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Lübben
Züchter trotzen der Vogelgrippe

Schauen sich gemeinsam ein mit der Bundesmedaille prämierte Zwerg-Wyandotte von Frank Schulze an: V.li.: Detlef Richter, Mike Müller, Maximilian Müller und Rudi Peisker.
Schauen sich gemeinsam ein mit der Bundesmedaille prämierte Zwerg-Wyandotte von Frank Schulze an: V.li.: Detlef Richter, Mike Müller, Maximilian Müller und Rudi Peisker. FOTO: Andreas Staindl
Lübben. Vogelgrippe und Nachwuchsproblemen zum Trotz präsentierten die Rassegeflügelzüchter bei ihrer Schau in Lübben gute Ergebnisse.

Rassegeflügelzüchter des Kreisverbands Luckau/Lübben haben sich hohe Anerkennung verdient. Trotz Schwierigkeiten konnten sie Tiere in hoher Qualität während der 53.Kreisschau am Wochenende in Lübben präsentieren. „Die hier gezeigte Qualität ist super“, sagt Detlef Richter. Der Züchter aus Drahnsdorf (Unterspreewald) weiß als Preisrichter, worauf es ankommt, auch wenn er die Tiere der Schau des eigenen Kreissschau nicht bewerten durfte.

639 Rassetiere von 68 Ausstellern waren zu sehen. „Das ist etwa so viel wie während der vergangenen Jahre“, sagt Mike Müller aus Altgolßen (Unterspreewald). Der stellvertretende Ausstellungsleiter will sich dennoch nicht beruhigt zurücklehnen, „denn beim Groß-und Wassergeflügel sowie den großen Hühnern haben wir etwa hundert Tiere weniger. Durch mehr Tauben als sonst konnten wir den Rückgang ausgleichen. Sie sind einfacher zu halten.“ Hintergrund ist die Vogelgrippe zu Beginn dieses Jahres. Durch die Stallplicht standen dem Groß-und Wassergeflügel keine Wasserflächen im Freien zur Verfügung“, erklärt Mike Müller. „Das hat sich negativ ausgewirkt. Umso höher ist bewerten, dass es den Züchter dennoch gelungen ist, Tiere in hoher Qualität zu präsentieren. Für die Zukunft brauchen wir aber eine andere Regelung, denn die nächste Vogelgrippe kommt bestimmt.“

Rassegeflügelzüchter stehen ohnehin vor großen Herausforderungen. „Unsere Züchter werden immer älter“, sagt Mike Müller. „Es kommen weit weniger junge Mitglieder nach als ältere sterben. Wir brauchen also dringend Nachwuchs. Uns fehlen vor allem die 14-bis 25-Jährigen.“ Der Vize-Ausstellungsleiter weiß aber auch, dass sich die Bedingungen gegenüber früher geändert haben. „Die Infrastruktur ist oft gar nicht mehr da, um Rassegeflügel zu züchten. Es fehlt an Platz und meist auch Zeit. Zudem ist unser Hobby sehr teuer geworden.“ Die Folgen sind schon jetzt zu spüren.

„Die ´Rote Liste` der bedrohten Geflügelrassen wird immer länger“, erklärt Mike Müller. „Die Anzahl einiger Rassen hat sich innerhalb weniger Jahre halbiert.“ Geht die Entwicklung so weiter, sind sie in ein paar Jahren ganz verschwunden. Einige der gefährdeten Rassen waren am Wochenende während der Kreisschau in der Markthalle in Lübben zu sehen.

Der Landrat Stephan Loge (SPD) verwies in seinem Grußwort auf die „große Formen-und Farbenvielfalt, die eindrucksvoll unter Beweis stellt, dass Rassegeflügelzucht in unserer Region eine gern betriebene Freizeitbeschäftigung ist“. Für den Kreisvorsitzende und Ausstellungsleiter Eberhard Nakonzer zählt die Kreisschau „zu den besonderen Höhepunkten im züchterischen Wettbewerb. Mit dem Erhalt und der Pflege von Geflügelrassen leisten wir Züchter einen großen Beitrag zur Sicherung so wertvoller Kulturgüter wie der Rassenvielfalt und der Bestandssicherung gefährdeter und seltener Nutztierrassen.“ Er hofft, dass „die Kreisschau hilft, Jugendliche für unsere naturverbundene Freizeitgestaltung zu gewinnen“.

In manchen Vereinen klappt das schon ganz gut. „Bei uns engagieren sich zahlreiche junge Leute“, erzählt Rudi Peisker, Vorsitzender des Rassegeflügelzuchtvereins in Golßen (Unterspreewald) — einem der größten Vereine im Kreisverband. In anderen Zuchtvereinen dagegen fehlt der Nachwuchs.

Die Rassegeflügelschau am Wochenende in Lübben war so gesehen auch als Werbung zu verstehen. Die Züchter mit den besten Tieren wurden ausgezeichnet. Zudem haben Kommunal-und Landespolitiker sowie Brandenburgs Justizminister Stefan Ludwig (Die Linke) einen Ehrenpreis gestiftet.