ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:45 Uhr

Fahrradabenteuer
450 Kilometer mit dem Rad

Die Übernachtung im Calauer Erlebnisbad ist ein Höhepunkt der diesjährigen Radtour des Kinderhaus am Buchberg aus Hüfungen-Behla (Südschwarzwald). Unter erlebnispädagogischen Aspekten erkunden die Kinder die Lausitz.
Die Übernachtung im Calauer Erlebnisbad ist ein Höhepunkt der diesjährigen Radtour des Kinderhaus am Buchberg aus Hüfungen-Behla (Südschwarzwald). Unter erlebnispädagogischen Aspekten erkunden die Kinder die Lausitz. FOTO: LR / Stephan Meyer
Calau. Kinder einer Heimeinrichtung aus dem Schwarzwald erkunden die Lausitz auf dem Drahtesel. Von Stephan Meyer

Für gewöhnlich ist Campen im Calauer Freibad nicht gestattet. Doch für das Kinderhaus am Buchberg aus Hüfungen-Behla (Südschwarzwald) machte die Stadt Calau und Badleiter Jörg Labes zum wiederholten Male gerne eine Ausnahme. Es war bereits der dritte Besuch von Kindern und Pädagogen der Heimeinrichtung. Von Mittwoch zu Donnerstag durften sie nun schon zum zweiten Mal ihre Zelte im Freibad aufschlagen. Der Anlass war eine 450 Kilometer lange Fahrradtour, die weiterhin andauert. Gestartet sind sie am 2. August bei Bad Muskau. Bis zum 19. August wollen sie Berlin-Potsdam erreicht haben. 2007 und 2013 sind sie schon ein Mal die Strecke gefahren.

„Seit 23 Jahren bieten wir Fahrradtouren als Ferienfreizeit an“, erzählt Susanne Krause-Sittnick vom Kinderhaus. „Die Radtouren sind erlebnispädagogisch ausgerichtet. Es geht darum, dass die Kinder besondere Erfahrungen machen können, die sie zusammenschweißen.“

Die Einrichtung arbeitet mit Jugend- und Sozialämtern zusammen. Im Heim leben Kinder, die aus verschiedenen Gründen nicht im eigenen Elternhaus aufwachsen können. 30 Kinder und Jugendliche im Alter von vier bis 15 Jahren und 13 Betreuer nehmen an der Radtour teil. Zwischen 30 und 50 Kilometer werden täglich zurückgelegt. Für die beiden Jüngsten ist das jedoch noch zu anstrengend. Sie dürfen im Begleitfahrzeug mitfahren.

„Bei der Radtour heißt es, zurück zur Natur“, erklärt Susanne Krause-Sittnick. Kein Handy, keine Playstation. Täglich müssen Zelte auf- und abgebaut werden. Jeder muss mit anfassen.

Die Kinder sind in Gruppen eingeteilt. Jeden Tag erwartet sie eine Aufgabe. Das diesjährige Motto der Tour lautet: Expedition ins Tierreich. Dementsprechend tierisch sind auch die Aufgaben. Am Donnerstag, auf dem Weg nach Lübbenau, gingen sie der Frage nach, was rennt denn da? Welche vierbeinigen Tiere leben im Wald? Dazu mussten die Kinder Steckbriefe von den Waldbewohnern erstellen. „Schaut auch mal, ob ihr Pfotenabdrücke oder andere Hinterlassenschaften von Tieren findet“, so Heimleiter Klemens Krause-Sittnick. An den Abenden werden die Ergebnisse der Tagesaufgaben gemeinsam ausgewertet. Um diese lösen zu können, führte die Radtour sie beispielsweise schon zu einem Imker und einem Anglersee.

Angesichts der Hitze der letzten Tage sind die Kinder und die Betreuer froh, dieses Jahr nur kurze Tagesetappen zu haben. „Wir sind auch schon mal über 1 000 Kilometer in vier Wochen geradelt“, erinnert sich Susanne Krause-Sittnick. 70 bis 80 Kilometer pro Tag waren da keine Seltenheit. „Aber dieses Jahr haben wir viele jüngere Kinder dabei. Da geht das natürlich nicht.“ Üblicherweise nächtigen die Radler auf Vereinssportplätzen. Der Zwischenstopp in Calau ist da schon ein Höhepunkt. Vier Kinder haben die Gelegenheit gleich genutzt und ein Schwimmabzeichen gemacht. Zwei Mal Bronze, ein Mal Silber sowie ein Seepferdchen konnten vergeben werden.

Welchen nachhaltigen Einfluss die Touren auf die Kinder haben können, hat Susanne Krause-Sittnick vor Kurzem erfahren können, als sie ein ehemaliges Heimkind getroffen hatte. Vor allem die Radtouren seien ihm positiv im Gedächtnis geblieben. „Seine Mutter habe ihm damals so etwas nicht bieten können, erzählte er mir.“ Nun ist er selber Vater und gibt seine Erfahrung an seinen Sohn weiter, indem er mit ihm Radtouren fährt.

Nach einem Aufenthalt in Lübbenau geht es für die Schwarzwälder am Freitag Richtung Vetschau. Danach führt die Tour sie nach Briesensee und die Märkische Heide. In Berlin werden sie dann mit Fahrzeugen abgeholt. Das nächste Mal wird das Kinderhaus voraussichtlich wieder 2023 zu Gast in der Lausitz sein. Denn die Strecken werden im Fünfjahresrhythmus wiederholt.