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| 15:16 Uhr

Kirche
Einkehr finden im Pilgerzentrum Zaue

 Engel
Engel FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Zaue. Zaue am Schwielochsee ist jetzt Pilgerort. Auf dem Weg von Frankfurt nach Leipzig und weiter nach Spanien finden Pilger hier Quartier und spirituelle Einkehr. Von Katrin Kunipatz

Ein Engel schwebt von der mit Wolken ausgemalten Decke in der Marienkirche in Zaue. In den Händen hält er eine übergroße Jakobsmuschel. Mit dem Jakobsweg, dem Pilgerpfad, dessen Ziel Santiago de Compostela in Spanien ist, habe er aber nichts zu tun, versichert Pfarrerin Dörte Wernick. Vielmehr handelt es ich um einen Taufengel, der vor 280 Jahren in die Kirche kam, als diese in der Barockzeit umgestaltet wurde. Trotzdem freut sich die Pfarrerin, dass das Motiv der Jakobsmuschel, die schon seit dem Mittelalter das Symbol der Pilger war, in der kleinen Kirche auftaucht.

Denn Zaue ist seit wenigen Tagen offizieller Pilgerort. Christopher Frantzen, Vorsitzender der Jakobusgesellschaft Brandenburg-Oderregion, überreichte Pfarrerin Dörte Wernick deshalb das Pilgerschild mit der Jakobsmuschel auf blauem Grund. Deutlich sichtbar prangt es jetzt neben der Tür des Pfarrhauses, das nur einen Steinwurf weit von der Marienkirche entfernt ist. Wegen dieser räumlichen Nähe von Kirche und Pfarrhaus bekam Zaue den Titel „Pilgerzentrum mit Pilgerherberge“ verliehen. Neben der Unterkunft für die Nacht seien in Zaue für jeden Pilger auch Momente der Einkehr möglich, so die Zauer Pfarrerin. Wie gern dieses Angebot genutzt wird, belegt sie an einer kleinen Gebetswand. „Wir sind zur Ruhe gekommen“, steht da zu lesen.

 Pfarrerin Dörte Wernick betreut die Pilgerherberge in Zaue, die im Pfarrhaus eingerichtet ist. Sie bietet auch großen Gruppen ausreichend Platz.
Pfarrerin Dörte Wernick betreut die Pilgerherberge in Zaue, die im Pfarrhaus eingerichtet ist. Sie bietet auch großen Gruppen ausreichend Platz. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau

Tatsächlich gibt es einen Unterschied zwischen Pilgern und Wandern, erklärt Dörte Wernick. Das Wandern sei eher eine sportliche Angelegenheit, bei der es um schöne Wege und das Naturerlebnis geht. „Wer pilgert, sucht Einkehr und möchte Besinnung erfahren“, sagt sie. In Zaue sei dies auch für Wochenend-Pilger möglich, so Wernick. Start für die kleine Auszeit vom Alltag ist Beeskow. Zu Fuß erreicht man über Wanderwege, die östlich der Bundesstraße 87 durch Orte am Schwielochsee führen, Zaue. In der Pilgerherberge gibt es Quartier, Abendbrot und Frühstück. Und am zweiten Tag kann man bequem Lübben erreichen. Aber auch in der Woche sei es für Pilger unkompliziert, in Zaue in der Herberge einzukehren. „Entweder bin ich selbst da oder Familie Schulz aus dem Ort ist erreichbar“, sagt die Pfarrerin. Die touristische Infrastruktur in der Region um den Schwielochsee mache es außerdem möglich, unangemeldete Pilger zu versorgen.

Das Zaue überhaupt eine Pilgerherberge hat, ist vor allem der Pfarrerin und den besonderen Umständen zu verdanken. Das Pfarrhaus ist sehr groß. Dörte Wernick wohnt selbst nur in der unteren Etage. Ihr Vorgänger hat mit seiner Familie das gesamte Haus genutzt. Deshalb gibt es oben wie unten Bad und Toilette. Auch eine Küche steht für die Pilger zur Verfügung. In der oberen Etage hat Dörte Wernick begonnen, die Zimmer mit gespendeten Betten und Matratzen zu füllen. Noch hängt den Zimmern der Charme der 90er an, aber alles ist sauber und großzügig. „Nach und nach sollen die Teppiche und Fußbodenbeläge weichen, um die darunterliegenden alten Dielen sichtbar zu machen“, erläutert die Pfarrerin ihre Pläne. Mit der Verleihung des Titels Pilgerort ist außerdem eine finanzielle Unterstützung für notwendige Baumaßnahmen im Pfarrhaus und die Ergänzung der Ausstattung verbunden, teilt Franziska Dorn, Sprecherin des Kirchenkreis Niederlausitz, mit.

Pilger sind in Zaue keineswegs eine neue Erscheinung. Wie Pfarrerin Dörte Wernick erläutert, diente die Kirche wahrscheinlich schon im 14. Jahrhundert als Wallfahrtsort. Studenten der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) erarbeiteten vor knapp zehn Jahren einen Pilgerweg, der Frankfurt und Leipzig verbinden sollte. Sie wählten eine Route über Briescht durch die Wälder. Pfarrerin Wernick hält es für unwahrscheinlich, dass dies der historische Weg ist. Sicherer sei es für Wanderer oder Pilger schon immer gewesen, durch die Orte zu laufen. Drei Jahre ist es her, dass sich Pfarrerin und die Jakobusgesellschaft zusammentaten und vereinbarten, die Pilgerroute über Zaue zu führen. Genutzt werden dafür bereits bestehende Wanderwege. Schritt für Schritt werden sie mit dem für den Jakobsweg typischen Zeichen – einer gelben Muschel auf blauem Grund – versehen. Der Pilgerweg und der Pilgerort Zaue nimmt die Jakobusgesellschaft in ihr Wegverzeichnis auf.