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Wölfe – immer mehr ein Thema

Mehrere Wolfsrudel durchstreifen die Wälder des Landkreises Dahme-Spreewald.
Mehrere Wolfsrudel durchstreifen die Wälder des Landkreises Dahme-Spreewald. FOTO: Startenschulte/dpa
Lübben/Luckau. Fast flächendeckend haben sich Wölfe im Landkreis Dahme-Spreewald, in ganz Südbrandenburg niedergelassen. Das gilt als unbestritten und findet sich auch auf einer Populationskarte des Landesumweltamtes so wieder. Ingvil Schirling

Fast täglich spielt der Wolf auch in der Berichterstattung in der Lausitzer Rundschau eine Rolle. Während Landwirte um ihre Weidetiere fürchten, begrüßen Naturschützer die Rückkehr des wilden Vierbeiners als Zeichen einer intakten Natur.

Derzeit scheinen allerdings die Ängste zu überwiegen. Zunehmende Sichtungen, auch sehr nahe, und Nutztier-Risse selbst mitten in Dörfern legen nahe, dass der Wolf als hochgradig geschützte Art seine Scheu mit jeder Generation, die hierzulande geboren wird, etwas mehr ablegt. Auf der anderen Seite wird argumentiert, dass diese Scheu dem Wolf angeboren ist und bleibt.

Die Sorge allerdings treibt die Menschen um - zunehmend auch um ihre eigene Sicherheit. Kreistagsabgeordneter Frank Selbitz (UBL) wollte kürzlich von der LDS-Verwaltung erfahren, wie viele der Graupelze sich inzwischen in der Region angesiedelt haben. Der Lübbener fragte auch, wie viele Risse bekannt sind und welche Wolfsdichte die Verwaltung für verträglich hält. In der Kreistagssitzung diese Woche nutzte dann Heinz-Georg Embach aus Niewitz die Einwohnerfragestunde, um nachzulegen. Selbst mit seinem Dammwildgehege von einem Wolfsangriff betroffen, berichtete er, was er und andere bereits unternommen haben, um Klarheit über die Größe der Wolfspopulation zu bekommen. Seinen Nachforschungen zufolge leben 182 Wölfe im Landkreis, von denen 40 bis 50 "übergriffig" seien. Gemeint ist damit, dass sie sich nicht hauptsächlich von Rehen und Wildtieren ernähren, sondern auch Schafe, Jungkühe und Kälber töten. Die Population wachse Jahr um Jahr um 30 Prozent, sagte Embach. "Es wird immer schwerer, die Herdentiere zu schützen", stellte er fest, verwies aber auch auf den Dahme-Spreewald-Kreis als Tourismusregion. Er plädiere für eine neue Regelung im Umgang mit den Wölfen, spielte er auf mögliche Abschüsse nach skandinavischem Vorbild an.

Zum Thema:
Als gesichert gelten mittlerweile die territorialen Rudel in Lieberose, bei Siegadel und bei Märkisch Buchholz. Nachgewiesen ist für 2016 ebenso, dass in allen drei Wolfsfamilien Nachwuchs zur Welt kam. In Lieberose und Siegadel waren es vier Welpen, in Märkisch Buchholz zwei. Weitere vier Territorien überlappen sich mit den Nachbarlandkreisen Dahme-Spreewalds. Risse wurden in den vergangenen drei Jahren laut Kreisverwaltung ebenfalls angezeigt: 2014 drei (davon 13 Schafe betroffen), 2015 sieben, 2016 ebenfalls sieben. Dabei waren unter anderem sechs Dammhirsche und vier Kälber betroffen.