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| 01:00 Uhr

„Zurückbleiben bitte“ auf dem Kabarett-Bahnhof Schönwalde

Zum dritten Mal hat das Kabarett „märKWürdig“ aus Königs Wusterhausen in Schönwalde ein neues Programm vorgestellt. Mehr als 100 Besucher wollten sich den Auftritt des Lehrer-Trios mit „Zurückbleiben bitte“ vor einer Bahnhofsdekoration nicht entgehen lassen. Sie wurden nicht enttäuscht. Von Jens Golombek

Mit „Hey Leute, wisst ihr vielleicht, wo es lang geht?“ , stimmte Geografielehrer Gerald Schreck mit Verweis auf die Verhandlungen der großen Koalition in Berlin das Publikum auf ein unterhaltsames Programm ein. Fast alle Politiker bekamen in knapp zwei Stunden ihr Fett weg. Analog zur Arbeitsweise in den Koalitionsgesprächen wurde unentwegt mit neuen Ideen von vorn begonnen. Neben der allgegenwärtigen „Schuldmentalität“ wurde auch die eigene Berufsgruppe von den Pädagogen kritisch durchleuchtet.
Ein von Techniker Otto Bochwitz simulierter Stromausfall sorgte für einen der größten Lacher: „Der Wirt hat noch einen alten Trabbimotor im Keller, den schließen wir schnell an“ , ließ viele Erinnerungen wach werden.
Vor der Pause wurde auch ein Blick in die Zukunft der bald extrem überalterten Lehrerschaft geworfen. Das Rauchverbot in der Schule wurde trocken kommentiert: „Nun stehen sie immer vor dem Tor.“ Worauf das Auditorium lachend anfügte: „Besser als auf der Straße!“
In der Pause standen Saal und Gaststube im Zeichen reger Diskussionen. Die Schönwalderin Roswitha Lehmann fand das Programm bis dahin „ganz ordentlich. Ich finde es aber nicht so gut, wie allerorten über die Politiker hergezogen wird.“ Klaus Schmied aus Lübben fehlte „noch ein wenig die Tiefgründigkeit. Die haben in Berlin so viel Dreck am Stecken. Da traut sich keiner, alles vorzubringen. Da würde einem ja auch das Lachen vergehen.“

Zigarette - nicht vor den Schultoren
„Auf die Lehrerszene hatte ich mich besonders gefreut. Die furchtbaren englischen Begriffe entstammen allesamt dem aktuellen Lehrplan“ , sagte Peter Bodenstein bei einer Zigarette, die er nicht vor den Schultoren rauchen musste. Seit 13 Jahren schreibt er solche Texte. „Dann kommen diese in die Diskussion - und fliegen danach oft genug wieder raus.“
Europa und Zeus philosophierten in der zweiten Hälfte des Abendprogramms über ihr neues Leben in Brüssel. Das Publikum war wieder schnell in Stimmung und interaktiv Teil der Vorstellung. Besonders als Dagmar Bochwitz über ihre Erfahrungen als Merkel-Double in Bayreuth berichtete.
Annett Louisan lieferte schließlich die Melodie für den musikalischen und thematischen Höhepunkt des Abends: Mit Zeilen wie „ich tu doch nichts“ und „ich will alles ändern, das wird schon noch“ neu betextet, übermittelte das Trio seine Botschaften.
Als einige kleine Pannen beim letzten Lied vom Publikum mit kräftigem trotzdem mit viel Applaus bedacht wurden, brauchten sich die Kabarettisten nicht wirklich mit dem Verweis auf das noch nagelneue Programm zu entschuldigen. „Die Politiker können es doch auch nicht besser als wir, und wir sind doch gut“ , war sich das Trio mit seinem Publikum zum Schluss einig.
„Eine Menge Exhibitionismus gehört sicher dazu“ , beschrieb Peter Bodenstein, der heimliche Kopf des Trios, seine Motivation zu öffentlichen Auftritten. „Wenn man nicht bereit ist, sich vor so vielen Leuten zum Affen zu machen, tut man sich so etwas nicht an. Wir haben viele Angebote, spielen auch ab und an im Lübbener Gymnasium. Das hier in Schönwalde ist längst zum Stammtreff geworden.“

Bochwitz: „Lästern macht Spaß“
„Wir ändern mit unserem Programm natürlich nix, aber es macht Spaß. Lästern macht immer Spaß“ , sagte Dagmar Bochwitz schmunzelnd. Sie geht davon aus, dass Kabarett zum Nachdenken anregt. Schlüsse aus den Texten müsse jeder für sich ziehen.
Dirk Becker und Familie sind „jedes mal dabei, wenn die Truppe mit einem neuen Programm vorbeischaut. Wir würden bestimmt nicht wiederkommen, wenn es nicht immer sehr gefallen würde“ , sagte der Schönwalder
Nach einer Spielpause ist „Zurückbleiben bitte!“ ab dem 9. Dezember in Königs Wusterhausen im Turm beziehungsweise im Bürgerhaus zu erleben.