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Wetter
Viel Regen bringt Probleme

Vom Barzlin bis zur Zerkwitzer Kahnfahrt stehen nach vielen Regenfällen Flächen unter Wasser. Für die Landwirte derzeit noch das geringste Problem.
Vom Barzlin bis zur Zerkwitzer Kahnfahrt stehen nach vielen Regenfällen Flächen unter Wasser. Für die Landwirte derzeit noch das geringste Problem. FOTO: is
Lübben/Lübbenau. Der regenreiche Juli und die wiederkehrenden Schauer im August haben Folgen. Für Mensch, Tier und Natur im Spreewald. Ingvil Schirling

Mit am sichtbarsten sind große Wasserflächen auf den Wiesen, stellenweise schwarz von Spuren landwirtschaftlicher Fahrzeuge. Wo sich die weidenden Kühen nicht auf höhere Flächen zurückziehen können, mussten die Landwirte umweiden, können manche Flächen nicht mehr voll nutzen - und doch sehen sie die aktuelle Situation noch relativ gelassen. "2011 und 2013 waren schlimmer", heißt es aus der Agrargenossenschaft Radensdorf. Die Muri GmbH musste damals sogar ihre Kühe evakuieren - so dramatisch ist die Situation derzeit für sie längst nicht.

Doch die Lage ist belastend, auch für den Menschen. Die feuchten Flächen sind ideale Brutstätten für Mücken. Weil der Untergrund fault, ist an kritischen Stellen eine deutliche Geruchsbelastung festzustellen. "Die Leute halten sich die Nase zu", sagt Kahnfährmann Jens Rosenberger vom Naturhafen Ragow. Ihm zufolge schwappt unter dem Steg am Barzlin das Wasser durch - das habe er noch nie erlebt.

Hauptsächlich betroffen ist der Raum um den Barzlin über die Zerkwitzer Kahnfahrt in Richtung Lübbenau. Dort liegt der Hauptanteil an Flächen, die unter Wasser stehen. Vor vier Wochen brachten die starken Regenfälle rund 300 Millimeter Niederschlag, sagt Rainer Schloddarick, Chef des Wasser- und Bodenverbands Oberland Calau. Die südlichen Zuflüsse bringen die Fracht in den inneren Spreewald. Ab Zerkwitzer Kahnfahrt wird das Wasser in die Polder geleitet und bei Ragow und Zerkwitz über die Schöpfwerke wieder abgepumpt.

Das funktioniert leidlich - wie weitere kleinere Eingriffe der Wasserwirtschaftler. Viel lieber würden die Fachleute einen Teil des Wassers schon auf der Schmogrower Höhe in den Nordumfluter abschlagen. Doch dieser war in den vergangenen Wochen nur eingeschränkt nutzbar. Auf dem Deich zwischen der Lübbener Deichsiedlung und dem Reha-Zentrum hatte sich vor zwei Jahren im Sommer ein größerer Sturmschaden ereignet. Alte Pappeln fielen und rissen Teile des Deichs mit sich. Bisher lief die Instandsetzung. Die Baufahrzeuge kommen nur über das Vorland an die betreffende Stelle heran - und die Baustelle würde geflutet, käme zusätzliches Wasser. Im intakten Zustand könnten sechs bis acht Kubikmeter Wasser auf diesem Wege abfließen und würde nicht zusätzlich in das arg gebeutelte Gebiet laufen. Möglicherweise zeichnet sich hier eine Lösung ab.

Es ist ein "ganzer Strauß", so nennt es Rainer Schloddarick, an langjährigen Veränderungen und aktuell ungünstigen Faktoren.

Zum starken Niederschlag und der ohnehin hohen Wasserstände - eine tiefgreifende Veränderung der vergangenen 15 Jahre - kommt das leidige Thema der Krautung. Es ist kein Geheimnis, dass Wasser- und Bodenverbands-Chefs wie Jörg Wiesner (Nördlicher Spreewald) und Rainer Schloddarick gern dreimal pro Jahr krauten würden, um die Fließe vom Bewuchs freizuhalten. Dann kann das Wasser schneller abfließen. Doch finanziell ausgestattet sind sie nur für zwei Krautungen - und auch der Naturschutz hat Bedenken: "Wir hätten gern mit der Schleppsense gekrautet und durften nicht, weil laut Naturschutz zu viele Muscheln und Solorganismen beschädigt würden", sagt Jörg Wiesner. Um die Fließe vor den hohen Winterwasserständen vom Bewuchs freizubekommen, wird bei ihm frühestens ab Anfang September das zweite Mal gekrautet werden. Bis dahin helfen lediglich kleine Maßnahmen: Teure Schöpfwerke laufen, wo noch vorhanden, auf Hochtouren. Das Wassergefälle wurde zeitweise erhöht, um den Abfluss zu beschleunigen. Das geht allerdings nur begrenzt mit Blick auf die Kahnfahrten der Tourismussaison. Sinkt der Wasserspiegel, hängen die Kähne in der Luft und das Einsteigen am Steg wird beschwerlich.

Da beißt sich allerdings die Katze in den Schwanz. Der Spreewaldtourismus lebt von Kahnfahrten unter hohen Bäumen. Wenn die Erlen dauerhaft im Wasser stehen, sterben sie - ein Szenario, dass durch aktuelle die Vernässung erneut beschleunigt werden könnte.