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Update: Wirtschaft
Warum Tropical Islands neue Investoren sucht

Außergewöhnliche Investition im märkischen Sand. Die  Tropical-Islands-Eigentümer sind auf der Suche nach neuen Geldgebern.
Außergewöhnliche Investition im märkischen Sand. Die Tropical-Islands-Eigentümer sind auf der Suche nach neuen Geldgebern. FOTO: Tropical Islands
Krausnick. Zu Jahresbeginn hatte Tropical Islands ein Mega-Investitionsprogramm von 300 Millionen Euro angekündigt. Seit dieser Woche ist nun die Rede von einem „Verkauf“ des größten überdachten Tropenparks in Europa. Klingt wirr, ist es aber nicht unbedingt. Die RUNDSCHAU erklärt die Hintergründe. Von Jan Siegel

Der malaysische Milliardär Ananda Krishnan denkt nach Informationen des in Düsseldorf erscheinenden Handelsblatts darüber nach, sich von seiner Freizeitanlage Tropical Islands in Brandenburg zu trennen. Nach Informationen des Wirtschaftsinformationsdienstes Bloomberg prüften Krishnan und sein Geschäftspartner Colin Au derzeit gemeinsam mit einer Investmentbank, wie groß das Interesse an dem Badeparadies ist. Ananda Krishnan gehört die Mehrheit von Tropical Islands. Der Tourismus-Unternehmer an seiner Seite ist Colin Au, der den Rest der Anteile hält.

Tropical-Islands-Sprecherin Katja Benke bestätigte am Dienstagnachmittag den Handelsblatt-Bericht. Es gehe allerdings nicht zwingend um einen Komplettverkauf des tropischen Urlaubsparadieses im märkischen Sand. Vielmehr suchten die Eigentümer des malaysischen Tanjong Konzerns nach Investoren, die sich an den im Tropical Islands geplanten Mega-Investitionen in Höhe von insgesamt rund 300 Millionen Euro beteiligten. „Dabei prüfen wir alle Möglichkeiten“, sagte Benke der RUNDSCHAU. „Die Palette reicht von möglichen Finanzbeteiligungen, über Teilverkäufe bis hin zum Eigentümerwechsel.“

Nach Bloomberg-Recherchen hat Tropical-Islands Mehrheitsgesellschafter Ananda Krishnan finanzielle Schwierigkeiten bei seinen Engagements im Bereich Mobilfunk. Auf dem indischen Markt und in Malaysia soll er in den vergangenen Jahren viel Geld verloren haben. Im März habe er für ein Unternehmen sogar Insolvenz anmelden müssen, schreibt das Handelsblatt.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht wäre die jetzige Investoren-Suche damit sogar logisch. Auf diese Weise könnte es den asiatischen Eigentümern nicht nur gelingen, zusätzliches Geld für Investitionen einzusammeln, sondern auch noch, das unternehmerische Risiko einer solchen Investition auf mehrere Schultern zu verteilen.

Nicht auszuschließen, dass die jetzt durchgesickerten Informationen gestreut worden sind, um weitere Interessenten aufmerksam zu machen und den Marktwert von Tropical Islands zu testen.

Gespräche mit potenziellen Partnern soll es demnach bereits seit Längerem geben. Auch nach Angaben von Bloomberg sind die Beteiligungs-Verhandlungen noch in einem sehr frühen Stadium. Ob dabei letztlich ein Deal zustande kommt, sei unklar. Das ließ auch Katja Benke gestern offen.

Tropical Islands ist inzwischen nicht nur ein bestimmender touristischer Wirtschaftsfaktor, der auch international große Anziehungskraft hat. Das Resort ist auch einer der großen Arbeitgeber am nördlichen Ausläufer der Lausitz. Derzeit sind dort 600 Mitarbeiter direkt beschäftigt. 150 Beschäftigte von externen Firmen kommen nach Angaben von Katja Benke noch dazu. Die Sprecherin betonte, dass die derzeitigen Verhandlungen keine Auswirkungen auf die Mitarbeiter hätten. Es gehe jetzt vielmehr um die langfristige Zukunftssicherung, um Tropical Islands noch attraktiver zu machen.

