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| 02:32 Uhr

100 Stunden im Jahr länger unterwegs

Aufmerksame Zuhörer in der Sport- und Kulturscheune.
Aufmerksame Zuhörer in der Sport- und Kulturscheune. FOTO: peb1
Raddusch. Wie viele Fahrräder und Kinderwagen passen in einen Bus? Wo bekomme ich eine Fahrkarte? Was, wenn die Bahn Verspätung hat – wie lange wartet der Bus? Diese und andere Fragen bewegten Berufs- wie Gelegenheitsreisende bei der Info-Veranstaltung des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) in Raddusch. Peter Becker / peb1

Thomas Dill vom VBB stellte vor etwa einhundert Zuhörern klar, dass es dem Verkehrsverbund um die Stabilisierung des RE 2 geht und nicht um die Abkopplung von Raddusch, Kunersdorf und Kolkwitz vom Schienennetz. Es sei nur die logische Konsequenz, weniger frequentierte Bahnhalte mit einem Ersatzverkehr zu bedienen, wenn ein Fahrzeitpuffer erreicht werden soll. Die magischen vier Minuten, um die es zur Einhaltung des Null-Knotens Cottbus geht, standen an diesem Abend immer wieder im Raum.

Tagsüber fährt der Bus

Der nun ab 13. Dezember gültige Fahrplan bedient nur noch nachts, morgens und abends die drei Orte direkt. So kann der Reisende täglich letztmalig um 6.29 Uhr die Bahn ab Raddusch nach Berlin nutzen oder aus Richtung Berlin um 18.25 Uhr in Raddusch aussteigen. Dazwischen werden alle Halte stündlich durch den Schienenersatzverkehr Lübbenau - Vetschau bedient, erstmalig um 7.02 Uhr ab Raddusch. Für manchen mag es ein Vorteil sein, dass der Bus in der Dorfmitte hält. Für Berufspendler aus Burg, Stradow, Naundorf und anderen Orten wird es dagegen so sein, dass sie mit ihrem Pkw direkt nach Lübbenau oder Vetschau fahren und auf den Bus verzichten. Hier sehen viele Bahnnutzer ein großes Problem: Kann es nicht sein, dass der dann möglicherweise wenig genutzte Bus als Nachweis dient, Raddusch und die anderen Bahnhalte für immer zu schließen?

Vanessa-Jordan Heinrich: "Wäre es nicht günstiger, zumindest in den schwächeren Zeiten Taxi einzusetzen? Das spart Kosten." Thomas Dill vom VBB sagte: "Grundsätzlich werden wir die Verkehre beobachten, nichts ist in Stein gemeißelt. Wenn sich Lösungen abzeichnen, werden wir die spätestens zum nächsten Fahrplanwechsel einarbeiten."

Auf eine Zwei-Jahres-Regelung schien sich keine Seite einlassen zu wollen. Der Stradower Bernd Pumpa warf ein: "Was kostet dieser Schwachsinn eigentlich? Wie viel Steuermittel werden hier verschwendet?" Jürgen-Peter Hiller vom Infrastrukturministerium: "Wir lassen uns die Pünktlichkeit etwa eine halbe Million Euro kosten. Die wegen Verspätungen verursachten Ausfälle in der Volkswirtschaft dürften aber deutlich über dieser Summe liegen." Thomas Noack aus Raddusch hat über die verlängerten Fahrzeiten nachgedacht und gerechnet: "Als täglicher Berlinpendler bin ich dadurch etwa 100 Stunden im Jahr länger unterwegs."

Absprachen zugesichert

Lars Gehrke, Leiter des ODEG-Bahnbetriebes, verwies auf Zusammenhänge im Nordraum, ging auf die wenigen umsetzbaren Vorschläge des Fahrgastverbandes ProBahn ein und gab sich redlich Mühe, die technischen Details allgemeinverständlich zu erläutern. Er gab das Versprechen ab, dass sich Bahn und Schienenersatzverkehr bei Unregelmäßigkeiten abstimmen und gegenseitig informieren werden. Werner Buchan aus Raddusch verwies auf die vielen Sommer- und Wochenendtouristen, die mit ihren Fahrrädern kaum eine Chance der Mitnahme im Bus sehen. "In der Tat ist es so, dass der Bus nur wenige Fahrräder mitnehmen kann", musste Thomas Dill bestätigen. Irene Linke wollte wissen, wo und wie man eine Fahrkarte kaufen kann. "Selbstverständlich besteht diese Möglichkeit im Bus und in der Bahn, dort sollte man aber das Busticket vorlegen", so Thomas Dill. Überlegungen gäbe es zum zweigleisigen Ausbau der Strecke nach Cottbus. Das Land geht in planerische Vorleistungen, mindestens die Begegnungsausweichstellen sollten in den nächsten Jahren geschaffen werden.