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300. Kahnfahr-Prüfung bestanden

Die "Fahrgäste" um Sohn Maximilian und Mutter Claudia Stoldt sind zufrieden mit ihrem Chauffeur, Vater Jörg Lang (hinten).
Die "Fahrgäste" um Sohn Maximilian und Mutter Claudia Stoldt sind zufrieden mit ihrem Chauffeur, Vater Jörg Lang (hinten). FOTO: Friedrich
Lehde. Ein paar Tropfen Schweiß kullern Jörg Lang schon über die Stirn, als er mit dem Holzkahn die Lehder Anlegestelle erreicht. Nun muss er das Gefährt nur noch hinten und vorne sicher am Ufer befestigen und fertig ist die Prüfungsfahrt. Daniel Friedrich / dfh

Ob sie auch bestanden ist?

Mit wachsamem Auge beobachtet Wolfgang Gahl (58) vom Kahn aus die Handgriffe seines Fahrschülers: "Das sieht prima aus. Mit dieser Leistung kann ich guten Gewissens das Kahnfahrer-Zertifikat überreichen", sagt er und gratuliert Jörg Lang zur bestandenen Prüfung.

Der 51-Jährige aus der Nähe von Strausberg ist der 300. Kahnfahrschüler, dem Wolfgang Gahl das Kahnfahren beibringt und ein symbolisches Zertifikat aushändigt. Seit 2005 bietet der Lehdsche den rund 45-minütigen Einzelkurs auf dem Brodg- und Zeitzfließ sowie der Dolzke an. 25 bis 30 Fahrschüler zählt er im Jahr, durchgefallen sei bisher niemand. "Hinterher muss natürlich jeder selbst einschätzen, ob er sich traut, alleine einen Kahn zu fahren", meint Gahl.

Bei Jörg Lang, der mit seiner Frau Claudia Stoldt (52) und Sohnemann Maximilian (12) gerade Urlaub im Spreewald macht, hat er da keine Bedenken. "Es hat wirklich Spaß gemacht, auch wenn so eine Fahrt ziemlich anstrengend ist", berichtet Jörg Lang. Vor allem gerade Strecken seien schwierig gewesen: "Im Gegensatz zum Auto reagiert der Kahn viel träger, und nach dem Lenken fährt er eben nicht einfach wieder geradeaus", so seine neue Erfahrung. "Den schwankenden Kahn im Stehen anzuschieben, erfordert schon ein gewisses Gleichgewichtsgefühl und viel Technik. Und auch der Umgang mit dem langen Rudel will gelernt sein", resümiert der Familienvater.

Zwar ist das Kahnfahr-Zertifikat von Wolfgang Gahl kein offizielles Dokument. Aber wer es - wie Jörg Lang künftig - vorzeigt, kann sich bei ihm einen Kahn für maximal acht Personen ausleihen und damit selbst fahren. "Das würde sonst niemand machen, denn so ein Kahn ist ja wertvoll und den überlässt man nicht jedem", sagt er.

www.kahnfahrt-lehde.de

Zum Thema:
Wer privat Freunde oder Gäste über die Spreewaldfließe befördert, braucht dazu keine Genehmigung. Sitzen allerdings mehr als acht Fahrgäste auf dem Kahn, gilt die Fahrt als gewerblich. In diesem Fall braucht man einen speziellen Schiffsführerschein. Dieser besteht aus einem theoretischen Lehrgang und mindestens 100 nachgewiesenen praktischen Fahrstunden. Beide Teile werden mit jeweils einer Prüfung abgeschlossen. (dfh)