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| 19:10 Uhr

Lübbenau
Kunst am Ei: Zart und zerbrechlich

Mit ihren verzierten Ostereiern und ihrer Tracht wusste Petra Nakoinz aus Schleife die Blicke gleich doppelt auf sich zu ziehen. Bereitwillig gab sie Tipps und Anregungen für das Dekorieren von Eiern und machte Appetit auf den 21. Sorbischen Ostereiermarkt (17. /18. März) in ihrem Heimatdorf Schleife.
Mit ihren verzierten Ostereiern und ihrer Tracht wusste Petra Nakoinz aus Schleife die Blicke gleich doppelt auf sich zu ziehen. Bereitwillig gab sie Tipps und Anregungen für das Dekorieren von Eiern und machte Appetit auf den 21. Sorbischen Ostereiermarkt (17. /18. März) in ihrem Heimatdorf Schleife. FOTO: Uwe Hegewald
Lübbenau. 19. Lübbenauer Ostereiermesse lockt Künstler und Besucher ins Spreewald-Museum. Von Uwe Hegewald

Respekt. 40 Aussteller aus zwei Bundesländern und mehreren Landkreisen haben am Wochenende dazu beigetragen, einen hart erarbeiteten Ruf zu verteidigen. Für Lübbenau und sein Museum steht außer Frage, dass sie die Ausrichter der größten Ostereiermesse im Spreewald sind. „Blicken Sie den Ausstellern über die Schultern, wenn filigrane, kunstvoll gestaltete Eier entstehen“, hieß es in der Ankündigung. Und die Besucher lassen sich nicht zweimal bitten. „Es gibt Personen, die ich jedes Jahr wiedersehe. Für diese Leute ist die Ostereiermesse ein unbedingtes Muss“, resümiert Gisela Christl.

Für sie ist es die 18. Teilnahme. „Nur bei der ersten Messe habe ich gefehlt“, so die Lübbenerin, für die am Samstag eine Doppelschicht angesagt war. Vor dem Stelldichein im Museum hatte die Gästeführerin noch zu einer ihrer beliebten „Krimi-Touren“ eingeladen und Besucher an Schauplätze der inzwischen legendären ZDF-Spreewald-Krimis geführt.

Fast schon detektivisch perfekte Kleinarbeit ist das, was Besucher an den einzelnen Ostereier-Ständen erblicken: Mit verschiedenen Techniken aufwendig dekorierte Ostereier in zahlreichen Farben und Motiven.

Dabei reicht die Bandbreite von klassischer, sorbischer Kunst bis hin zu trendigen Produkten, wie etwa auf Eier gebannte Logos bekannter Fußballvereine der Bundesliga.

„Irre. Es gibt sogar Eier, die mit ganz feiner Seide bestickt sind“, bemerkt Dirk Ehrhardt kopfschüttelnd. Für den Museumspädagogen und alle weiteren Mitarbeiter des Spreewald-Museums hat sich die Ostereiermesse gelohnt, noch bevor der erste Gast den Fuß über die Schwelle des Torhauses setzt. „Von unseren Ausstellern bekommen wir jedes Mal ein verziertes Ei geschenkt, womit wir unseren Fundus erweitern“, so Ehrhardt.

Aufgrund der freiwilligen Ein-Ei-Standgebühr ist die Museumssammlung inzwischen auf mehrere hundert Ostereier angewachsen. „Wir sammeln ausgeblasene Eier das gesamte Jahr hindurch. Richtig durchgetrocknet lassen sich diese viel besser dekorieren“, erklärt Petra Nakoinz aus Schleife.

Interessierten Besuchern verrät die bekennende Trägerin der Schleifer Tracht noch weitere Geheimtipps: Eigene Legehennen auf dem Hof, und bei der klassischen Wachs- und Bossiertechnik immer ein Gemisch aus Bienen- und Kerzenwachs verwenden. „Reiner Bienenwachs ist nur schwer von den Eiern abzubekommen“, so die frühere Potsdamerin, die das kunstvolle Hobby seit 1975 ausübt.

Verziert wird „in der Regel im Winterhalbjahr, bevor es im Frühling wieder nach draußen geht“, bemerkt Petra Nakoinz und untermauert damit Ausführungen von Edelgard Haschke (Beesdau).

Demnach hätten sich die Spreewälderinnen vom Martinstag bis Ostern zu ihren klassischen Spinten in ihre Häuser zurückgezogen; Handarbeiten und Hobbys gepflegt. Federn wurden geschlissen, Ostereier dekoriert oder das Spinnrad in Bewegung gehalten. „Eine spinnt immer“, begründet das Mitglied der deutschen Handspinngilde ihr Mitwirken bei der Lübbenauer Ostereiermesse. Mit ihrem Platz im Korridor hat Edelgard Haschke hinsichtlich des Kommens und Gehens den perfekten Überblick.

Kleine Museumsbesucher zieht es in die Mitmach-Manufaktur, wo sie sich unter Anleitung von Doreen Haiasch selbst an der Wachsbossiertechnik ausprobieren können. Was der temporären Museumsmitarbeiterin auffällt, sind die Talente der Kleinkünstler. „Um die Zukunft des Verzierens von Ostereiern müssen wir uns keine Sorgen machen“, so lautet ihr Fazit aus der Arbeit mit den Nachwuchs-Eiverzierern der Ostereiermesse.