ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 11:01 Uhr

Lieberose
Was wird aus dem Schloss in Lieberose?

Das imposante Schloss Lieberose ist eines der Wahrzeichen der Region, aber seine Zukunft ist ungewiss. Die Brandenburgische Schlösser GmbH hat einiges investiert, um das Gebäude gegen Wind und Wetter zu sichern. Wie es genutzt und im Inneren entsprechend ausgebaut werden könnte, ist völlig offen.
Das imposante Schloss Lieberose ist eines der Wahrzeichen der Region, aber seine Zukunft ist ungewiss. Die Brandenburgische Schlösser GmbH hat einiges investiert, um das Gebäude gegen Wind und Wetter zu sichern. Wie es genutzt und im Inneren entsprechend ausgebaut werden könnte, ist völlig offen. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Lieberose. Historisches Gemäuer in Lieberose soll Teil der INA sein – nur wie, das ist die Frage. Von Ingvil Schirling

Es ist ein wunderbares Gebäude mit reicher Geschichte und viel Charme, wenn auch aktuell von der etwas morbideren Art. Die Rede ist vom Schloss Lieberose. Es ist laut Brandenburgischer Schlössergesellschaft, in deren Eigentum es derzeit – noch – ist, „eines der größten Barockschlösser im Land Brandenburg“, heißt es auf deren Internetseite. „Zum Schloss gehört ein 34 Hektar großer Park.“ Beide „besitzen eine prägende, städtebauliche Bedeutung. Herausragend ist der plastische Schmuck des späten 17. Jahrhunderts im Inneren.“

Die zeitweise Nutzung in der Neuzeit als Internat mit vielen kleineren Zimmern, aber auch die großen und repräsentativen Räume lassen es als geradezu prädestiniert erscheinen, Teil der Internationalen Naturausstellung INA zu werden. Sie hat die Entwicklung der Region mit ihrer militärhistorisch bedingten Sukzessionslandschaft und vielen anderen Besonderheiten zum Inhalt und wird derzeit entwickelt. Die Brandenburgische Schlösser GmbH hat angekündigt, Gebäude verkaufen zu wollen – darunter auch das Schloss Lieberose. Vor diesem Hintergrund hat der Lübbener Frank Selbitz als Vorsitzender der Unabhängigen Bürgerliste im Kreistag kürzlich eine Anfrage gestellt. Ob die Nutzung gesichert sei? Wie es mit dem Denkmalschutz aussehe? Welche Position die Brandenburgische Schlösser GmbH zu einem Pachtvertrag oder Verkauf habe? Und schließlich: Ob 2019, zum 500. Jahrestag der Übernahme des Schlosses durch die Grafen Schulenburg, Feierlichkeiten vorgesehen seien?

Die Antwort offenbart: Beide Seiten haben aktuell sehr verschiedene Positionen. Die Schlösser GmbH würde den Aus- oder Umbau unterstützen, wenn die INA das historische Gemäuer zu einem symbolischen Preis kauft. Drei Millionen Euro hat die GmbH als Eigentümerin RUNDSCHAU-Informationen zufolge bereits investiert, um die Außenhülle gegen Regenwasser und Feuchtigkeit zu sichern: Der Dachstuhl wurde neu gemacht, die Regenwasserleitung funktioniert, die Keller sind trockengelegt und fast alle Fenster erneuert. Im Inneren allerdings herrscht morbider Charme: Der Putz fällt von den Wänden, Stuckdecken zeugen zwar von vergangener Pracht, doch so manche Böden und Treppen sind nicht mehr betretbar.

Dem Landkreis als Gesellschafter und der INA GmbH wäre es lieber, wenn die Schlösser GmbH das Gebäude behalten und auf Basis eines Nutzungskonzepts der INA sanieren würde, umrahmt von einem Pachtvertrag. Dieser Möglichkeit, das geht aus dem Schriftverkehr des Landkreises mit der Schlösser GmbH hervor, wird von deren Seite allerdings nur eine Außenseiterchance von fünf Prozent eingeräumt.

Das letzte Gespräch zwischen Landkreis und Schlössergesellschaft datiert von Ende Juni. Eine Entscheidung sei nicht gefallen, hieß es auf Nachfrage von Frank Selbitz im Kreistag. Feierlichkeiten zum angesprochenen Jahrestag seien der Verwaltung nicht bekannt.

Die Schlösser GmbH hält sich auf RUNDSCHAU-Anfrage mehr als bedeckt: Es gebe mit dem Land Brandenburg „vielfältige Überlegungen“ über „weitere Perspektiven“, heißt es, und „jede Nutzung, die zum dauerhaften Erhalt auch dieses Schlosses“ beitrage, werde begrüßt.

An einer Nutzung im INA-Rahmen arbeiten Joachim Faßmann und Lucas Opitz „mit aller Kraft“. Das Schloss sei „sehr gewünscht“ als Teil der Ausstellung“, sagt Lucas Opitz. „Daran halten wir fest.“

Damit das Schloss Lieberose nicht ganz in den Dornröschenschlaf fällt, bietet der Förderverein Lieberose über die Sommermonate Führungen an, die sehr gut besucht werden. Außerhalb dieser Zeit ist das Gebäude verschlossen.
Damit das Schloss Lieberose nicht ganz in den Dornröschenschlaf fällt, bietet der Förderverein Lieberose über die Sommermonate Führungen an, die sehr gut besucht werden. Außerhalb dieser Zeit ist das Gebäude verschlossen. FOTO: LR / Ingvil Schirling