lübbenau in der Garten- und Landschaftspflege betreut beschäftigt. Insgesamt besuchen 365 Menschen mit Behinderung die drei Werkstätten-Standorte der AWO, in Lübbenau sind es allein 160.