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| 11:48 Uhr

Museums-Projekt
Zeitzeugen erzählen Geschichte(n)

  Corinna Junker, Peter Mularczyk und Gabriele Schreiner (v.l.n.r.) informieren Tagesgäste der ASB-Tagespflege in Lübben über das Zeitzeugen-Projekt.
Corinna Junker, Peter Mularczyk und Gabriele Schreiner (v.l.n.r.) informieren Tagesgäste der ASB-Tagespflege in Lübben über das Zeitzeugen-Projekt. FOTO: Andreas Staindl
Gäste der Tagespflege des ASB berichten über ihre Erlebnisse in der Vergangenheit. Die Erinnerungen sollen dokumentiert werden, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Von Andreas Staindl

Dieses Projekt ist hochinteressant. Und es wird emotional, so viel scheint sicher. Das, was der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) sowie das Stadt- und Regionalmuseum in Lübben angeschoben haben, hat es so noch nicht in der Kreisstadt gegeben. Gäste der Tagespflege des ASB werden über Erlebtes berichten, ihre ganz persönliche Sicht auf geschichtliche Ereignisse in Lübben schildern und in einem Video festhalten lassen.

„Wir wollen sie zur Erinnerung anregen und ihre Geschichten dokumentieren“, sagt Peter Mularczyk, Leiter der Einrichtung. „Unsere Tagesgäste haben so viel erlebt, das darf einfach nicht verloren gehen.“ Da sind sich der Leiter der Tagespflege und die Museumsleiterin Corinna Junker einig. Sie haben das Projekt gemeinsam entwickelt und vorbereitet. „Es startet, wenn alle Fragen zum Datenschutz geklärt sind“, sagt Corinna Junker. Auch sie findet es spannend, Menschen von ihrem Leben erzählen zu lassen. „Wir wollen Wissen sammeln und einen ganz persönlichen Blick auf geschichtliche Ereignisse bekommen“, sagt die Museumschefin. „Jeder hat schließlich eine andere Sicht auf Dinge, hat Ereignisse anders erlebt. Es wird interessant, davon zu erfahren.“

Erste Kontakte zu Tagesgästen hat sie schon geknüpft. Die studierte Kunsthistorikerin hat sich persönlich vorgestellt, das Projekt erläutert und erklärt, wie sie vorgehen möchte und was das Ziel ist. Corinna Junker will Interviews führen und das dort in die Kamera Gesagte später auf das Wesentliche zusammenfassen. Daraus soll ein Video entstehen, das Besuchern des Museums zur Verfügung gestellt wird. „Es wird unser Angebot bereichern, den Blick auf die Geschichte der Kreisstadt noch authentischer machen.“ Die Museumschefin will das Geschilderte nicht bewerten, sondern wissenschaftlich einordnen und so aufbereiten, dass es zeitlich und räumlich zugeordnet werden kann.

Worüber die Tagesgäste sprechen, das entscheiden sie selbst. Dass da Spannendes dabei ist, davon ist Peter Mularczyk überzeugt. „Die ersten Tagesgäste sammeln schon Material, schreiben Dinge auf, die ihnen wichtig sind. Sie sagen mir, dass ihnen die Erinnerungsarbeit gut tut.“

Seine Stellvertreterin Gabriele Schreiner hat ähnliche Erfahrungen gemacht. „Unsere Gäste erzählen schon jetzt viel von früher. Sie sind sehr interessiert, ihre Erfahrungen weiterzugeben. Ich freue mich auf die verschiedenen Perspektiven.“

Das Projekt ist offiziell noch gar nicht gestartet, da gibt es schon Reaktionen. „Die Resonanz der Tagesgäste auf die ersten Informationsgespräche war sehr positiv“, sagt der ASB-Fachbereichsleiter Pflege, Michael Bothe. Er hält das Vorhaben für eine „tolle Sache, weil die jüngere Generation durch Zeitzeugen von Ereignissen aus verschiedenen Blickwinkeln erfährt, und weil das Projekt nachhaltig ist. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem Museum.“

Gabriele Schreiner sieht ebenfalls den nachhaltigen Wert des Vorhabens, aber auch, „dass das Projekt eine Wertschätzung für unsere Tagesgäste ist. Sie haben so viel erlebt und zu erzählen. Dass ihre Erinnerungen festgehalten und damit bewahrt werden, ist eine tolle Idee.“

Peter Mularczyk will die Zeitzeugengespräche nicht auf die Tagespflege an der Berste beschränken, sondern diese auch in der ASB-Tagespflege „Sommergarten“ in der Gubener Straße und im Mehrgenerationenhaus in der Gartengasse in Lübben möglich machen. Zudem gibt es die Option, die Erinnerungen der Zeitzeugen zusätzlich in einem Buch festzuhalten. Erstes Ziel aber ist das Video. Einen Termin der Fertigstellung gibt es nicht. „Wir beginnen langsam und schauen, wie sich die Gespräche entwickeln“, sagt  Mularczyk. „Das Video“, ergänzt Corinna Junker, „kann ohnehin ständig um neue Schilderungen erweitert werden“.