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| 16:26 Uhr

Bildung
Wo gehobelt wird, ist Herr Kubeile

Werkstattkinder mit Ronny Kubeile und dem Holzpferd.
Werkstattkinder mit Ronny Kubeile und dem Holzpferd. FOTO: Ingvil Schirling / LR
Lübben. Kita- und Hortkinder dürfen an der Schönwalder Grundschule den Umgang mit Holz und Werkzeug erlernen und entwickeln technisches Verständnis.

Wenn Kimberly den Akkubohrer in die Hand nimmt, ist eines klar: Sie weiß, was sie tut. Nicht selbstverständlich für eine Viertklässlerin. In Schönwalde aber macht das Schule, im wahrsten Sinne des Wortes. Ronny Kubeile arbeitet als „pädagogische Ergänzungskraft“ an der Grundschule.

So eine Stelle, informiert Kita-Praxisberaterin Ina Hennig, kann beim Ministerium beantragt werden. Parallel dazu hatte sich Ronny Kubeile als Elternteil ins Schulgeschehen eingebracht. Zudem stand ein Raum zur Verfügung, der dafür genutzt werden konnte. „Es war eine ideale Kombination“, schätzt Unterspreewalds Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine (CDU) ein.

Die Kosten für den Raum und die  Ausstattung hatte die Gemeinde Schönwald übernommen, die für das neu gewonnene „Personal“ trägt das Amt, teilweise refinanziert vom Landkreis Dahme-Spreewald. 45 bis 50 Kinder nutzen nun täglich im Wechsel das Angebot, das Zimmermannsmeister Ronny Kubeile aus der Gemeinde Bersteland abwechslungsreich und fantasievoll für sie vorbereitet. Montags bis freitags, immer nachmittags, darf gehobelt und gesägt, gebohrt und gelötet werden. Dabei sollen, betont Ina Hennig, die Kinder vor allem an Handwerksberufe herangeführt werden. Ob einen Schlauch in einen Fahrradreifen einziehen, verstehen, wie der Motor eines Mopeds funktioniert oder aus Holz ein Pferd bauen - das technische Verständnis, die Vorstellungskraft für Form und Funktion werden entwickelt, Hort- und Vorschulkinder profitieren.

Als erstes entstanden Schilder: Stop, Parken Verboten, ein Ampelhinweis - was auch immer. Und danach stand auf einmal ein Pferd im Werkraum, ganz aus Holz. Längst fertig, hat es inzwischen ein neues Zuhause in einem Teil des angeschlossenen Flures gefunden. Vor Weihnachten entstanden in der Werkstatt still und heimlich selbstverständlich auch Geschenke.  Ein Spreewaldkahn aus vorbereiteten Rohlingen wurde gebaut - und für die Sommerferien hat Ronny Kubeile etwas ganz Besonderes vor. Was genau, wird noch nicht verraten.

Obwohl Seiteneinsteiger, beweist er viel pädagogisches Geschick. Wichtigste Werkraum-Regel: „Kein Quatsch hinter Herrn Kubeiles Rücken!“, weiß der kleine Linus. Um an dem Angebot teilnehmen zu dürfen, müssen Voraussetzungen erfüllt sein: Gutes Benehmen und gute Noten sind zwei davon.

Am Ende entdeckt jeder sein Lieblingswerkzeug. So selbstverständlich, wie Kimberly mit dem Akkubohrer umgeht, so routiniert steht Linus an der Standbohrmaschine unter Beachtung aller Sicherheitsregeln. Niklas geht gern mit der Schleifmaschine um. Leni schaut vom Löten auf und sagt: „Ich helfe gerne und mache alles.“