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| 10:33 Uhr

Nach Weggang von Medizinischem Zentrum
Mit 78 Jahren: Arzt eröffnet Praxis in Lübbenau

 Dr. Siegfried Stadelmayer praktiziert seit vergangener Woche in der Karl-Marx-Straße. Ehefrau Renate Stadelmayer und Schwester Ramona Starke machen das Team komplett.
Dr. Siegfried Stadelmayer praktiziert seit vergangener Woche in der Karl-Marx-Straße. Ehefrau Renate Stadelmayer und Schwester Ramona Starke machen das Team komplett. FOTO: LR / Daiel Preikschat
Lübbenau. Dr. Siegfried Stadelmayer hat in der Karl-Marx-Straße bereits zahlreiche Patienten in Behandlung. Im Medizinischen Zentrum Lübbenau war dem verdienten und noch rüstigen Mediziner zuvor gekündigt worden. Von Daniel Preikschat

Viele Lübbenauer dürften gestaunt haben über den neuen Mieter in der Karl-Marx-Straße 14. Denn dort, wo sich früher das Café neben der Bäckerei Radnitz befand, praktiziert seit dem 4. Februar Dr. Siegfried Stadelmayer. Dabei schien doch der Facharzt für Innere Medizin und Allgemeinmedizin, der im vergangenen Jahr sein 50. Dienstjubiläum feiern durfte, fest verbunden mit dem Medizinischen Zentrum Lübbenau (MZL) in der Neustadt.

Hier hat er seit Jahrzehnten praktiziert und war lange Ärztlicher Direktor gewesen. Auch dank des Engagements Stadelmayers konnte die einstige Poliklinik nach der politischen Wende überhaupt erhalten und zu einem medizinischen Zentrum entwickelt werden.

Zuletzt stand der Senior dem MZL stundenweise als Hausarzt zur Verfügung, versorgte pro Quartal aber immerhin noch 200 bis 300 Patienten. Dann jedoch kam im vergangenen Jahr plötzlich die Kündigung. Man trenne sich aus „unternehmerischen Gründen“, wie es lapidar vom alleinigen Gesellschafter, der Stadt Lübbenau, hieß.

Siegfried Stadelmayer will dazu nichts weiter sagen, scheint den Schlag aber schnell verkraftet zu haben. Er habe für sich sehr bald entschieden, einen Neuanfang als niedergelassener Arzt zu wagen, erzählt er. Auch noch mit 78 Jahren. Er fühle sich geistig und körperlich der Aufgabe gewachsen – und er fühle sich seinen vielen Patienten verpflichtet.

Nicht nur Stadelmayer selbst hält sich durchaus noch für geeignet. Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) gingen viele Schreiben besorgter Patienten Stadelmayers ein. Warum ein so verdienter und beliebter Arzt, der sich für keinen Hausbesuch zu schade ist und dringend gebraucht werde, gehen müsse, wurde gefragt und Unverständnis geäußert.

Stadelmayer sei eine Institution im Spreewald, doch sei die Entscheidung des MZL zu akzeptieren, hieß es aus Potsdam dazu. Zugleich aber erteilte man dem Arzt die Zulassung für die von ihm beantragte hausärztliche Versorgung zum 1. Januar 2019. Die hohe Wertschätzung des rüstigen und erfahrenen Mediziners, die bei der Feier seines 50. Dienstjubliäums in Lehde auch der KVBB-Vorstandsvorsitzende Peter Noack zum Ausdruck brachte, dürfte nicht der einzige Grund gewesen sein, so zu entscheiden.

Nach Einschätzung des KVBB gehört Lübbenau zu den Regionen mit drohender oder bereits bestehender ärztlicher Unterversorgung. Zulassungen werden hier besonders gefördert. Der Zufall half Siegfried Stadelmayer, schnell geeignete Räume für seine Praxis zu finden. Das leer stehende Erdgeschoss eines Altbaus in der Karl-Marx-Straße bot sich dafür an mit seinem Grundriss und seiner Raumaufteilung. Die Lage mit Haltestelle in der Nähe sei ebenfalls gut, findet Stadelmayer und auch die Parkplatzsituation. Hinzu kam noch eine gewisse emotionale Verbundenheit. Siegfried Stadelmayer ist im Nachbarhaus in der Bergstraße groß geworden, hat mit den Kindern von Bäcker Radnitz gespielt, wie er sich noch gern erinnert. Auch dank seiner Ehefrau Renate  konnte Siegfried Stadelmayer die Praxis zügig einrichten und ausstatten. Patienten finden hier unter anderem ein Herz-Kreislauf-Labor vor und einen Wartebereich mit viel Komfort.

Bei der Inneneinrichtung war seine Frau der Chef, sagt der Arzt dazu nur. Da habe er sich rausgehalten. Renate Stadelmayer lege Wert darauf, dass sich die Patienten wohl fühlen. Die Diplom-Pharmazeutin nimmt sie auch in Empfang und arbeitet als Schwester in der Praxis mit. Die zweite Schwester kennt Siegfried Stadelmayer ebenfalls gut. Ramona Starke war bei dem Lübbenauer in der Ausbildung und danach im MZL zwischenzeitlich bei ihm Schwester. Man sei ein gutes Team.

Schon im Lauf der ersten Woche kamen viele Patienten in die Karl-Marx-Straße 14, sagt Siegfried Stadelmayer. Die meisten von ihnen kennen ihn aus dem MZL. Stadelmayer räumt ein: Sein relativ hohes Alter könnte Patienten vielleicht nachdenklich machen. Doch sei seine Nachfolge bereits abgesichert. Für den Fall, dass er doch einmal kürzer treten oder ganz aufhören will. Doch daran denkt er heute noch nicht.