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| 13:44 Uhr

Tagebaufolgelandschaften
80 Millionen Euro für die Region

Hochrangiges Podium bei der Vorstellung des Regionalen Entwicklungskonzeptes für die Spreewald-Niederlausitzer Tagebaufolgelandschaften mit Landesplanungsministerin Kathrin Schneider (3.v.l.) , dem Landrat aus OSL (Siegurd Heinze am Mikrofon) und dem LDS-Kreis sowie den Bürgermeistern der Städte aus Vetschau, Lübbenau, Luckau und Calau. Die Stadthalle in Calau war mit etwa 100 Bürgern gut besucht.
Hochrangiges Podium bei der Vorstellung des Regionalen Entwicklungskonzeptes für die Spreewald-Niederlausitzer Tagebaufolgelandschaften mit Landesplanungsministerin Kathrin Schneider (3.v.l.) , dem Landrat aus OSL (Siegurd Heinze am Mikrofon) und dem LDS-Kreis sowie den Bürgermeistern der Städte aus Vetschau, Lübbenau, Luckau und Calau. Die Stadthalle in Calau war mit etwa 100 Bürgern gut besucht. FOTO: Rüdiger Hofmann
Calau. Im Regionalen Entwicklungskonzept für Vetschau, Calau, Lübbenau und Luckau geht es um Großprojekte und gigantische Kosten. Von Rüdiger Hofmann

Ein Raunen geht am Donnerstagabend durch das Publikum in der Calauer Stadthalle, als die Planer die Kostenschätzung für die Projekte aus dem Regionalen Entwicklungskonzept (REK) präsentieren. Knapp 80 Millionen Euro werden wohl alle Vorhaben um die Städte Vetschau/Spreewald, Lübbenau/Spreewald, Luckau und Calau in Summe kosten. „Vieles ist förderfähig“, beruhigt Michael Kroll von der KEM Kommunalentwicklung Mitteldeutschland GmbH die Zuhörer.

Im Beisein von Landesplanungsministerin Kathrin Schneider (SPD), den Landräten aus dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz, Siegurd Heinze (parteilos), und aus Dahme-Spreewald, Stephan Loge (SPD), sowie den Bürgermeistern der vier Städte sind Ergebnisse des gigantischen Konzeptes der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Luckau, Lübbenau, Vetschau und Calau hatten sich für die Erarbeitung des Konzepts im Jahr 2015 zunächst per Kooperationsvereinbarung zusammengeschlossen. Im Oktober 2016 konnte dann die KEM Kommunalentwicklung Mitteldeutschland GmbH und der Nachauftragnehmer IPROconsult GmbH für die Planung gebunden werden. In mehreren Veranstaltungen hatten Planer und Kommunen dann einen Entwurf mit Bürgern sowie Vereinen und Verbänden diskutiert. Knapp 100 Interessierte fanden nun den Weg nach Calau, um sich die Abschlussveranstaltung zu den Leitprojekten der Spreewald-Niederlausitzer Tagebaufolgelandschaft anzuhören.

Beim Blick auf den Finanzplan wird deutlich: Die größten Vorhaben sind vor allem der Ausbau eines Kernradwegenetzes mit einer Gesamtlänge von 234 Kilometern durch die gesamte Region mit einem sinnvollen touristischen Informations- und Leitsystem – was allein fast 20 Millionen Euro kosten würde – und die Entwicklung eines Bade- und Ferienhausstandortes Bischdorf-Ost. Hierfür wären rund 24 Millionen Euro fällig, so die Planer. Auch die Erweiterung der Hafeneinfahrt und der Bau von Funktionsgebäuden in der Marina Schlabendorf inklusive der Weiterentwicklung des dortigen Umfelds zu einem attraktiven Tourismusstandort mit Badestrand und Übernachtungsmöglichkeiten steht mit rund elf Millionen zu Buche. Dagegen wirken die fünf Millionen für den Ausbau der Erlebniswelt Slawenburg verhältnismäßig günstig.

Um dieses eingefärbte Plangebiet geht es: Es zieht sich von Lübbenau im Norden gen Westen mit der Region um Luckau und den Schlabendorfer See über Calau bis in den Osten nach Vetschau zur Slawenburg nach Raddusch.
Um dieses eingefärbte Plangebiet geht es: Es zieht sich von Lübbenau im Norden gen Westen mit der Region um Luckau und den Schlabendorfer See über Calau bis in den Osten nach Vetschau zur Slawenburg nach Raddusch. FOTO: Rüdiger Hofmann

„Für das gesamte REK-Gebiet gilt ein Leitprofil: Wir wollen einzigartige Erlebnisse für Erholungsuchende sowie an Natur- und Kulturgeschichte interessierte Gäste und Bewohner schaffen“, sagt Joris Schofenberg von der KEM. Das soll vor allem per Rad- und Wassertourismus erfolgen. „Als Angebotsergänzung zum Reisegebiet Spreewald in einer reizvollen und von Extremen gekennzeichneten Tagebaufolgelandschaft“, so der Planer weiter. Zudem werden die Ortsbilder aufgewertet und die Einfahrten von Lübbenau, Vetschau, Calau und Luckau verbessert. Die historischen Stadtkerne sollen als Ausgangs-, End- oder Zwischenpunkte dienen, wie bei der Vorstellung am Abend deutlich wird.

„Die Änderungshinweise sollten nun im Planungsrat abgewogen und anschließend das REK fertiggestellt werden“, empfiehlt Joris Schofenberg. Für den ersten Teil des Kernradwegenetzes könne die Förderung beantragt werden. Die Vorstellung in den politischen Gremien der Städte ist zum Teil bereits erfolgt. Notwendig sind auch weitere Abstimmungen mit der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbh (LMBV) bezüglich der Vorhaltung und Pflege von Teilflächen entsprechend der dort vorgesehenen Entwicklung. „Gerade die LMBV ist ein unverzichtbarer Partner für die geplante nachhaltige Tourismusentwicklung“, so Planer Michael Kroll. Der Fokus liegt auf geotechnisch unbedenklichen und kurz- bis mittelfristig fertigsanierten Teilbereichen. Daher konzentriere man sich vor allem auf den Schlabendorfer und den Bischdorfer See.

Das gesamte Vorhaben wird bereits mit 80 000 Euro vom Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung unterstützt. „Ich freue mich, dass die Zusammenarbeit der Städte bei der Erarbeitung des Konzepts gut geklappt hat“, sagt Ministerin Kathrin Schneider. Sie ist sich sicher, dass Einheimische und Gäste von dieser gemeinsamen Strategie für die Region profitieren werden. „Jetzt kommt es darauf an, die vorbildliche Kooperation fortzusetzen und die Ideen und Projekte auf den Weg zu bringen. Dabei sind die Kommunen genauso gefragt, wie private Investoren und Vereine.“

Auch die anwesenden Bürgermeister zeigten sich erfreut ob des bisherigen Planungsstandes – auch wenn die hoch veranschlagten Summen den einen oder anderen schlucken ließen. „Es geht heute um einen gesamtkonzeptionellen Ansatz, aber noch nicht darum, wann genau was gebaut wird“, betont der Lübbenauer Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos). Und Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) sagt: „Wir wollen keine Konkurrenzsituation zu den anderen Städten schaffen und Doppelarbeit vermeiden. Daher ist eine geordnete Struktur wichtig.“

Die vorgestellten Leitbilder und Projekte werden bald über die Internetseiten der jeweiligen Städte in Kurzform abrufbar sein.