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Wohnen über den Dächern Lübbens im Wasserturm

Der Lübbener Wasserturm von außen (oben)…und von innen: Uwe Blaseg von der SÜW steht auf der kleinen Brücke über dem großen Tank (unten links). In ihn passen 275 Kubikmeter Wasser, seine Größe füllt fast das obere Drittel des Turms aus. Der Tank aus dem Jahr 1940 ist noch erhalten, ebenso wie die alten Leitungen und Ventile. Fotos: Preiß
Der Lübbener Wasserturm von außen (oben)…und von innen: Uwe Blaseg von der SÜW steht auf der kleinen Brücke über dem großen Tank (unten links). In ihn passen 275 Kubikmeter Wasser, seine Größe füllt fast das obere Drittel des Turms aus. Der Tank aus dem Jahr 1940 ist noch erhalten, ebenso wie die alten Leitungen und Ventile. Fotos: Preiß
Lübben. Der Ausblick ist einzigartig, die Lage exklusiv. Trotz dieser Vorzüge haben die Stadt und Überlandwerke lange vergeblich nach einem Interessenten für den alten Wasserturm in Lübben gesucht. An die Mammutaufgabe, den denkmalgeschützten Turm zu sanieren, hat sich bisher niemand gewagt. Doch jetzt scheint ein Käufer gefunden. Juliane Preiß

Es könnte eine Filmkulisse für einen U-Boot-Streifen sein. Aus einem senkrechten, engen Schacht klettert Uwe Blaseg empor, hangelt sich zum Geländer einer schmalen, metallenen Brücke. Unter ihm wölbt sich eine riesige Halbkugel aus Stahl, jedes kleine Geräusch schwillt zu einem mächtigen Echo an.

Doch Uwe Blaseg, Sachgebietsleiter Wasser bei den Stadt- und Überlandwerken Lübben (SÜW), steht nicht im Bauch eines U-Bootes, sondern fast 30 Meter über dem Waldboden auf der Kuppel des Lübbener Hains. Durch die schmalen Fenster und die Baumwipfel betrachtet er die Dächer der Stadt.

Seit 1997 ist der alte Wasserturm stillgelegt. "Der Druck in den Leitungen des Wasserturms beträgt 3,2 Bar, normal sei heute aber 4,2 Bar. Außerdem hätte es hygienische Probleme wegen der alten Leitungen geben können." Die SÜW hätte die Technik modernisieren müssen. Aus Kostengründen wurde dies abgelehnt. Seitdem sucht die SÜW, der der Turm gehört, einen Käufer. Für einen symbolischen Euro wurde er angeboten. Allerdings soll der zukünftige Käufer nach Vorstellungen der SÜW zusätzlich einer Lübbener Einrichtung einen größeren Betrag spenden.

Mittlerweile gebe es einen Interessenten, sagt Detlef Günther, Geschäftsführer der SÜW. Dieser stehe in Verhandlungen mit der Stadt, der das Grundstück gehört, auf dem der Turm steht. Anfahrtswege und Nutzung müssen geklärt werden. Hannelore Tarnow, Sprecherin der Stadt, bestätigt: "Die Verhandlungen laufen." Solange kein Vertrag abgeschlossen wurde, werde kein Name genannt.

Dem potenziellen Käufer steht eine Mammutaufgabe bevor. Das denkmalgeschützte Gebäude muss komplett saniert werden. "Der Tank soll größtenteils erhalten bleiben", weiß Uwe Blaseg von den Auflagen der Unteren Denkmalschutzbehörde. Die Behörde teilt zudem mit, dass der Wasserturm "vollständig einschließlich seiner technischen Ausstattung und der architektonischen Details" zu erhalten sei, Kompromisse könnten jedoch verhandelt werden, heißt es.

Uwe Blaseg ist die etlichen Holz- und Stahlstufen heruntergestiegen und umrundet den Turm von außen. Viele Fenster sind eingeschmissen. "Jugendliche", vermutet Blaseg. Er legt den Kopf in den Nacken und betrachtet den Klinkerbau. "So eine halbe Million müsste man in die Hand nehmen, um den Turm zu sanieren", vermutet er. Das werde nicht ganz reichen, sagt Albrecht Lauterbach. Der 69-jährige Calauer spricht aus Erfahrung. Vor 17 Jahren hat den Wasserturm am Calauer Bahnhof gekauft und innerhalb von fünf Jahren mit viel Eigenleistung zu seiner Traumimmobilie ausgebaut. "Wir wollen unseren Turm nicht mehr hergeben. Wir wohnen gerne hier", sagt Lauterbach.

Den Preis von ungefähr zwei Einfamilienhäuser habe er in seinen Turm gesteckt. Die Summe, die für den Lübbener Turm nötig ist, schätzt er auf das Doppelte. Der Calauer Turm ist 17 Meter hoch, der Lübbener 31 Meter. "Und er steht unter Denkmalschutz, das macht das Ganze noch schlimmer." Er ermuntert jeden solch ein Schmuckstück in Angriff zu nehmen, allerdings brauche man neben dem nötigen Kleingeld auch gute Nerven.

Zum Thema:
Der Wasserturm wurde 1914 erbaut. Aus diesem Jahr stammen zwei Leitungen, die noch erhalten sind. 1960 kamen zwei neue hinzu. Bis zur Spitze ist der Turm 31 Meter hoch. Der Tank fasst 275 Kubikmeter Wasser. 1945 wurde der Turm vermutlich beschossen, die grüne Tarnfarbe lässt darauf schließen, dass er als Beobachtungsposten genutzt wurde.