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| 14:49 Uhr

Polarwölfe operiert
Wölfe im Wildpark Johannismühle kastriert

Janina Radweinski entfernt einen Hoden des Wolfs. Mark Gölkel schaut zu.
Janina Radweinski entfernt einen Hoden des Wolfs. Mark Gölkel schaut zu. FOTO: Andreas Staindl
Klasdorf. Die Tiere sollen sich nicht vermehren. Das Sperma wird für wissenschaftliche Zwecke verwendet.

Die männlichen geschlechtsreifen Wölfe im Wildpark Johannismühle (Stadt Baruth) können keinen Nachwuchs mehr zeugen. Sie wurden kastriert.

Die RUNDSCHAU war dabei, als einer der jungen Polarwölfe, Jahrgang 2016, operiert wurde. Janina Radweinski hat ihm die Hoden entfernt. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Leibnitz-Institut für Zoo-und Wildtierforschung (IZW) in Berlin hatte mit Mark Gölkel-ebenfalls Tierarzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter im IZW-einen erfahrenen Kollegen an ihrer Seite. Doch bevor die Tierärztin das Skalpell ansetzen konnte, lag viel Arbeit und noch mehr Geduld vor dem gesamten Team. Ein Wolf legt sich schließlich nicht freiwillig auf den Operationstisch. Er muss zuvor narkotisiert werden.

Klingt einfach, ist es jedoch nicht. Das Gehege, in dem die Polarwölfe leben, ist schon recht groß. Nathalie Brandt, für die Raubtiere im Wildpark zuständig, geht hinein. Die Wölfe kennen sie, haben Vertrauen zu ihr. Doch Futter hat die Tierpflegerin diesmal nicht dabei. Sie und Janina Radweinski sollen den für die Kastration vorgesehenen Wolf dem Geschäftsführer des Wildparks, Julian Dorsch, und Mark Gölkel vor die Flinte treiben.

Die beiden Männer stecken die Spritzen mit dem Narkosemittel in die Gewehre, gehen ebenfalls in das Gehege. Schon nach wenigen Minuten fällt der erste Schuss. Doch auch wenn der Pfeil den Wolf getroffen hat, ein Volltreffer war das nicht. Auch die nächsten Versuche scheitern. Die Wölfe haben den Braten längst gerochen, spielen Katz und Maus mit den Jägern. Sie beobachten genau, wohin sich die beiden Männer mit ihren Gewehren bewegen, suchen Deckung, wann immer es geht.

Eine Stunde dauert dieses Spiel schon. Dann erwischt wieder ein Pfeil den ausgewählten Wolf. Julian Dorsch hatte ihn abgeschossen. Diesmal ist sich der Geschäftsführer sicher, dass es ein Volltreffer war. Doch noch merkt man das dem jungen Tier nicht an. Minutenlang streift der Polarwolf weiter durch das Gehege. Dann legt er sich hin, doch sein Kopf ist noch oben. Julian Dorsch nähert sich langsam, will ihm seine Jacke über den Kopf legen. Der Wolf jedoch ist schneller, springt wieder auf. Er torkelt, fällt jedoch nicht um, schafft es tatsächlich ein paar Meter weiter, dann sackt er zusammen.

Die anderen Wölfe sind sofort bei ihm, wollen schauen, was los ist. Sie werden von den Helfern verscheucht. Und diesmal wirkt das Narkosemittel offensichtlich. Julian Dorsch und Mark Gölkel tragen den Polarwolf aus dem Gehege. Mit dem Auto geht es in Richtung Operationstisch. Jetzt geht alles ganz schnell, muss jeder Handgriff sitzen. Der Wolf liegt kaum auf dem OP-Tisch, da legt ihm der Tierarzt einen Zugang und sichert die künstliche Beatmung. Parallel dazu kontrolliert und protokolliert Nathalie Brandt die Vitalfunktionen des Tiers.

Mark Gölkel fragt die einzelnen Werte ständig ab. Annika Löffler rasiert inzwischen den Bereich um die Hoden des Wolfs. Die Barutherin ist Mitglied im Förderverein des Wildparks und unterstützt das Team während ihrer Freizeit bei der Kastration. Rund zwei Stunden nach dem ersten Schuss mit dem Narkosegewehr setzt Janina Radweinski das Skalpell an. Sie arbeitet sich vorsichtig voran, erhält dabei Tipps von Mark Gölkel. Nach einigen Minuten ist der erste Hoden entfernt.

Robert Hermes wartet schon auf das Geschlechtsorgan. Der wissenschaftliche Mitarbeiter im Reproduktionsmanagement des IZW in Berlin sitzt eine Tür weiter. Er entnimmt dem Nebenhoden das Sperma – insgesamt etwa ein bis zwei Milliliter pro Hoden. Die milchige Flüssigkeit schaut er sich unter dem Mikroskop an und schätzt ein: „Das Sperma ist super.“

Die Befruchtungsflüssigkeit wird für wissenschaftliche Zwecke eingefroren und später für Tests portionsweise entnommen. Das Institut für Zoo- und Wildtierforschung leistet damit einen Beitrag zum Erhalt seltener Tiere. „Wir wollen lernen, wie man Sperma von Wölfen langfristig so aufbewahrt, dass man es später wieder problemlos verwenden kann“, erklärt Robert Hermes. „Bisher gibt es kaum Erfahrungen damit. Unsere Erkenntnisse kommen gefährdeten Wölfen weltweit zugute.“

Er ist deshalb froh, dass die Kastrationen mit den wissenschaftlichen Tests verbunden werden. Für den Wildpark selbst hat die Entfernung der Hoden einen ganz praktischen Grund: „Wir wollen nicht, dass sich unsere Wölfe weiter vermehren“, erklärt Julian Dorsch. Deshalb hat er den Rüden Aniuk sowie dessen männliche Nachkommen Aniuk und Aniu kastrieren lassen.

Den Grauwölfen Max und Moritz stand die gleiche Operation bevor. Im nächsten Jahr werden einem weiteren Polarwolf (Jahrgang 2017) die Hoden entfernt, wie der Geschäftsführer sagt.

Sieben Polarwölfe leben derzeit im gemeinsamen Gehege im Wildpark Johannismühle. Am 5.Februar dieses Jahrs wird zum Ferienerlebnistag ab 10 Uhr eingeladen. Voranmeldung bis zum 31.Januar. Infos unter www.wildpark-johannismuehle.de.