Von Jörg Kühl

(MOZ) Wenn Alexander Kurylyszyn mit seiner leuchtstreifengespickten Baumontur auftaucht, macht er nicht den Eindruck, Chef von 150 Mitarbeitern zu sein. Die Nähe zu seinen Angestellten ist dem Inhaber von Kurylyszyn-Bau, den alle schlicht „Alex“ nennen, wichtig. „Ich kenne jeden mit Namen.“ Und er vergisst keinen einzigen Geburtstag. Dabei hat der Selfmademan einmal ganz klein angefangen.

Alexander Kurylyszyn wird 1979 in Bad Saarow geboren, seine Schulzeit erlebt er in Beeskow. Er schließt im Jahr 1999 mit Abitur ab und absolviert im Anschluss seinen Wehrdienst. An der Berliner Berufsakademie studiert der junge Beeskower Bauingenieurwesen, schließt 2003 ab und während der Diplomprüfung wird sein erster Sohn Jan-Gregor geboren. Zwei Jahre lang erwirbt der frisch gebackene Ingenieur in der Baufirma seines Vaters erste Berufserfahrung. Am 1. Mai 2005 macht sich Alexander Kurylyszyn mit seiner inhabergeführten Firma Kurylyszyn-Bau selbstständig. Zur Erstausstattung zählen ein Transporter, ein Minibagger und ein Anhänger. Kurylyszyn bietet Baudienstleistungen, wie Pflasterarbeiten oder ähnliches an. Als Subunternehmer unterstützt er regionale Baufirmen und Architekten bei der Abarbeitung von Aufträgen. Zum Ende des Jahres kommt seine Tochter Emilia zur Welt.

2005 bis 2007 bezeichnet Alexander Kurylyszyn als seine „Saure-Gurken-Zeit“. Doch er beißt sich durch. 2007 hat Kurylyszyn bereits zwei Angestellte. Ab 2008 arbeitet der Bauingenieur mit einem Partner zusammen, die Kooperation scheitert jedoch im Jahr 2009. Das Scheitern fällt zusammen mit dem Ende seiner ersten Ehe. „Ich stand plötzlich mit zwei Kindern alleine da“, erinnert sich der Unternehmer. Heute, mit zehn Jahren Abstand, weiß er: „Diese Zäsur brachte mich intensiv zum Nachdenken über Familie und Arbeit.“ Heute zählt Kurylyszyn-Bau zu einem der familienfreundlichsten Unternehmen in der Region. „Nur wenn es meinen Angestellten gut geht, geht es dem Unternehmen gut“, ist Alexander Kurylyszyns

Nach dem Neustart im Jahr 2009 wächst Kurylyszyn-Bau wie Hefe. 2010 wird der erste eigene Lkw angeschafft. Heute verfügt die Firma über 30 Muldenkipper, 18 Radlader und 12 Bagger. 2015 folgt der nächste große Schritt in der Unternehmensgeschichte. Alexander Kurylyszyn pachtet von der Beeskower Baustoff-Recyclingfirma GAA große Flächen, um Schutt und Baumaterialien zwischenzulagern, Anfang 2016 übernimmt er die Firma samt zehn Mitarbeitern ganz. „Jetzt ist es ein rundes Zusammenspiel.“ 250 bis 300 Wiegungen gibt es inzwischen täglich auf dem Recyclingplatz.

Kurylyszyn ist nach der Kreisverwaltung und dem Spanplattenwerk der drittgrößte Arbeitgeber in Beeskow. Dabei ist Alexander Kurylyszyn stets bodenständig und nahbar geblieben. Jedes Jahr organisiert der Chef ein großes Mitarbeiterfest, zu dem ausdrücklich die Familienmitglieder seiner Angestellten mit eingeladen sind. Bei der jüngsten Feier im Sommer kamen 160 Gäste zusammen.

 Zu Alexander Kurylyszyns Bodenständigkeit passt auch, dass er sich für das gesellschaftliche Leben seiner Heimat engagiert. Die Liste der Vereine, die er als Sponsor unterstützt, ist lang. Dass er so viele Dienstleistungen und Waren wie möglich regional beschafft, ist für Alexander Kurylyszyn eine Frage des gegenseitigen Geben und Nehmens.

2018 steigt Kurylyszyn-Bau in das Geschäftsfeld Hochbau ein. Es entsteht eine Werkshalle für ein Fürstenwalder Unternehmen. Auch das Fundament des Spanplattenwerks entsteht in Hochbauweise. Aktuell arbeitet Kurylyszyn-Bau an der Errichtung des Barbaraparks. Das ist ein Gebäudeensemble an der Frankfurter Chaussee in Beeskow, das aus barrierefreien Wohneinheiten bestehen soll. Alexander Kurylyszyn ist besonders stolz, 25 Fachkräfte für den Hochbau gefunden zu haben. Und das in einer Zeit, da gewerbliche Fachkräfte, speziell im Bau, immer schwerer zu bekommen sind.

Seit 2014 erfreut sich Alexander Kurylyszyn neben seinem unternehmerischen Erfolg auch über persönliches Glück. Der viel beschäftigte Bauunternehmer lernt Sylvia, seine zweite Frau, kennen. Diese bringt ihre Tochter, auch eine Emilia, mit ins Haus und 2016 werden die beiden noch einmal Eltern. Als das Paar am vorletzten Augustwochenende dieses Jahres heiratet, wird es vor der Burg von einer hupenden Muldenkipper-Kolonne begrüßt. Da kann selbst der gestandene Bauunternehmer seine Tränen nicht zurückhalten.

Der Unternehmer fühlt sich „von klein auf“ der Ausbildung verpflichtet. Seit 2007 nimmt er Lehrlinge in seinem Betrieb auf. „Damals waren wir noch ein Kleinunternehmen mit zwei Angestellten.“ Es macht ihn wütend zu sehen, wie viele Jugendliche nach der Schule keinen Ausbildungsplatz haben. Das Handwerk werde zu wenig geschätzt, ist er überzeugt. „Die jungen Leute erkennen nicht, dass das Handwerk wirklich golden ist. Mehr denn je!“