| 21:30 Uhr

Wohnungsnot
Im Speckgürtel wird der Wohnraum knapp

Eine Reihe von Mehrgeschossern ist in den vergangenen Jahren am Lübbener Bahnhofsumfeld entstanden. Wohnungen sind in der Spreewaldstadt und im gesamten Dahme-Spreewald-Kreis stark nachgefragt. Wo genau und wie viele gebraucht werden, soll nun eine Studie klären, die zugleich den Bedarf an Fachkräften und Infrastruktur in einer wachsenden Region darstellen soll.
Eine Reihe von Mehrgeschossern ist in den vergangenen Jahren am Lübbener Bahnhofsumfeld entstanden. Wohnungen sind in der Spreewaldstadt und im gesamten Dahme-Spreewald-Kreis stark nachgefragt. Wo genau und wie viele gebraucht werden, soll nun eine Studie klären, die zugleich den Bedarf an Fachkräften und Infrastruktur in einer wachsenden Region darstellen soll. FOTO: Ingvil Schirling / LR
Landkreis Dahme-Spreewald will eine Studie für die Region um Lübben erstellen lassen. Begrenzung durch Land wird äußerst kritisch gesehen. Von Ingvil Schirling

Kleine, günstige Wohnungen sind in Lübben schwer zu finden – schon vor Jahren veröffentlichte die LR alarmierende Berichte zum Thema Wohnungsmangel in der Kreisstadt. Heute ist klar: Nicht nur in Lübben ist das Thema ernst. Im gesamten südlichen Bereich des Landkreises herrscht akuter Wohnungsmangel, im Norden sowieso.

Während im städtischen Raum aber ohne Beschränkung durch die Landesplanung gebaut werden darf, sieht das im ländlichen ganz anders aus. Hintergrund ist eine Deckelung im Entwurf des Landesentwicklungsplans für die Hauptstadtregion. Deshalb wollen Landrat, Bürgermeister und Amtsdirektoren im südlichen Raum einschließlich des Amtes Schenkenländchen nun gemeinsam ein starkes Zeichen setzen. Zur Erstellung einer Studie sollen noch in 2018 rund 100 000 Euro aus dem Kreishaushalt investiert werden, um drei Ziele zu erreichen: „Es soll der Bedarf an Wohnungen genau analysiert werden“, sagt Landrat Stephan Loge (SPD). Zweitens sollen auch in Bezug auf den Fachkräftemangel verlässliche Zahlen erhoben und drittens künftige Notwendigkeiten und Erfordernisse in Bezug auf die Infrastruktur aufgezeigt werden.

Alles wahrlich keine neuen Themen. Doch der Umweg über die Studie scheint nötig, um hieb- und stichfeste Zahlen schwarz auf weiß präsentieren zu können. Eigenen Berechnungen zufolge wächst die Bevölkerung im Landkreis Dahme-Spreewald deutlich stärker als bisher prognostiziert.

„Dass der Siedlungsdruck aus dem Norden im Süden ankommt, merken wir deutlich“, schätzt Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine (CDU) ein. „Man sieht es bei uns daran, dass die Grundstücksverkäufe vor allem für den Eigenheimbau deutlich anziehen.“ Er begrüßte, dass der Landkreis auf diese Weise „eine Draufsicht auf die Situation“ ermöglicht.

Darüber hinaus hofft Kleine, dass die Ergebnisse der Studie die Kommunen bei ihrer zweiten Stellungnahme zum  Entwurf des Landesentwicklungsplans (LEP) weiterbringen – vor allem in der Argumentation. Denn die dynamische Entwicklung bis in die Dörfer hinein „lässt sich nur begrenzt von den kleineren Gemeinden, die eben nicht Mittelzentrum wie Lübben sind, in ihrer Ausrichtung abbilden, da diese nach den Festlegungen des Landesentwicklungsplanes ihren Wohnungsbestand binnen zehn Jahren nur um fünf Prozent anwachsen lassen dürfen“, erklärte Lübbens Bürgermeister Lars Kolan (SPD) kürzlich, als er Stadtverordnete über die geplante Studie informierte. „Diese Beschränkung spiegelt nicht die Notwendigkeiten des ländlichen Raumes unseres südlichen Landkreises wider.“

„Dagegen laufen wir Sturm“, unterstreicht Landrat Stephan Loge. Wichtiges Ziel der Studie ist demnach, „sich gegenüber der Landesregierung zu dieser Thematik und den damit verbundenen Entwicklungsbeschränkungen für den ländlichen Raum besser positionieren zu können und diesbezüglich möglichst Verbesserungen zu erreichen“, formuliert Lars Kolan. Er verspricht sich aber auch „in Bezug auf den in der Stadt Lübben (Spreewald) notwendigen Wohnungsbau aus der in Auftrag gegebenen Analyse einen gewissen Rückenwind und Animation weiterer Investoren, sich in unserer Stadt des Wohnungsbaus anzunehmen“.  Unabhängig davon kündigte er an, in den kommenden Jahren auch über die LWG dem Wohnungsbau noch eine größere Bedeutung beimessen zu wollen.

Die Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft auf Kreisebene ist unterdessen vorerst vom Tisch, sagte Landrat Stephan Loge weiter. Auf Anregung des Kreistages war dies geprüft worden. Die Studie sieht Loge als Teil einer Kreisentwicklungskonzeption, wie sie kürzlich von Frank Selbitz (UBL) im Kreistag gefordert worden war. Daran werde bereits gearbeitet, sagte der Landrat.