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| 19:10 Uhr

Der Tanzclub Lübben 94 sagt Auf Wiedersehen
Wo sich Jungs und Mädchen verlieben

Die Hände zum Himmel: Erika Lehmann (l.) gibt den Takt vor bei der Abschiedsgala. Genauso wie in den 24 Jahren als Vorsitzende vom Tanzclub Lübben 94.
Die Hände zum Himmel: Erika Lehmann (l.) gibt den Takt vor bei der Abschiedsgala. Genauso wie in den 24 Jahren als Vorsitzende vom Tanzclub Lübben 94. FOTO: Brunkhorst Magnus
Lübben. Der Tanzclub Lübben 94 verabschiedet sich mit seiner Abschiedsgala aus dem Vereinsregister und blickt auf 24 erfolgreiche Jahre. Von Steven Wiesner

Es hat geregnet am vergangenen Freitag. Ununterbrochen. In einem gefühlsduseligen Moment könnte man meinen, der Himmel hätte ein paar Tränen verdrückt. Tränen für den Tanzclub Lübben 94, der am Wochenende seine letzte große Stunde erlebt hat und mit dem Übergang ins Jahr 2019 Geschichte sein wird. Denn nach 24 Jahren Vereinsbestehen löst sich der letzte verbliebene Tanzsportverein von Lübben auf. Mit einer großen Gala und rund 650 Tänzern und Gästen hat sich der Tanzclub am Freitag in der Mehrzweckhalle aus dem Vereinsregister verabschiedet.

Viele Helfer und Ehemalige haben sich in diesem knappen Vierteljahrhundert um den Verein verdient und die Erfolge des Tanzclubs überhaupt erst möglich gemacht. Herz und Kopf des TC Lübben war aber immer Erika Lehmann. Sie hat den Verein gegründet und auch von der ersten Stunde an den Vorsitz inne gehabt. Und mit dem endenden Engagement der 65-jährigen Lübbenerin stirbt nun auch der Verein. „Irgendwann muss man loslassen können“, sagt Erika Lehmann. „Ich bin sehr dankbar, voll zufrieden und jetzt will ich erstmal durchatmen.“

Anfang der 70er-Jahre hatte Erika Lehmann eine Tanz-AG an der Spreewald-Schule Lübben ins Leben gerufen, an der sie seit mittlerweile 46 Jahren als Lehrerin unterrichtet, und damit den Startschuss gegeben für all das, was folgen sollte. Nach der Wende etablierte sie Tanzen sogar im Schulsport. Dafür gab es später eine bundesdeutsche Auszeichnung vom Deutschen Sportverband (DTV) und den in Brandenburg einmaligen Titel „Tanzsportbetonte Schule“.

1994 gründete Lehmann dann den TC Lübben, unter dessen Flagge zu Hochzeiten bis zu 100 Kinder im Alter von sechs bis 18 Jahren tanzten. Manche blieben auf Breitensportniveau, andere holten Medaillen bei Wettkämpfen und schlugen professionelle Pfade ein. So wie Artem Mirgorodsky, der hier die ersten Tanzschritte beigebracht bekam, sich inzwischen über internationale Parkette schwingt und am Freitag zusammen mit seiner Erfurter Tanzpartnerin bei der Abschiedsgala vortanzte.

Der 23-Jährige ist der lebende Beweis dafür, dass es der Tanzclub Lübben geschafft hat, „auch bei Jungs eine große Tanzbegeisterung zu entfachen“ (Lehmann). Der Ansatz Erika Lehmanns war es stets, Jungs über den Tanz zu kultivierten und akkuraten Männern zu erziehen. Sie sollten sich nicht raufen, „sondern lernen, wie man ein Mädchen behandelt und berührt. Beim Tanzen können sich Jungs und Mädchen verlieben.“ Über diesen vornehmen Sport wollte Lehmann Werte vermitteln. „Es geht um Etikette, Anstand und Höflichkeit“, sagt die Tanzpädagogin. „Man lernt Teamfähigkeit und für den anderen verantwortlich zu sein. Das sind Softskills für das gesamte Leben.“ Nicht nur deshalb wurde der Verein mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht.

Auch Bürgermeister Lars Kolan und Landrat Stephan Loge wissen, was Lübben mit dem Tanzclub verliert. „Erika Lehmann hat das gesellschaftliche Leben in unserer Stadt bereichert. Sie hat hunderten von Menschen die Tanzlust vermittelt sowie das Bewusstsein, mit Disziplin und Anstrengungsbereitschaft etwas erreichen zu können im Leben“, würdigte Kolan das Vermächtnis von Erika Lehmann. Und Loge fügte lachend hinzu: „Ich hoffe, Sie bieten das bald für Senioren an, damit ich auch mittanzen kann.“

Doch zum Ende des Schuljahres wird die 65-Jährige erstmal in Rente gehen und Tanzen nur noch als Schul-AG anbieten. „Es ist der richtige Zeitpunkt. Ich möchte lieber selbst bestimmen, wann Schluss ist, bevor die Kinder irgendwann sagen: Jetzt könnte die Alte langsam mal aufhören.“ Es war ihr wichtig, nochmal Danke zu sagen an alle ihre Wegbegleiter, Tänzerinnen und Tänzer. Wehmütig ist sie aber nicht. „Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lache, weil es schön war“, lässt Erika Lehmann ein Sprichwort für sich sprechen. So hat am Freitag tatsächlich nur der Himmel geweint.