Im Januar hatte Europas größtes tropisches Urlaubsresort eine Mega-Investition angekündigt. Die Kapazität des Resorts soll von derzeit rund 2000 Betten auf stattliche 9000 erweitert werden. Dafür sollten nach bereits damals bestätigten Angaben rund 300 Millionen Euro investiert werden.

Die imposante Anlage auf dem früheren russischen Militärflugplatz in Brandt will damit nicht nur ihre Übernachtungs-Kapazität erhöhen. Es gehe vor allem um eine Weiter-
entwicklung, denn die europäische Konkurrenz bei den Freizeitparks sei hart, sagte der Geschäftsführer der Freizeitanlage, Michiel Illy. Illy war im Januar seinem niederländischen Landsmann Jan Janssen auf dem Geschäftsführerposten nachgefolgt. Janssen hatte das tropische Urlaubsparadies rund 60 Kilometer südlich von Berlin seit 2013 geführt.

Derzeit prüft die Tanjong-Gruppe gemeinsam mit dem Ideen-Geber des Tropical Islands Colin Au und der Geschäftsführung des riesigen Resorts verschiedene Möglichkeiten, um Brandenburgs größte touristische Einzeldestination weiterzuentwickeln. In Brandt werden in jedem Jahr inzwischen regelmäßig mehr als eine Million Besucher gezählt.

Erweitert werden soll beispielsweise „Amazonia“ – der großzügige Außen-Entspannungs- und Erlebnisbereich. Für Surf-Fans soll es künftig eine „stehende Welle“ geben. Und entstehen soll auch eine sogenannte „Splash-Area“ mit jeder Menge neuem Spaß am und im Wasser.

„Unser Ziel ist es nach wie vor, Europas größtes Urlaubsresort zu sein“, bestätigte Katja Benke die ehrgeizigen Pläne in Brand.

Rund um die riesige Halle sollen auf Stelzen stehende Erlebnis-Unterkünfte gebaut werden. Erweitert werden soll demnach auch der bereits bestehende Mobile-Home-Park, der vor allem bei Familien extrem gefragt ist.

Die Auslastung der gesamten Anlage liegt im Jahresdurchschnitt nahe 90 Prozent. Das ist ein beachtlicher Wert.

In der Prioritätenliste nach hinten gerutscht ist offenbar ein Kongresshotel. Das sollte die Möglichkeiten des Resorts erweitern, lukrative Angebote für große internationale Tagungen unterbreiten zu können. Dabei käme Tropical Islands die Lage nur rund 60 Kilometer südlich der Hauptstadt Berlin zugute. Mit einer Eröffnung des BER im Jahr 2020 würde die internationale Erreichbarkeit des Resorts noch einfacher.

Tropical Islands wurde 2004 eröffnet. Betreiber ist die Tanjong-Gruppe aus Malaysia. Über sie hält Krishnan die Mehrheit an dem Resort, Colin Au gehört der Rest.

Gekauft hatten die asiatischen Unternehmer die einstige Luftschiff-Halle aus der Insolvenzmasse der früheren Firma Cargolifter, die in der Lausitz riesige Lastenluftschiffe bauen wollte, damit aber finanziellen Schiffbruch erlitten hatte. Der Kaufpreis lag damals bei insgesamt 17,5 Millionen Euro. Der Großteil des Geldes, zehn Millionen Euro, hatte das Land Brandenburg aber als Subventionen beigesteuert, um der außergewöhnlichen Halle eine neue Pespektive zu geben.

Zu der rund 100 000 Quadratmeter großen Freizeitanlage gehören unter anderem ein Hotelkomplex in der Halle, Campingplätze, ein Regenwald mit 600 Pflanzenarten, künstliche Strände, ein Wasserpark sowie ein Wellness-Bereich.