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| 18:00 Uhr

LR-Sommertour
Wo Roboter Kühe melken

 Teilnehmer nutzten die Sommertour auch, um Kühe zu fotografieren.
Teilnehmer nutzten die Sommertour auch, um Kühe zu fotografieren. FOTO: Andreas Staindl
Neu Lübbenau. LR-Sommertour in die Agrargenossenschaft „Spreetal“ zeigt, wie modern heute in der Landwirtschaft gearbeitet wird. Von Andreas Staindl

Landwirtschaft hat sich verändert. Die Produktionsbedingungen der Vorfahren gibt es nicht mehr. Zumindest nicht in der Agrargenossenschaft „Spreetal“ in Neu Lübbenau (Unterspreewald). Dort setzt man auf moderne Technik, auf Computer und Roboter. Davon konnten sich die Teilnehmer der RUNDSCHAU-Sommertour am Diensatgvormittag überzeugen. Das Interesse war außergewöhnlich groß. Etwa 40 Leute waren dabei, als die Geschäftsführerin Sylvia Zeidler das landwirtschaftliche Unternehmen vorstellte, Entwicklungen skizziere und auf Neuigkeiten aufmerksam machte.

Wer Tierproduktion noch aus DDR-Zeiten kennt, war überrascht, welche Entwicklung dieser Bereich genommen hat. „Erstaunlich. Mutig. Hochinteressant.“ Zahlreiche Teilnehmer waren sichtlich begeistert und äußerten das auch. Computertechnik übernimmt inzwischen nicht nur die schwere Arbeit im Stall oder erleichtert diese zumindest erheblich. Sie ersetzt auch Arbeitskräfte, die ohnehin immer schwerer zu finden sind, wie Sylvia Zeidler sagt. 320 Milchkühe gehören derzeit zum Bestand des Unternehmens. Und diese werden seit Jahresbeginn von Robotern gemolken. Wie das funktioniert, das durften sich die Teilnehmer der Sommertour aus nächster Nähe anschauen. Die Kühe gehen selbstständig zum Melken. Sogenannte Treiber sind nicht mehr nötig. Lediglich Kraftfutter als Lockmittel wird eingesetzt. Das Melkgeschirr wird automatisch mithilfe eines Erkennungssystems angelegt. Eine Melkerin musste das bis zu 400-mal am Tag per Hand machen. „Und das ein ganzes Berufsleben lang“, sagt Sylvia Zeidler. „Das war schon sehr schwere Arbeit.“

 Die Geschäftsführerin Sylvia Zeidler auf Armlänge mit einem Kälbchen.  
Die Geschäftsführerin Sylvia Zeidler auf Armlänge mit einem Kälbchen.   FOTO: Andreas Staindl

Nicht nur das hat sich verändert. Die Menge und Qualität der gemolkenen Milch wird inzwischen von Computertechnik registriert und gespeichert. Auch andere Daten werden erfasst. Zudem wird die Gesundheit der Tiere kontrolliert. Die einzelnen Tiere werden durch ihren Transponder erkannt. Wann die Kühe zum Melken gehen, ist ihnen überlassen. Das ist durchaus auch um Mitternacht, erzählt die Geschäftsführerin. Zweieinhalb Mal pro Tag gehe jedes Tier in den Melkstand – ein halbes Mal mehr als vor Einführung des Roboters.

Der Melkroboter ist längst nicht die einzige Neuheit der Agrargenossenschaft. 2,5 Millionen Euro habe das Unternehmen investiert, um Stallanlagen zu modernisieren, neu zu errichten und umzubauen, Computertechnik zu installieren. „Wir haben uns nach der Wende entschieden, den Betrieb ökologisch zu betreiben“, erzählt die Chefin. „Die Rechnung geht auf, wir haben ein auskömmliches Milchgeld.“

 Eine Kuh wird vom Roboter gemolken, eine andere wartet geduldig, bis der Melkroboter frei ist.
Eine Kuh wird vom Roboter gemolken, eine andere wartet geduldig, bis der Melkroboter frei ist. FOTO: Andreas Staindl

Milchkühe sind nicht das einzige Standbein der Agrargenossenschaft. Sie hat derzeit auch 500 Mastschweine im Bestand. Insgesamt Tausend Hektar Fläche werden im Biosphärenreservat durch den Betrieb bewirtschaftet. Und dann betreibt das Unternehmen noch die Scheunenherberge. Dafür wurde 2005 ein alter Stall umgebaut. Entstanden sind Ferienwohnungen, Einzel-und Doppelzimmer sowie Schlafstätten im Stroh. „Wie liegt es sich dort?“, wollte ein Junge gestern wissen. „Und piekt das Stroh?“ Noch ehe er es ausprobieren konnte, hatte es sich ein reiferer Herr auch schon bequem gemacht im Stroh. „Ja, ganz gemütlich“, urteilte er mit einem Lächeln. Die Strohschlafplätze sind vor allem bei Gruppen und Klassen beliebt, berichtet die Geschäftsführerin.

Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) soll schon dort genächtigt haben – allerdings in geheimer Mission. Ob er auch das Eis aus eigener Produktion probiert hat, ist nicht überliefert. Auch nicht, ob der Landesvater das Frühstück-, Imbiss- und Kaffeeangebot oder vielleicht die hauseigene Sauna genutzt hat.

Die Agrargenossenschaft „Spreetal“ hat mit ihrer Scheunenherberge viel zu bieten: Einfache und gehobenere Übernachtungsmöglichkeiten. Platz zum Feiern. Tiere zum Streicheln. Angebote zum Spielen und Toben. Auch eine Grillwiese gibt es. Und Fahrräder zum Ausleihen. Und dann noch Landwirtschaft zum Anfassen. Idylle pur mitten im Spreewald. Selbst Leute aus benachbarten Orten waren am Dienstag überrascht, wie sehr sich Landwirtschaft verändert hat. „Sie hat sich stark gewandelt“, sagt Sylvia Zeidler.

Weitere Infos unter:

www.scheunenherberge.de