Von Ingvil Schirling

„Ich bin erstaunt, was alles an Außergewöhnlichem auf die Beine gestellt wurde. Das hat uns sehr beeindruckt“ – mit diesem Fazit ist Anka Uff­recht am Samstag nach einem Besuch beim Spreewaldatelier auf dem Lübbenauer Kirchplatz nach Hause gegangen. Besser hätte man kaum auf den Punkt bringen können, was Kunstinteressierte, kleine und große Kreative und Einwohner in diesen Tagen im Spreewald empfing.

Byebye mit Blues

Am Freitagabend ging die Aquamediale als internationales Kunstfestival zu Ende. Sie gastierte diesmal in Straupitz, vereinte die Arbeiten von zehn Künstlerinnen und Künstlern unter dem Titel „Spreeland trifft“ und verabschiedete sich mit einem mitreißenden Blueskonzert am beleuchteten Kornspeicher in dem Oberspreewald-Ort.

Große Vielschichtigkeit und Breite von Angeboten im Kunstraum Spreewald präsentierte sich mit dem Spreewaldatelier tags darauf abschließend auf dem Lübbenauer Kirchplatz. Seit dem 14. September vereinen sich unter dem Oberthema „Plastik – Kunst oder Müll“ die Kreativschule für kleine und große Künstler mit einer Karikaturenausstellung, Orgelmusik zu Fontanetexten, Schnellporträts für Besucher und das romantische Traumstaken durch die Nacht sowie die Skulpturenbeleuchtung mit Tanzperformance als Schlusspunkt. Hauptattraktion war es, den 15 Bildhauern und zehn Karikaturisten aus Deutschland, Polen, Russland, der Ukraine, Dänemark und Kanada über die Schultern zu schauen.

Zwei rote Fäden

Zwei rote Fäden waren zu erkennen: Die große Besorgnis über die Umweltverschmutzung, deren Folgen besonders in Bezug auf Mikroplastik kaum abschätzbar sind. „Wir sind die gefährlichsten Lebewesen auf diesem Planeten“, brachte es der Lübbenauer Künstler Dietrich Lusici auf den Punkt.

Dagegen ist nur gemeinsam etwas auszurichten – und das Miteinander war der zweite rote Faden. Künstler vom Spreewaldatelier besuchten die Arbeiten ihrer Kollegen in Straupitz bei der finalen Kahnfahrt der 13. Aquamediale. Alte Freunde trafen sich, wie der Lübbenauer Karikaturist Rainer Schwalme und der deutsch-kanadischen Bildhauer Volker Steigemann. Junge und ältere Künstler tauschten sich aus, gewannen an Inspiration und Erfahrung.

Der kleine Oberspreewald-Ort Straupitz war anders als das versierte Lübbenau erstmals mit so viel moderner Kunst konfrontiert und erwies sich als souveräner und warmherziger Gastgeber.

Eine vergoldete Gurke und eine fontaneske Litfaßsäule werden in Sichtweite des Hafens ein festes Heim finden, gekauft vom Straupitzer Fremdenverkehrsverein und dem Freundeskreis Kornspeicher. Die „schöne Melusine“ als spreewälder Nixe mit faszinierender Ausstrahlung wird umgekehrt aus dem Straupitzer Schlosspark voraussichtlich in den Lübbenauer umziehen – die Stadt erwarb sie während der Auktion. Das darf nicht nur als echter Coup, sondern auch als Zeichen von Wertschätzung betrachtet werden.

Engagement für die Jüngsten

Das Miteinander erstreckte sich bis in die Beteiligung der Jüngsten in der Gesellschaft. Kreativschule und Kinder- wie Jugendkunstprojekte sind aus beiden Großveranstaltungen nicht mehr wegzudenken. Die Einnahmen für die Goldplättchen, die Besucher auf die Gurke des thailändischen Künstlers Natthapong Samakkaew (BACK) während der Aquamediale kleben konnten, spendete er für ein Spielgerät an der nahen Houwald-Grundschule in Straupitz, das wiederum er ganz oder teilweise mit entwerfen soll.

So verzahnte sich junge Kunst mit wertvoller Erfahrung, Herzlichkeit mit Kreativität, Spreewaldflair mit Engagement in einer vielschichten Weise, die der beeindruckenden Angebotsvielfalt kaum nachstand.

Großes Stelldichein in Lübbenau und Straupitz zum Abschluss von Spreewaldatelier und Aquamediale

Abschiedswochenende Großes Stelldichein in Lübbenau und Straupitz zum Abschluss von Spreewaldatelier und Aquamediale