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Wenden im Spreewald
Neue Hoffnung für Witaj-Projekt

Der Rat für Angelegenheiten der Sorben/Wenden des Landtags Brandenburg hat am Mittwoch in Straupitz getagt. Zuvor besichtigten die Mitglieder die Neu Zaucher Kita. Wichtigstes Thema war die Zukunft des Witaj-Sprachprojekts.
Der Rat für Angelegenheiten der Sorben/Wenden des Landtags Brandenburg hat am Mittwoch in Straupitz getagt. Zuvor besichtigten die Mitglieder die Neu Zaucher Kita. Wichtigstes Thema war die Zukunft des Witaj-Sprachprojekts. FOTO: Ingvil Schirling / LR
Neu Zauche/Straupitz. Landkreis will mit Amt Lieberose/Oberspreewald den Hauptteil einer zusätzlichen Fachkraft-Stelle finanzieren. Von Ingvil Schirling

Im Streit um das Witaj-Projekt an der Kita Spreewaldspatzen in Neu Zauche zeichnet sich eine Lösung ab. Während der Sitzung am Mittwoch des Rates für Angelegenheiten der Sorben/Wenden haben die Amtsverwaltung Lieberose/Oberspreewald und der Landkreis Dahme-Spreewald einen gemeinsamen Vorschlag gemacht, der das Vorzeige-Projekt des frühen sorbisch-wendischen Spracherwerbs an der Kita zur vollen Blüte bringen könnte. Derzeit wird es aufgrund mehrerer Umstände nur noch mit einer Stunde wöchentlich als Begegnungssprache umgesetzt. Zuvor gab es dafür eine eigene Gruppe samt Erzieherin.

Um die Einschränkung seit diesem Sommer hatte es Streit gegeben. Auch in Neu Zauche unterstrich der Rat, dass die Umsetzung des Projekts als reine Begegnungssprache als deutlich zu wenig angesehen wird, nicht mehr in die Richtlinien der Stiftung für das sorbische Volk passt und daher voraussichtlich aus diesem Topf auch nicht in dieser Form gefördert werden kann.

Mit Hilfe des Landkreises könnte ab kommendem Jahr allerdings aus Witaj wieder deutlich mehr werden, sogar mehr als bisher. Aktueller Vorschlag ist, dass über „Andere Angebote“ der Kitaqualitätsrichtlinie jeweils für ein Jahr eine zusätzliche Fachkraft-Stelle gefördert wird — außerhalb des üblichen Betreuungsschlüssels. „Wir würden das als Landkreis mitfinanzieren“, bot Bildungs- und Sozialdezernent Carsten Saß (CDU) an. Das Angebot hat einen finanziellen Umfang in Höhe von rund 45 000 bis 50 000 Euro. Weitere zehn Prozent dazuzugeben, könne sich das Amt Lieberose/Oberspreewald als Träger der Kita durchaus vorstellen, ergänzte Annett Joppich, Amtsleiterin für Bildung und Kultur. Der Landkreis habe zudem signalisiert, dass er den bisherigen Zuschuss in Höhe von 5000 Euro zum Witaj-Projekt weiter bereitstellen würde. In selber Höhe hatte die Stiftung für das sorbische Volk bisher die Sprachgruppe unterstützt. Ob das für das neue Projekt ebenso geleistet würde, blieb offen. 

Umgesetzt werden könnte dieser brandneue Plan mit Beginn des Jahres 2018. Eine Erzieherin, die in der Grundschule das Sprachangebot genutzt hatte und im Moment Wendisch/Sorbisch als Begegnungssprache anleitet, arbeitet bereits in der Kita Spreewaldspatzen und sei sehr engagiert. Auch das Interesse besteht: 27 Kinder werden aktuell mit dem Angebot der Begegnungssprache erreicht. Die Problematik der Reduzierung im Spätsommer hatte neben der erkrankten, ursprünglichen Erzieherin auch damit zu tun gehabt, dass aus der bisherigen zwölfköpfigen Gruppe sechs eingeschult wurden. Um die Witaj-Gruppe wieder zu füllen, hätten andere Kinder ihre Gruppe wechseln müssen, was trotz Werbung nicht gelang. Andererseits mussten wiederum Kitaplätze für andere Kinder bereitgestellt werden.

Mit der Einrichtung der zusätzlichen Stelle ab kommendem Jahr - wenn die restliche Finanzierung über die Stiftung oder über das Land Brandenburg gesichert ist - würde das Kita-Konzept weit mehr als bisher in Richtung „Witaj“ ausgerichtet werden und über eine Gruppe weit hinausgehen. „Witaj“ bedeutet „Willkommen“. Sorbisch-wendische Wörter und ganze Formulierungen werden in diesen Projekten direkt von der Erzieherin übernommen, indem die Kinder zweisprachig betreut werden. Die „Spreewaldspatzen“ sind dafür bereit — sorbisch/wendische Bräuche werden intensiv gepflegt, machte Kita-Leiterin Manuela Urspruch deutlich.