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| 02:59 Uhr

Zahl der Kinderschutzfälle steigt

Die Gewalt gegen Kinder hat im vergangenen Jahr im Landkreis zugenommen. Das geht aus dem Kinderschutzbericht hervor, der von den Abgeordneten diskutiert wurde.
Die Gewalt gegen Kinder hat im vergangenen Jahr im Landkreis zugenommen. Das geht aus dem Kinderschutzbericht hervor, der von den Abgeordneten diskutiert wurde. FOTO: Patrick Pleul
Lübben. Geschlagen, vernachlässigt, missbraucht: Kinderschutz ist im Landkreis Dahme-Spreewald nach wie vor ein großes Thema. Trotz vielfältiger Hilfsangebote ist die Zahl der Fälle 2012 sprunghaft angestiegen. Fast 100 Kinder mehr als 2011 waren betroffen. Ingvil Schirling

430 Mädchen und Jungen vom Säugling bis zum 18-Jährigen waren im Jahr 2012 betroffen, 329 Fälle wurden dem Jugendamt gemeldet. Verglichen mit 2011 zeigt sich ein sprunghafter Anstieg. Damals waren es 266 Meldungen mit 336 betroffenen Kindern, also fast 100 weniger. Nach stetigem Anstieg seit 2007 war die Fallzahl in 2011 erstmals wieder gesunken und die Anzahl der Kinder nur leicht gestiegen. In 2012 hatte sich das Blatt wieder gewendet.

Jugenddezernent Carsten Saß (CDU) führt die Entwicklung teilweise darauf zurück, dass der Blick der Öffentlichkeit geschärft und diese sensibel für das Thema sei. Ähnlich sieht es Sylvia Lehmann (SPD), die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses. Dieser hatte in seiner jüngsten Sitzung detailliertere Daten von der Kreisverwaltung gefordert. "Wie viele Fälle sind völlig neu? Wie viele bekommen schon Jugendhilfeleistungen?", formuliert Lehmann Beispiele. Saß zufolge zeigen die gestiegenen Fallzahlen aber auch, "dass wir weiter gefordert sind, auch im Jugendamt. Hinter jedem Kind steckt ein Schicksal".

Die Ursachen sind der Statistik zufolge vielfältig. Häufigster Meldungsgrund sind häusliche Konflikte und Gewalt, dass Kinder Zuhause beispielsweise geschlagen werden. Mit 87 macht dieser Grund etwa ein Viertel aller Fälle aus. Das Jugendamt fand aber auch Vernachlässigung vor (37 Fälle) und eine Überforderung des Elternteils oder Sorgeberechtigten (31 Fälle). Auch Suchtproblematik wird genannt (21), dazu elfmal der Verdacht auf sexuellen Missbrauch.

Die Meldungen stammen etwa zu gleichen Teilen aus dem familiären Umfeld und aus anonymen Quellen. 56-mal wandte sich die Polizei ans Jugendamt, 29-mal die Schule. Nur acht Fälle kommen intern aus dem Jugendamt selbst, fünf junge Menschen brachten ihren Fall persönlich vor.

Große Unterschiede gibt es bei der regionalen Verteilung im Landkreis. Während die Nachbarstadt Luckau nur 15 Fälle aufweist, entfallen auf Lübben 62. Zwar ist die Spreewaldstadt etwas größer, doch andere Faktoren wie etwa Arbeitslosigkeit sind durchaus vergleichbar. So könnte beispielsweise argumentiert werden, dass in Lübben und Königs Wusterhausen Jugendamt-Vertreter vor Ort sind und kurze Wege haben und sich dadurch statistisch mehr Fälle niederschlagen. Königs Wusterhausen zählte 2012 insgesamt 97 Fälle - andere größere Kommunen im Norden des Landkreises aber nur fünf (Eichwalde), 28 (Schönefeld), vier (Wildau) oder acht (Zeuthen). Die ländlichen Kommunen im Süden des Landkreises weisen Fallzahlen zwischen acht (Golßener Land) und 13 (Unterspreewald) auf. Aus der Märkischen Heide sind sechs bekannt, aus Lieberose/Oberspreewald zwölf.

Die Landkreisverwaltung setzt unterdessen seit 2008 auf Familienhebammen und hat für den Herbst einen Tätigkeitsbericht angekündigt. Familienhebammen sollen bereits bestehende Angebote in den Ländern und Kommunen ergänzen. Sie nehmen vorrangig den Schutz von Säuglingen und Kleinkindern in den Blick und bieten insbesondere Eltern in belasteten Lebenslagen spezifische Hilfestellungen anbieten.

Zudem finanziert der Landkreis eine Eltern-Kind-Gruppe und ist Teil des Netzwerks "Gesunde Kinder".