"Das sind alles ungelegte Eier", erregt sich die Tornitzerin Jana Roth gleich zu Beginn der Einwohnerfragestunde. Grund des Unmutes war ihr Ohnmachtsgefühl hinsichtlich des geplanten Baues von Windkraftanlagen im Lobendorfer Wald und der Ausweisung von Windeignungsflächen.

In der Vetschauer Hauptausschusssitzung ging es in den ersten und vorgezogenen Tagesordnungspunkten um die Zustimmung zur Auslage eines Bebauungsplanes und des entsprechenden Flächennutzungsplanes. Ein Investor plant die Errichtung von mehreren Windkraftanlagen in den Lobendorfer Forsten. Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos): "Wir als Verwaltung sind verpflichtet, solche Anträge zu bearbeiten. Nur so haben wir auch die Möglichkeit zur Einflussnahme und auf Berücksichtigung der Anliegerbedenken."

Jana Roth und die zahlreich angereisten Einwohner aus Tornitz und dem ebenso betroffenen Vetschauer Ortsteil Briesen hatten sich ein Positionspapier erarbeitet und darin ihre Fragen formuliert. Warum brauchen wir noch einen Windpark, wo doch Vetschau seinen Verbrauch schon zu 122 Prozent mit regional erzeugtem Strom abdeckt? Warum müssen wir Tornitzer und Briesener, die schon vom Gestank der Schweinemastanlage beeinträchtigt sind, auch noch die Umzingelung mit Windkraftanlagen hinnehmen? Diese droht ihnen, weil vom Süden her der Nachbarkreis ebenfalls den Bau von Windkraftanlagen beabsichtigt. "Wir erwarten, dass Abstände, das Zehnfache der Anlagenhöhe, eingehalten werden. Zum Wohle des Schutzgutes Mensch", forderte Silke Köhler.

Anke Lehmann, Baufachbereichsleiterin: "Wir sind aufgefordert, Ausgleichsmaßnahmen zu planen. Diese erweisen sich aber in Ortsnähe als schwierig, da hier nur sehr wenige Flächen in kommunalen Besitz sind. Hier sind die Einwohner gefragt, die bereit sind, eine gewisse Dienstbarkeit auf ihren Privatflächen zuzulassen." Die Liste der Ausgleichsobjekte ist lang, sie umfasst 30 Maßnahmen. Nur wenig davon ist in unmittelbarer Nähe möglich, wie der Lobendorfer Wald, der im Sinne des Immissionsschutzes umgebaut werden könnte.

Hauptausschussmitglied Andreas Malik (CDU) in Richtung der Bürger: "Lassen Sie uns doch die Pläne erst einmal auslegen. Dann ist der Rechtszustand eingetreten, der Ihnen erlaubt, Ihre Einwände wirksam niederzulegen." In der nachfolgenden Abstimmung stimmten dann auch alle Ausschussmitglieder der Auslage zu. Die Tornitzer und Briesener fuhren mit der Gewissheit nach Hause, ihre Ablehnung deutlich gemacht zu haben. Auch mit der Erkenntnis, dass in einer Demokratie, soll sie denn funktionieren, auch einige "Spielregeln" einzuhalten sind. Wenn die Stadtverordneten am 28. Februar der Auslegung zustimmen, werden sie bestens vorbereitet sein. Ihr Positionspapier enthält 15 stichhaltige Argumente - gegen den Bau der Windkraftanlagen.

Die nachfolgen Tagesordnungspunkte befassten sich mit der Haushaltssatzung, der Verwendung der Schlüsselzuweisungen und dem naturverträglichen Wassertourismus. Diese wurden schon vorher in den Fachausschüssen behandelt und fanden die Zustimmung im Hauptausschuss.

Vetschau will der alternativen Energiegewinnung mehr Raum geben: Zu den derzeit bestehenden sechs Windrädern bei Tornitz und einem einzelnen Rad seit Dezember 2010 nahe der Schweinemast sollen sechs weitere hinzu kommen.