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Wird die Umgehung eine Sparvariante?

Finger auf den neuralgischen Stellen - sie zeigen auf diejenigen Punkte der im Plan befindlichen Umgehungsstraße, an denen gespart werden soll: Thomas Liebsch (Bürgerinitiative Treppendorf) deutet auf die gestrichene Brücke für die Direktverbindung nach Neuendorf, Ortsbürgermeister Torsten Schade auf die für den Kimpernweg, Dr. Wolfram Kinze (Nabu) auf die verkürzte Brücke durch die Spreeaue. Thomas Fischer (Nabu) deutet auf den Bahnübergang, der als innerörtliche Verbesserung (und Teil einer Alternative zur Umgehungsstraße) eine Unterführung bekommen könnte.
Finger auf den neuralgischen Stellen - sie zeigen auf diejenigen Punkte der im Plan befindlichen Umgehungsstraße, an denen gespart werden soll: Thomas Liebsch (Bürgerinitiative Treppendorf) deutet auf die gestrichene Brücke für die Direktverbindung nach Neuendorf, Ortsbürgermeister Torsten Schade auf die für den Kimpernweg, Dr. Wolfram Kinze (Nabu) auf die verkürzte Brücke durch die Spreeaue. Thomas Fischer (Nabu) deutet auf den Bahnübergang, der als innerörtliche Verbesserung (und Teil einer Alternative zur Umgehungsstraße) eine Unterführung bekommen könnte. FOTO: Ingvil Schirling
Lübben. Bürgerinitiative Treppendorf und Nabu Spreewald befürchten Einschnitte aus Kostengründen zulasten der Anwohner und Natur. Ingvil Schirling

Die kürzliche Präsentation des neuesten Planungsstandes für die Lübbener Umgehungsstraße sorgt für Diskussionen. Im projektbegleitenden Arbeitskreis hieß es einer Pressemitteilung der Lübbener Stadtverwaltung zufolge, dass voraussichtlich 2018 mit dem Planfeststellungsverfahren begonnen werde könne. Die Planungsgesellschaft Deges hatte Details zur Planung vorgestellt. Unter anderem soll die Spree auf möglichst kurzer Strecke überquert werden. Einige bisher geplante Brücken würden entfallen, heißt es in der Mitteilung weiter (die LR berichtete); die Wegebeziehungen würden aber nicht gekappt, sondern durch andere Wege (gegebenenfalls mit kleinem Umweg) ersetzt. Pro Brücke werde 600 000 Euro gespart. Lärmschutzwände seien nicht erforderlich, da die üblichen Grenzwerte nicht überschritten würden (bei voraussichtlich tagsüber 48 bis nachts 54 Dezibel am Kimpernweg; der Grenzwert liegt bei 49/59 Dezibel).

All diese Punkte treiben sowohl der Bürgerinitiative Treppendorf, die sich gegen die Umgehungsstraße in der vorliegenden Trasse wendet, als auch dem Nabu die Sorgenfalten auf die Stirn. "Wir kriegen eine Billiglösung", befürchtet Thomas Liebsch von der Bürgerinitiative, "und zwar zulasten der Anwohner. Es gibt keinen Flüsterasphalt, keine Lärmschutzwände, weniger Naturschutz - nur das allernötigste. Damit wird das Konfliktpotenzial im Planfeststellungsverfahren zwar erhöht, das wird allerdings in Kauf genommen", kritisiert er.

Hintergrund ist Bürgerinitiative und Nabu zufolge, dass es die Umgehungsstraße "nur mit Hängen und Würgen" in den Bundesverkehrswegeplan geschafft hat. "Dass es noch geklappt hat, ist fast ein Wunder", schätzt Thomas Liebsch ein. Das Problem: Der Kosten-Nutzen-Quotient für die Trasse ist ein denkbar schlechter. Je höher er liegt, desto besser aus wirtschaftlicher Sicht, denn er zeigt auf, in welchem Verhältnis der positive Effekt zu den Kosten steht. "Die Lübbener Umgehungsstraße hat mit 1,18 eine der schlechtesten Kennziffern", sagt Thomas Liebsch. "Unter 1,0 wird nicht mehr gebaut."

Mit den wegfallenden Brückenbauwerken und der Verkleinerung der Spreequerung hätten sich die Planer die Haupt-Kostentreiber vorgenommen. Thomas Fischer (Nabu) zufolge reduziert die Verkürzung der Brücke von 500 auf unter 200 Metern die Kosten allein dafür von 16 auf elf Millionen Euro. "Das wird ein Nadelöhr", kommentiert Dr. Wolfram Kinze vom Nabu, "und erzeugt Probleme mit dem Hochwasserschutz."

"Die jetzt geplanten Einsparungen werden aber nicht reichen", gibt er zu bedenken. "Die ursprüngliche Kostenschätzung war schon ausgesprochen knapp kalkuliert." Eine neue sei im Arbeitskreis nicht genannt worden.

Torsten Schade hofft, dass sich die Betroffenen in den Lübbener Ortsteilen, um die die Trasse eng herumführt, mit den Planungen intensiv auseinandersetzen. Allein zum Bundesverkehrswegeplan kamen Liebsch zufolge rund 2000 Stellungnahmen aus Lübben. "Das waren 5,1 Prozent aller überhaupt in Deutschland abgegebenen Stellungnahmen", informiert er. "Wir wissen, dass viele kritisch waren."

Ortsbürgermeister Torsten Schade meldet darüber hinaus Zweifel an, ob die Umgehungsstraße das Lübbener Verkehrsproblem überhaupt lösen kann. Dass es ein hohes Verkehrsaufkommen gibt, besonders in den Sommermonaten, räumen Bürgerinitiative und Nabu ein. "Aber 85 Prozent sind Quell- und Zielverkehr", sagt Schade. "Und die würden ja bleiben."

Deshalb setzen Nabu und Bürgerinitiative nach wie vor auf den innerstädtischen Ausbau mit weiteren Kreiseln, beispielsweise an der Luckauer Straße, und einer Unterführung an der Schienenquerung. "Das wäre technisch machbar, auch bei Starkregen", sagt Wolfram Kinze.

Für Bundesstraßen ist der Bund zuständig, kann aber Geld nur für eine Variante ausgeben. Kommt die Umgehung, werden die innerörtlichen Bundesstraßen abgestuft. Wer immer dann für sie zuständig ist, muss auch ihre Sanierung oder ihren Ausbau bezahlen. Solange die Umgehung geplant wird, wird demnach zurückhaltend investiert, so die Befürchtung.

Bleiben die Lkw aufgrund der Bundesstraßen-Maut auf der Autobahn, würde die Ortsumfahrung womöglich kaum genutzt - und Lübben hätte immer noch keine ausgebaute innerstädtische Durchfahrt, argumentieren Bürgerinitiative und Nabu für den Verzicht auf die Umgehungsstraße.