ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:48 Uhr

Migration im Landkreis Dahme-Spreewald
„Irgendwo neu anzufangen – das kenne ich auch“

Natalya Zimina (4.v.li.) kümmert sich um Migranten in Lübben. Hier ist sie im Gespräch mit Asylbewerbern beim Sommerfest in Lübben.
Natalya Zimina (4.v.li.) kümmert sich um Migranten in Lübben. Hier ist sie im Gespräch mit Asylbewerbern beim Sommerfest in Lübben. FOTO: Andreas Staindl
Lübben/Luckau. Weniger Geflüchtete kommen an, aber es gibt nicht weniger Papierkram. Diakonie-Mitarbeiter ziehen Bilanz. Von Ingvil Schirling

Drei Jahre ist es her, dass auch in der Region um Lübben und Luckau innerhalb weniger Monate viele Geflüchtete aufzunehmen waren. Händeringend wurden Unterkünfte gesucht – und gefunden, Strukturen neu aufgebaut. Seit diesem und letztem Jahr gehen die Zahlen der Neuankömmlinge wieder stark zurück. Weniger Arbeit haben sie deshalb aber nicht, sagen, zwei Frauen, die es wissen müssen. Natalya Zimina und Kristina Krüger arbeiten in der migrationsspezifischen sozialen Beratung der Diakonie und sind in Lübben, Luckau und Königs Wusterhausen, in den Gemeinschaftsunterkünften Waßmannsdorf und an der Lübbener Jahn-Straße sowie im Wohnungsverbund Walddrehna, in Massow und in Zützen unterwegs.

„Ja, es sind weniger Leute, aber wir haben nach wie vor viel zu tun“, sagt Kristina Krüger. „Viele kommen zu uns in die Beratungsstelle. Sobald man in eine eigene Wohnung zieht, fängt der Papierkram erst richtig an.“

Die beiden Mitarbeiterinnen bringen von sich aus großes Verständnis für die Situation mit, in der sich die Neuankömmlinge befinden. Natalya Zimina wanderte aus Usbekistan zu und lebt mit ihrem Mann seit zehn Jahren in Lübben. „Ich verstehe die Leute, wenn sie mir ihre Geschichte erzählen“, sagt sie. „Andererseits weiß ich auch, wie Ämter funktionieren.“ Ihre Kollegin Kristina Krüger wurde in Dresden geboren, studierte in Potsdam und arbeitete zwölf Jahre in einem anderen Bundesland – ist also, wenn man so will, eine Rückkehrerin. „Komplett irgendwo neu anzufangen, dass kenne ich auch“, sagt sie.

Mit diesem Hintergrund beobachten die beiden Frauen leichte und schwere Integrationsgeschichten. Dass es jüngere Menschen mit Bildung leichter haben, sich zurecht zu finden, sei unbestritten. „Es freut uns, wenn wir mit Jugendlichen sprechen, die sich schnell hier einfinden, einheimische Freunde haben und in Lübben und Luckau bleiben wollen“, sagt Natalya Zimina. „Sie haben den Anschluss gefunden und können ihre Freizeit hier gestalten“, ergänzt Kristina Krüger. Umgekehrt hätten einige nach ihrer Beratung sogar gefragt, wo sie ihrerseits auch helfen könnten. Und so standen drei Jugendliche kürzlich bei der Feier zum 25. Jubiläum der Diakonie am Grill – mitten im Ramadan.

Doch es gebe gerade bei der Familienhilfe andererseits auch komplexe Fälle, in denen beispielsweise das Jugendamt mit einbezogen werden muss. Kindererziehung, Schule – das laufe hierzulande manchmal sehr anders als in den Herkunftsländern, sagt Kristina Krüger, und daraus ergebe sich großer und sehr individueller Hilfebedarf.

Auch Arbeit zu finden, sei „nicht so einfach“, ergänzt Natalya Zimina. „Die Leute müssen sich viel Mühe geben.“ Sprache lernen, einen Titel und Erlaubnisse im Asylverfahren bekommen – das ist das eine. „Doch auch der Arbeitgeber muss einen langen Atem haben“, ergänzt Kristina Krüger.