(is) Es gibt Probleme zu Hause oder es ist keiner da, mit dem man reden könnte. Die Eltern sind meistens mit sich beschäftigt. Wenn sie in einem Raum sind, herrscht dicke Luft. Das sind Situationen, die für Kinder und Heranwachsende mehr als schwierig sein können. Wer nicht mehr ein noch aus weiß, findet bei der evangelischen Familienberatungsstelle in Lübben offene Ohren – auch ohne Wissen der Eltern. Die Einrichtung berät rund um alle Fragen von Erziehung und Familie und ist gut nachgefragt.  Zur Schwerpunktwoche der seelischen Gesundheit in der Lübbener Rundschau skizziert Antje Erler, die Leiterin der Einrichtung, deren Ausrichtung.

Allein 295 Neuanmeldungsfälle verzeichnet die Lübbener Anlaufstelle im Haus der Diakonie am Ende der Breiten Straße für 2018. Dazu kommen die Fälle, die bereits laufen. Das waren vergangenes Jahr 278 mit Schwerpunkten zu Erziehung und Familie sowie 171 im Bereich Trennung und Scheidung.

Besprechen, was in der Familie nicht stimmt

Das letztere Feld hat „massiv zugenommen“, sagt Antje Erler. Sie und ihre Kolleginnen kommen dann ins Spiel, wenn durch Trennung, Scheidung und Fragen des Umgangs Konflikte entstehen. Weitere Arbeitsfelder sind die Erziehungs-, die Schwangerensozial- und Konfliktberatung. Der Landkreis hat diese Aufgaben an die Diakonie als Träger übergeben. Etwas salopp könnte man sagen: Alles, was in der Familie nicht stimmt und zu Konflikten führt, kann in den vier Wänden der Familien- und Erziehungsberatungsstelle Lübben erstmal besprochen werden.

Wichtig zu wissen ist, dass trotz des kirchlichen Trägers unabhängig von Konfession, Weltanschauung und Nationalität unterstützt wird. Am Ende geht es darum, mögliche schädliche Muster in der Familie zu erkennen, nach Möglichkeit aufzulösen und daran zu wachsen. „Systemisch“ heißt der Ansatz, bei dem das Umfeld so mit einbezogen wird.

Kein Auftrag, Beziehungen zu kitten

Es gibt allerdings „keinen Auftrag, Beziehungen zu kitten“, betont Antje Erler. „Wir belassen die Verantwortung bei den Familien. Welchen Weg sie gehen, müssen sie entscheiden.“ Mit Unterstützung der Fachfrauen können die Ratsuchenden einen neuen Blick auf die Probleme werfen.

So kann der Einstieg beispielsweise über die Schwangerenkonfliktberatung geschehen, in deren Verlauf sich dann ganz andere Probleme zeigen – deren Beleuchtung dann möglicherweise zu anderen Entscheidungen führt, als sie zunächst absehbar waren.

Weitere Angebote diese Woche

Die bundesweite Woche der seelischen Gesundheit wartet auch in Lübben mit Angeboten auf. Zwei wichtige Anlaufstellen öffnen am Donnerstag, 10. Oktober, ihre Türen. Die Lobetaler Wohnen GmbH zeigt zwischen 13 und 15 Uhr ihre Tagesstätte für Menschen mit psychischen Störungen an der Weinbergstraße 12a. Und der Horizonte-Verein lädt zum Kennenlernen der Angebote in der Kontakt- und Beratungsstelle und und des ambulanten betreuten Wohnens an der Logenstraße 25 ein. Gäste sind dort zwischen 10 und 12 Uhr herzlich willkommen. Die Familien- und Erziehungsberatungsstelle wiederum hat im Luckauer Mehrgenerationenhaus eine Außenstelle.