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| 17:30 Uhr

Zeitreise auf der Bühne
Zapust-Programm der Extraklasse

 Das sorbische Nationalensemble war mit einem neuen Programm am Sonntag in Neu Zauche zu Gast. Die Besucher waren begeistert.
Das sorbische Nationalensemble war mit einem neuen Programm am Sonntag in Neu Zauche zu Gast. Die Besucher waren begeistert. FOTO: Andreas Staindl
Neu Zauche. Laustarker Beifall für eine besondere Zeitreise des sorbischen Nationalensembles in Neu Zauche. Von Andreas Staindl

 Das sorbische Nationalensemble ist eine Klasse für sich. Die Akteure verstehen ihr Handwerk. Sie singen, tanzen und spielen so hervorragend, dass das Publikum nur begeistert sein kann. Das war schon in den vergangenen Jahren so im Gasthaus „Zum Oberspreewald“ in Neu Zauche (Lieberose-Oberspreewald) und war es auch am Sonntag wieder. Die Besucher honorierten die exzellenten Leistungen der Sänger, Tänzer und Schauspieler mit lautstarkem Beifall.

Zuvor hatten die Darsteller ein Feuerwerk der Extraklasse abgebrannt. Das kennt man zwar, doch überrascht es immer wieder neu. Mit dem traditionellen Zapust-Programm, der wendischen Fastnacht, erinnerte das Ensemble diesmal an den 30. Geburtstag der politischen Wende und gestaltet eine Zeitreise zwischen 1989 und 2019.

Der Hochzeitsbitter Jan reiste fiktiv drei Jahrzehnte vor und wieder zurück. Er begegnete dabei Menschen, die er kennen, lieben und schätzen gelernt hatte. Eine spannende Zeitreise, die das Publikum geboten bekam. Und ein Verwirrspielt mit Tiefgang, mit Szenen, die den Zuschauer tief in die Zeit der Wende in der DDR eintauchen ließen.

Wie war das damals mit den Sorben? Sie sehnten sich, wie andere DDR-Bürger auch, nach mehr Freiheit und politischer Veränderung. Dann kam das Jahr 1989 und damit die Wende. Doch wurde das Geschenk genutzt? Was würden die Sorben machen, wenn sie das Rad der Zeit zurückdrehen könnten? Würden sie ihre Chancen besser nutzen? Die Aufführung am Sonntagnachmittag in Neu Zauche ging dem nach. Dabei wurden die Zuschauer auch visuell gut mitgenommen. Die Kulisse auf der Bühne im Saal des Gasthauses machte es möglich. Hier eine kurze Rückblende zur Aktuellen Kamera, der Informationsplattform in der DDR, inklusive Günter Schabowskis legendärer Verkündung der Grenzöffnung. Dann wieder der Sprung in das Jahr 2019. Und mittendrin das staatliche Ensemble für sorbische Volkskultur, das, wenn auch unfreiwillig, die Zeitreise antreten musste.

Den Machern des Werks ist der Spagat hervorragend gelungen. Jewa-Marja Cornakec hat den Text für das Stück geschrieben. Johannes Gärtner führte die Regie und inszenierte die Aufführung. Katharina Lorenz war für Kostüme und Bühnenbilder zuständig, Mia Facchinelli für die Choreografie. Andreas Pabst hatte die musikalische Leitung. Er sorgte dafür, dass das Orchester die Zuschauer auch akustisch mit auf die Zeitreise nahm. Ballett, Chor und Orchester gemeinsam boten einen hervorragenden Rahmen, um die vergangenen 30 Jahre Revue passieren zu lassen, natürlich vor allem aus der Sicht der Sorben.

Die Aufführungen werden traditionell in sorbischer Sprache präsentiert. Jana Krüger, Mitarbeiterin des Nationalensembles, teilte auch diesmal wieder Kopfhörer aus, damit Besucher, die sorbisch nicht so gut oder gar nicht verstehen, das Geschehen auf der Bühne auch inhaltlich mitverfolgen konnten. Dass am Sonntag weniger Zuschauer als gewohnt das sorbische Nationalensemble sehen und hören wollten, einige Plätze freiblieben, störte nicht wirklich.

Diejenigen, die in Neu Zauche dabei waren, waren begeistert und machten das auch deutlich. „Bravo, Bravo“ riefen die Besucher am Ende der etwa 80-minütigen Vorstellung. Mit lautstarkem und langanhaltendem Beifall erklatschten sie sich eine Zugabe. Mit der Vogelhochzeit setzen die Akteure auf der Bühne den Schlusspunkt unter eine spannende Zeitreise zwischen 1989 und 2019.