Da brauch’ ich mal professionelle Hilfe – das hört man in der Region häufiger als noch vor 20 Jahren. Gemeint sind oft augenzwinkernd Fachleute fürs Gärtnern, Pflastern oder Malern, selten Fachleute für die Seele, Berater, neudeutsch Coaches oder Psychotherapeuten. Zwar ändert sich das Bewusstsein, dass jeder in eine Situation kommen kann, in der er oder sie solche Hilfe braucht. Doch es wird noch viel zu viel geschwiegen. Egal, mit welchem Wissenden wir im Rahmen der LR-Schwerpunktwoche sprachen, in einem waren sich alle einig: Die Dunkelziffer ist immens hoch. Gerne werden die dunklen Stunden der Seele nur in der Familie besprochen, auf keinen Fall mit „fremden Leuten“. Doch die „bessere Hälfte“ kann kein Psychotherapeut oder Fachberater sein. Sie vermittelt Geborgenheit, verfügt aber kaum über das nötige Wissen, um den Partner seelisch nachhaltig weiterbringen zu können. Das ist nicht die Aufgabe eines Ehepartners. Wenn man sie gar den Kindern zumutet, wird es unfair.

Wer in der Region einen Coach oder Psychologen mit freien Terminen gesucht hat, weiß: Von heute auf morgen geht das nicht. Geduld oder die Fahrt in die Hauptstadt sind angesagt. Hohe Dunkelziffern und lange Wartezeiten können nur bedeuten: Es braucht nicht nur Mut zum Reden, sondern auch mehr Fachleute für die Seele.