Von Ingvil Schirling

Der Einkaufsmarkt an der Lübbener Postbautenstraße will sich deutlich erweitern. Die Marktkauf-Pläne sind schon seit Längerem in der Diskussion. Nun haben die Stadtverordneten den dafür notwendigen Bebauungsplan auf dem Tisch. Er beleuchtet, wie sich der Markt entwickeln könnte und welche Folgen das hätte – und zwar für die gesamte Einkaufslandschaft und die Lübbener Innenstadt. An einer brisanten Formulierung entzündete sich dazu eine interessante Debatte.

Auf Seite 24 des stolze 113 Seiten umfassenden Papiers stand bisher folgender Satz: „Es ist jedoch wahrscheinlich, dass der Rewe-Markt an der Frankfurter Straße schließen muss. Dieser Standort weist nur wenige Kopplungsmöglichkeiten mit weiteren Einzelhandelsbetrieben auf; zudem überschneiden sich der Einzugsbereich dieses Marktes mit dem der Postbautenstraße.“

Ein Satz mit Sprengstoff. Die LR fragte dazu Dienstag bei der Rewe-Group an, erhielt jedoch bis Mittwochnachmittag keine Antwort.

Seit vielen Jahren ist im Gespräch, dass der Rewe an der Frankfurter Straße eigentlich zu klein ist, um das volle Sortiment der Kette anzubieten. Spekuliert wurde daher auch schon, dass er eventuell mit dem benachbarten Getränkemarkt zusammengelegt werden könnte, um die Verkaufsfläche zu vergrößern. Soweit kam es bisher nicht. Der Getränkemarkt ist allerdings inzwischen geschlossen.

Der Rewe-Markt ist gut besucht. „Mir fehlt jede Fantasie, warum Rewe ihn, so wie er jetzt läuft, schließen sollte“, sagte Stadtverordneter Andreas Rieger zu diesem Thema im Hauptausschuss. Er nutze selbst häufig diese Einkaufsmöglichkeit.

Die Formulierung im B-Plan hielt Peter Rogalla (Die Linke) grundsätzlich für „bedenklich“. Die Irritationen, erklärte Bauamtsleiter Frank Neumann, „kommen daher, dass Rewe vehement versucht, dort ein Sondergebiet zu entwickeln mit einer großen Verkaufsfläche von 1000 Quadratmetern. Wenn das nicht umgesetzt wird, wollen sie den Standort nicht weiter betreiben.“

Andreas Rieger hält die Situation für „unglücklich. Das Argument ,Wir schließen, wenn wir nicht mehr Platz kriegen’ kann eine Kommune gar nicht bewerten, weil sie ans Planungsrecht gebunden ist. Das Betreiben des Marktes ist eine freie Entscheidung des Konzerns“, sagte er – nicht ohne Hinweis darauf, dass solche Argumentation durchaus ein Druckmittel darstellt. „Rewe weiß, wie man welche Argumente an welcher Stelle lanciert, um seine Interessen durchzusetzen.“

Davon abgesehen waren sich die Hauptausschuss-Mitglieder einig, dass eine Aussage über die Zukunft eines Marktes nicht Sache eines Bebauungsplans sein kann. Die angesprochene Formulierung soll an dieser und anderen Stellen herausgenommen werden.

Im Zuge der Entwicklung der Postbautenstraße als Einkaufsbereich spielt der Schutz der Innenstadt ohnehin die weitaus größere Rolle. Dafür hatten sich Lübbener Einzelhändler bereits in der Vergangenheit stark gemacht. Marktkauf musste entsprechend Kompromisse machen. „Es waren zähe Verhandlungen, in denen Edeka bis an den Rand der Schmerzgrenze rücken musste“, schätzte Karin Jacobsen als Stadtplanerin jüngst im Bauausschuss ein. Marktkauf gehört zur Edeka-Gruppe.

Im Ergebnis wird die Fläche von ursprünglich geplanten 5900 Quadratmetern Verkaufsfläche um 100 Quadratmeter reduziert. Davon bleiben 800 Quadratmeter ausschließlich „nicht-zentrenrelevanten Sortimenten gemäß Lübbener Liste“ vorbehalten, heißt es in dem Planwerk. Damit soll sichergestellt werden, dass der etwas außerhalb der Stadt gelegene Markt den Geschäften im Zentrum so wenig Konkurrenz wie möglich macht.

Unterm Strich vergrößert sich der Markt mit jetzt 2610 Quadratmetern Verkaufsfläche aber deutlich. Der benachbarte Baumarkt wird „entsprechend verkleinert“, heißt es in dem Planentwurf. Zu vermuten ist, dass dieser sich einen anderen Standort suchen muss – das ist aber bisher nicht offiziell bestätigt.

Der erarbeitete Plan muss im nächsten Schritt gebilligt und offengelegt werden. Dafür müssen die Stadtverordneten in ihrer Sitzung am 31. Januar grünes Licht geben.