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| 17:58 Uhr

Ostern
Ein neuer Held

Frankreich hat einen neuen Helden: Arnaud Beltrame war Polizist. Als ein Terrorist in einem Supermarkt in der Kleinstadt Trèbes bei Carcassonne Geiseln nimmt, lässt er sich gegen eine Geisel eintauschen. DerTerroristen schießt auf ihn. Im Krankenhaus ist Arnaud Beltrame seinen Verletzungen erlegen. Der Terrorist wird von der Polizei erschossen.

Terror hat verschiedenste Ursachen und es gibt ihn in den verschiedensten Formen. Immer aber liegt dem mangelndes Selbstbewusstsein oder eine tiefsitzende vermeintliche Kränkung bei den Tätern zu Grunde. Sie sind nicht die Starken, die Siegertypen, als die sie sich gern in Machopose mit hochgereckter Waffe präsentieren. Nein, sie fühlen sich beleidigt, zurückgesetzt, nicht wertgeschätzt.

Und was ist mit denen, die mit einem solchen Minderwertigkeitskomplex zu Politikern, gar Führern mächtiger Staaten werden? Na ja, die Handlungen und Folgen solcher Politik erleben wir gerade. Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit spielen da keine Rolle mehr und erst recht nicht der freie und demokratische Austausch von Meinungen. Es geht nur noch darum, dass die Anderen gegen uns sind und wir Stärke demonstrieren müssen, damit sie uns wieder achten und begreifen, dass wir recht haben mit unserem Denken und Tun. Das Gegenteil davon ist Arnaud Bertrame. Den Menschen in Not zu helfen und den Gewalttäter von seinem mörderischen Tun abzuhalten, das hat ihn das Leben gekostet.

Wir gedenken besonders am Karfreitag der Kreuzigung von Jesus Christus. Er war auch einer, der dem Staatsterror zum Opfer gefallen ist. Das mächtige Römische Reich war sich seiner Stärke so wenig sicher, dass es einen Wanderprediger um der Ruhe und Ordnung willen tötete. So aber war ihm gerade nicht beizukommen. Der Gekreuzigte und seine Sache gingen weiter, und seine Freunde verstanden allmählich, dass nicht Gewalt und Terror unsere Welt befreien werden, sondern die Liebe dessen, der sich lieber opferte, als andere zu Opfern zu machen. Werden wir seinen Weg mitgehen, oder weiter auf Macht und Gewalt setzen? Vielleicht finden wir in diesen stillen Tagen eine Antwort. Der gekreuzigte Jesus und der erschossene Arnaud Bertrame bitten uns darum.

Michael Wolf, Pfarrer der Ev. Kirchengemeinde Betten