Von Andreas Staindl

  Sie sägen, hämmern, flechten, nähen, gärtnern und kochen, restaurieren Möbel. Die Frauen und Männer in der Tagesstätte „Zum Schober“ in Lübben sind allerdings keine Profis. Sie sind psychisch krank, versuchen, ihre Seele wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Experten auf den unterschiedlichsten Gebieten helfen ihnen dabei.

Seit Juni dieses Jahres gibt es die Tagesstätte in der Weinbergstraße. 20 psychisch kranke Menschen haben dort Platz. Sie können sich auf insgesamt 350 Quadratmetern ausprobieren. Die Frauen und Männer sind derzeit zwischen 20 und 50 Jahre alt, hatten teilweise bisher ein völlig normales Leben geführt. Oft wurden sie von einem einschneidenden Ereignis aus der Bahn geworfen.

Die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal mit ihrer Tochter Lobetaler Wohnen gGmbH nimmt sich dieser Menschen an. Sie ist der Träger der Einrichtung. Ziel ist es, dass Menschen mit seelischer Behinderung Tagesstruktur erlernen und Arbeitsgrundfähigkeit erlangen, kognitive, emotionale und soziale Fertigkeiten und Fähigkeiten erhalten und weiterentwickelt werden. „Wir helfen ihnen, in Ausbildung oder Arbeit zu kommen, ermöglichen die Teilhabe am Arbeitsleben“, sagt die Fachbereichsleiterin für sozialpsychiatrische Rehabilitation Yvonne Hain. „Wer regelmäßig mindestens 15 Stunden in der Woche durchhält, darf in eine geschützte Werkstatt wechseln.“

Die Beschäftigung in der Tagesstätte ist sinnstiftend. Gearbeitet wird nicht der Beschäftigung wegen, sondern genau so, wie es auch in einem normalen Betrieb üblich wäre – wenn auch mit Unterstützung. „Unsere Klienten haben Kundenkontakt, sind in Abläufe eingebunden, versuchen, Termine einzuhalten, sprechen sich mit anderen Mitarbeitern ab“, sagt Yvonne Hain. „Wir sind kein Kindergarten für Erwachsene. Menschen mit seelischen Einschränkungen wollen nicht behandelt werden wie kleine Kinder. Sie wollen vielmehr Wertschätzung erleben, ein Ergebnis ihrer Arbeit sehen. Unsere psychisch Kranken schaffen ein Produkt für die Kunden. Das motiviert ungemein.“

Wer in welchem Bereich arbeitet, entscheiden die Frauen und Männer gemeinsam mit Sozialarbeitern. „Jeder nach seinen Talenten, Fähigkeiten und Ressourcen“, sagt die Fachbereichsleiterin, „auch das Wechseln der Bereiche ist möglich. Es gibt Gruppen- und Einzelarbeitsplätze. Das Gros der psychisch Kranken nutzt die Tagesstätte etwa zwölf Monate lang. „Wir schätzen dann ein, ob die Betroffenen auf dem Arbeitsmarkt bestehen können. Wer regelmäßig fünf Tage pro Woche in die Tagesstätte kommt, der schafft es auch in einer geschützten Werkstatt, unter Umständen sogar auf dem regulären Arbeitsmarkt.“

Die Tagesstätte „Zum Schober“ in der Weinbergstraße ist nicht nur modern eingerichtet. Sie ermöglicht auch, dass die seelisch kranken Menschen jetzt an einem anderen Standort das Arbeiten trainieren. Bisher hatten sie im gleichen Gebäude in der Luckauer Straße gearbeitet, in dem sie auch wohnen.

„Dieses Gefühl, jetzt zur Arbeit zu gehen, ist für unsere Klientel sehr viel wert“, sagt Yvonne Hain. „Unser gesamtes Angebot trägt zur Genesung der psychisch kranken Menschen bei.“

Am heutigen Donnerstag ist Gelegenheit, das Projekt näher kennenzulernen. Interessierte sind zwischen 13 Uhr und 15 Uhr in die Weinbergstraße 19a in Lübben eingeladen. Klienten stellen ihre Arbeit während des Tages der offenen Tür vor.