Die drei Herren der Klasse geben sich beim Eintreten in den Gastraum betont galant und lassen den Damen den Vortritt – na bitte, klappt doch. Dann wird erst mal eine Weile geduldig gestanden, bevor jeder ein befülltes Sektglas in die Hand gedrückt bekommt. Während zum Auflockern Konversation mit Heidemarie Heim, der Dozentin für Persönlichkeitsmarketing, gemacht wird, entpuppt sich der Schampus als schnöde Apfelschorle. Die Abiturienten können es verschmerzen. Schließlich fordert das, was Heidemarie Heim ihnen mitgeben wird, ihre volle Aufmerksamkeit. "Nicht nur das Zeugnis ist für die berufliche Zukunft entscheidend, auch gutes Benehmen. Wissen, Können und Knigge – das ist Bildung", sagt sie bedeutungsschwer, als es endlich zu Tisch geht.

Zuversichtlicher Lehrer Lehrer Erich Herms hat keine Sorge, dass seine Schützlinge hier unangenehm auffallen könnten. Und natürlich habe er die Schüler seines Deutsch-Leistungskurses nicht zum Benimm-Kurs geschickt, um sie zu ärgern. "Das ist eine Stoffeinheit zum Thema Kommunikation, das gerade behandelt wird. Außerdem ist das Ganze für die kommende Bewerbungsphase der Schüler nicht ganz unwichtig", erklärt er.

Bei Tisch wird es derweil spannend: Die Serviette wird natürlich auf den Schoß und nicht achtlos beiseite gelegt, aufrechte Haltung und Handgelenke auf die Tischkante. Ellenbogen und Unterarme, so erfahren die Gymnasiasten, haben da nix zu suchen.

Die Gesichtszüge der Zöglinge entspannen sich, als zunächst Brot und Schmalz gereicht werden. Doch die nächste Lektion folgt auf dem Fuße. Abbeißen schickt sich nicht, so Heidemarie Heim, das Brot muss gebrochen werden. "Vor dem Essen brechen" lautet da die Devise, die ringsum für Schmunzler sorgt – eine kleine Eselsbrücke. Die ist für Maria-Christin Riethdorf immerhin recht hilfreich, denn "die Sache mit dem Brot" war ihr bisher unbekannt.

Munter weiter geht es mit einer Zander-Tomaten-Terrine mit Tomaten-Chili-Sauce. "Amuse gueule" nennt sich dieses für gewöhnlich "nicht bestellte kleine Appetithäppchen", klärt die Vetschauer Kursleiterin die Schüler auf. Dann erst folgt das aufgeschäumte Kürbissüppchen mit gerösteten Kürbiskernen und frischem Trüffel, die von den Gymnasiasten souverän gelöffelt wird und obendrein schmeckt, wie Juliane Schreiner bestätigt. Allerdings sieht die Schülerin den Dingen, die da kommen, mit Skepsis entgegen.

Hauptgang hat es in sich Denn der Hauptgang wird es in sich haben: Forelle "Müllerin" im Rohr gebacken. Heidemarie Heim gibt zu, sich bei der Wahl des Essens "bewusst für den höheren Schwierigkeitsgrad" entschieden zu haben. Das Filetieren des Fisches hat sie zwar für alle sichtbar aufgezeichnet, doch als es dann tatsächlich ans Aufschlitzen geht, mehren sich die ratlosen Gymnasiasten-Gesichter. Antje Richter hat trotz der guten Ratschläge so ihre Müh’ und Not mit dem Tier. Und das "Bäckchen", diese Delikatesse hinter dem Auge, wie Heidemarie Heim betont, scheint unauffindbar. Nebenan allerdings hat Isabel Richter längst den Forellen-Schwanz samt Mittelgräte und Kopf entfernt – ein echter Profi.

Aber auch so ein Forellen-Essen ist irgendwann vorbei. Tapfer schlagen sich die Gymnasiasten und ebenso tapfer unterdrücken sie ihre Cola- und Bierwünsche, nehmen stattdessen mit Weißwein Vorlieb, wenngleich der verdammt nach Apfelsaft schmeckt. Die abschließende Dessertvariation gerät schließlich geradezu zum Klacks.

Christoph Berger kann dem außergewöhnlichen Abstecher ins Schlossrestaurant durchaus Positives abgewinnen. "Was gelernt habe ich hier auf jeden Fall." Allein die besondere Rolle des Gastgebers, die dem Schüler mit den Rasta-Zöpfen zugekommen war, empfand er als "ziemlich ungewohnt". Für ihn ist jedenfalls klar, dass er demnächst sicher "keine Feier in diesem Stil" schmeißen wird.