ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:56 Uhr

Bauwahnsinn geht weiter
Acht Wochen abgeschnitten

Hitzige Debatte am Baufeld des ehemaligen Kulturhauses in Vetschau. Martin Neuß (2.v.r.), Generalauftragnehmer des Bauherrn Helmut Schmid, versucht, den Anwohnern die Situation mit den Abstandsflächen und der Zufahrt zu erläutern. Die zeigen wenig Verständnis für die nun schlechteren Bedingungen.
Hitzige Debatte am Baufeld des ehemaligen Kulturhauses in Vetschau. Martin Neuß (2.v.r.), Generalauftragnehmer des Bauherrn Helmut Schmid, versucht, den Anwohnern die Situation mit den Abstandsflächen und der Zufahrt zu erläutern. Die zeigen wenig Verständnis für die nun schlechteren Bedingungen. FOTO: Rüdiger Hofmann
Vetschau. Auch künftig schlechtere Bedingungen für Vetschauer Anwohner am Kulturhaus-Baufeld. Von Rüdiger Hofmann

Das Bauvorhaben um den geplanten Handelsstandort mit Rewe-Markt, Rossmann-Filiale und einem Café am ehemaligen Kulturhaus in Vetschau lässt die dortigen Anwohner nicht in Ruhe schlafen. Nachdem Ende der vergangenen Woche plötzlich und ohne Vorabinformation die bisherige Zufahrt zu den jeweiligen Grundstücken aufgerissen und die künftige Gebäudekante des Neubaus markiert wurden, sind inzwischen auch Bauzäune aufgestellt. Ein Rein- oder Rausfahren ist nun gar nicht mehr möglich – geschweige denn eine Rettungsaktion durch Feuerwehr oder Krankenwagen.

„Es ist eine Frechheit, dass man uns als Anlieger vor vollendete Tatsachen gestellt hat“, sagt Daniel Michael. Auch Gäste der Pension „Antik“ nehmen die derzeitigen Zustände wahr. „Die Zufahrt zu den extra ausgebauten Parkplätzen auf dem Hof der Pension ist schon tagsüber eine Zumutung, nachts aber gar nicht mehr machbar“, sagt Ingo Müller aus dem Harz, der ein paar Urlaubstage in Vetschau verbringt. Somit parkt er woanders, und der Pension bleiben Einnahmen aus.

Der für das Projekt verantwortliche Bauherr Helmut Schmid hat Dienstag seinen Generalauftragnehmer, Martin Neuß, vor Ort geschickt. Der verweist – wie die Stadt Vetschau – auf den amtlichen Lageplan als bindendes Dokument und bestätigt, dass die Sperrung der Zufahrt acht Wochen andauern wird. „Sie bekommen eine Ersatzparkfläche zur Verfügung gestellt“, versucht Neuß, die Anwohner zu beruhigen. Diese ist tatsächlich – wenn auch verspätet und erst auf Drängen der Anlieger – inzwischen eingerichtet. Doch damit ist das Problem der Zufahrt nicht vom Tisch. „Weder Rettungs-, noch Anlieger-, noch Gästezufahrten werden noch gewährleistet“, sagt Pensionbetreiberin Anneliese Siemon. Liefer- und Baufahrzeuge für Fotoatelier, Wäscherei und Pension könnten nicht mehr versorgen. Ohne Rettungsgasse könne vor allem Anneliese Siemon ihrer Obhutspflicht gegenüber ihren Gästen nicht nachkommen. Im schlimmsten Fall müsse sie sogar ihre Pension dicht machen.

Eine spätere, geringfügige Aufweitung der Zufahrt durch eine Abschrägung am Neubau wird von Neuß zwar in Aussicht gestellt, doch die Anwohner werten auch die künftigen Bedingungen als schlecht. „Sollten die Baumaßnahmen zu weiteren Einschränkungen führen, sind wir gezwungen, einen Baustopp zu erwirken“, so Siemon.

Doch damit nicht genug. Am Dienstagabend meldeten sich plötzlich Pensionsgäste, da sie keinen Strom mehr auf ihren Zimmern hatten. Wie sich herausstellte, hatten die Bauarbeiter die vieradrige Einspeisung für die Pension beim Baggern durchtrennt. „Bis 21.30 Uhr gab es kein Licht, kein Warmwasser, die Tiefkühltruhe und Kühlschränke tauten ab, und das bei acht belegten Zimmern“, klagt Anneliese Siemon. Wenigstens das Problem konnte inzwischen aber behoben werden: Das zerfetzte Stromkabel wurde noch am gleichen Abend von der enviaM repariert.


So eng ist die Zufahrt, dass kaum ein Auto, schon gar nicht eine Feuerwehr, vorbei kommen. Dort soll die künftige Gebäudeecke entstehen.
So eng ist die Zufahrt, dass kaum ein Auto, schon gar nicht eine Feuerwehr, vorbei kommen. Dort soll die künftige Gebäudeecke entstehen. FOTO: Rüdiger Hofmann