ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:29 Uhr

Teichfahren-WM
Robert Hartmann ist neuer Weltmeister

Der neue Champion heißt Robert Hartmann FOTO:
Bischdorf. Bei der 6. WM im Teichfahren in Bischdorf endet Dominanz von Michael Jurtz. Von Uwe Hegewald

Am Ende fühlt sich Michael Jurtz (35) irgendwie erlöst: „Gott sei Dank“, entgegnet der fünffache Weltmeister, als ihm zum Ende des Finallaufes ein „Micha du bist abgelöst“ zugerufen wird. Die Dominanz ist vorerst gebrochen und so manche Last gefallen, die das Leben eines Weltmeisters bereithält. „Jetzt darf Robert das Fass Bier ausgeben und den Parcours auf dem Teich abbauen“, fasst Michael Jurtz zusammen. Abbauen bedeutet in Bischdorf das Anbinden der Bretter und Pfähle beim Rückbau, wobei der amtierende Weltmeister den Job im Wasser aufgebrummt bekommt. Jurtz gönnt Robert Hartmann (33) die Arbeit, er gönnt ihm aber auch den Titel.

26 Fahrer buhlen in Bischdorf um die WM-Krone, die erst nach überstandenem Vor-, Halbfinal- und Finalläufen vergeben wird. Rund 500 Meter beträgt die Wettkampfstrecke mit einem etwa 50 Meter langen Abschnitt über den bis zu 1,8 Meter tiefen Dorfteich. Fünf Runden sind im Finallauf zu absolvieren – inklusive fünfmaliger Überquerung des Holzsteges, der mit Kurven, doppelter Welle oder Wippe tückisch garniert ist.

Zum Trainieren der Balance nutzen die selbsternannten „Helden der Pedale“ oftmals Bordsteinkanten. Den Ernstfall können die WM-Teilnehmer erst am Freitagabend vor dem Wettbewerbswochenende testen, wenn der Parcours aufgebaut ist. „Monate vorher holen wir schon das benötigte Holz aus dem Wald und treffen uns dann regelmäßig zum Aufbauen“, führt Robert Hartmann an.

Beim Vorsitzenden des Jugendvereins Bischdorf laufen viele Fäden zusammen, die entsprechend gebündelt werden müssen, um ein WM-würdiges Flair hinzubekommen. „Wir können nur dankbar sein, dass wir so viele Sponsoren und Unterstützer an unserer Seite haben“, macht er am Beispiel der Technikbereitstellung fest. „Um nach den Hitzetagen den erforderlichen Wasserstand hinzubekommen, mussten 330 000 Liter Wasser herangefahren werden“, so Hartmann.

Er kann zwar sechs Siege im Teichfahren nachweisen, aber noch nie eine Weltmeisterschaft, die seit 2013 ausgetragen wird. Seine Prognose vor dem Wettbewerb: „Aufs Treppchen fahren und dann mal gucken.“

Die Messen scheinen sprichwörtlich gesungen, als Michael Jurtz als erster Teilnehmer heil über den Steg düst. Ein ums andere Mal zeigt sich der Serien-Sieger unbeeindruckt vom Parcours, der Gegnerschaft und den Verbalattacken des Moderatoren-Duos Helmut Richter und Norbert Abt. Die kecken Sprüche müssen aber auch alle anderen Teilnehmer aushalten – inklusive der jungen Damen, die beim Badewannenrennen ihre Meisterin ermitteln.

Yvonne Irrgang zeigt sich am versiertesten und verweist die Vorjahressiegerin Franziska Schulze und ihre Schwester Lisa auf die Plätze 2 und 3. Überraschung des Tages: Als eine der neun Teilnehmerinnen absagen muss, wird nach einer Freiwilligen im Publikum gesucht. Claudia aus Lübbenau meldet sich und zieht sich achtbar aus der Affäre. „Ich bin für jeden Spaß zu haben. Verlierer gibt es bei diesem Wettbewerb ohnehin nicht“, so die Spreewald-Städterin vor ihrer paddelnden Premiere in einer klassischen Zinkbadewanne.

Bei den Männern fährt Robert Hartmann ein souveränes Finale. Vom Publikum frenetisch gefeiert, streckt er auf den letzten Metern der Lausitzer Route 66 die Faust nach oben. Mit der 66. Auflage des Bischdorfer Teichfahrens zeichnet sich der Beginn eines Generationswechsels an. „Die alte Garde wird maximal bis zum 70. Teichfahren dabei sei. Dann ist die Jugend am Zug“, blickt der Weltmeister voraus. Dass es an Nachwuchs nicht fehlt, lässt sich am Beispiel von Adam Beyret festmachen, der mit seinen französischen Wurzeln beim diesjährigen Wettbewerb für internationale Ausrichtung sorgte. 14-Jährig vollzog der Wahl-Bischdorfer seine Teichfahr-Premiere.

Der neue Champion heißt Robert Hartmann FOTO: