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| 14:20 Uhr

Erfolgsgeschichte
Hebammen stemmen sich gegen den Trend

Mit einem Tag der offenen Tür beging das Altdöberner Hebammentrio Maria Beck, Heidrun Bertram und Dietlind Gennermann (stehend von links) das 25-jährige Bestehen der Praxis.
Mit einem Tag der offenen Tür beging das Altdöberner Hebammentrio Maria Beck, Heidrun Bertram und Dietlind Gennermann (stehend von links) das 25-jährige Bestehen der Praxis. FOTO: Uwe Hegewald
Altdöbern. Von Juni bis September ist die Hebammenpraxis „Lichtblicke“ in Altdöbern schon komplett ausgelastet. Seit 25 Jahren setzt die Praxis fort, was in Altdöbern einst mit der Geburtenklinik begann. Im Herbst 1992 ist seinerzeit die Altdöberner Frauenklinik geschlossen worden.

In Teilen Deutschlands ist es noch immer schwierig, eine Hebamme zu finden. Trotz leichtem Anstieg des Berufsstandes müssen werdende Eltern mitunter Klimmzüge absolvieren, um sich die Rundumbetreuung durch eine Hebamme in Wohnortnähe zu sichern. Heidrun Bertram kann das bestätigen. „Für die Monate Juni bis September sind wir schon jetzt komplett ausgebucht“, informiert die freiberufliche Hebamme. Mit „wir“ meint sie die ebenfalls in der Altdöberner Hebammenpraxis tätigen Kolleginnen Dietlind Gennermann und Maria Beck.

Seit nunmehr 25 Jahren gibt es die Praxis. Auslöser war die Schließung der ehemaligen Altdöberner Frauenklinik am 30. September 1992. „Mit Antje Zobel hatte ich an diesem Tag die letzte Spätschicht“, erinnert sich Heidrun Bertram. „Dass Antje Zobel und Dietlind Gennermann am 6. März 1993 eine eigene Hebammenpraxis gründeten, war nur folgerichtig. Man konnte die werdenden Mütter doch nicht im Regen stehen lassen“, sagt sie. 1996 gesellte sich Heidrun Bertram zum Team, 2017 Maria Beck, nach dem Weggang von Antje Zobel. Zwischenzeitlich in Aschaffenburg und Stuttgart berufstätig, kehrte die 31-Jährige in ihren Heimatort Altdöbern zurück und verhalf dem Hebammenteam zu einer Verjüngungskur. „Sie ist selbst in einem Alter wo Frauen Mütter werden, was der Ausrichtung unserer Praxis sehr entgegenkommt“, so Heidrun Bertram. Als Mutter eines fast dreijährigen Jungen sei Maria Beck auf Augenhöhe mit den Frauen, die den Service der Praxis nutzen.

Rund 180 Familien werden jährlich betreut, zählt man die Frauen hinzu, die ausschließlich Rückbildungs- oder Babymassagekurse besuchen, steige die Zahl auf über 200. Wie Praxis-Gründungs-Hebamme Dietlind Gennermann informiert, erstreckt sich das Territorium von Calau und Vetschau dem kompletten Amtsgebiet Altdöbern, die Nachbarkommune Großräschen bis hin nach Senftenberg, Ruhland und Schwarzheide.

Als für den Geburtsort Altdöbern einschneidend in Erinnerung bleiben wird das Jahr 2015, als im Geburtshaus das Kapitel Entbindungen für immer geschlossen wurde. 665 Babys erblickten in der 1993 gegründeten Hebammen-Praxis das Licht der Welt, 49 025 waren es seit den Altdöberner Geburtenaufzeichnungen im Jahr 1874. Auslöser des Entbindungsstopps waren die hohen Beiträge der Berufshaftpflicht für freiberufliche Hebammen. Lagen sie 1992 noch bei umgerechnet 178,95 Euro, so stiegen sie kontinuierlich, bis zum heutigen Zeitpunkt auf 8170 Euro (Quelle: Deutscher Hebammenverband). „Über Langeweile können wir nicht klagen. Die Arbeit ist aber verlässlicher und strukturierter organisiert, was sich natürlich beruhigend auf Mütter und Familien auswirkt“, stellt das Hebammentrio klar. Vorbei ist die Zeit, als die Geburtshelferinnen ihre Familie mitunter zwei Tage nicht zu Gesicht bekamen, weil sich eine Geburt länger als ursprünglich erwartet hingezogen hat. „Ohne das Verständnis und die Unterstützung der Familien hätten wir die Praxis nicht in dieser Form und über diesen langen Zeitraum führen können“, betont Heidrun Bertram. Stellvertretend nennt sie Bernd Gennermann, der sich als Haus- und Hoftechniker einbringt oder die „gute Seele“ und Edelhelferin Angelika Lehmann, die quasi auch schon zur Familie zählt. Und noch einer Lehmann will das Trio danken: Jane Lehmann, freiberufliche Hebamme, die in Cottbus praktiziert, in Altdöbern wohnt und immer dann zur Stelle ist, wenn sie gebraucht wird.