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| 16:04 Uhr

Heiße Diskussion
„. . .wir könnten ruhiger schlafen“

Der Wolf polarisiert – und seine Anwesenheit bringt viele Fragen mit sich.
Der Wolf polarisiert – und seine Anwesenheit bringt viele Fragen mit sich. FOTO: dpa / Carsten Rehder
Schönwald. Der Wolf erhitzt die Gemüter. Das hat am Dienstagabend auch eine Infoveranstaltung in Schönwald gezeigt. Der Bedarf an solchen Diskussionen scheint größer denn je.

Anfang August ist in Schönwald ein Rehkadaver gefunden worden (LR berichtete). Nach Einschätzung des Jägers Alfred Wagner war mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Wolf für den Riss verantwortlich. Und die Menschen aus der Region berichten von weiteren Vorfällen.

Peter Schneider, der Ordungsamtsleiter im Amt Unterspreewald, und Roland Gefreiter, der Bürgermeister von Schönwald, haben den Rede- und Aufklärungsbedarf erkannt und deswegen am Dienstagabend zu einer Infoveranstaltung nach Waldow eingeladen. Mit knapp 50 Besuchern war diese auch sehr gut frequentiert. „Wir waren überrascht, wie viele Menschen aus dem gesamten Amtsgebiet wir damit mobilisieren konnten“, sagte Gefreiter. „Das schafft man mit anderen Veranstaltungen nicht.“

Ein gerissenes Reh in Schönwald hat die Leute in der Umgebung verunsichert.
Ein gerissenes Reh in Schönwald hat die Leute in der Umgebung verunsichert. FOTO: LR / Anke Gefreiter

Der Wolf aber polarisiert – und seine Anwesenheit bringt viele Fragen mit sich: Wie schütze ich mich und etwaige Nutztiere? Wo will Deutschland hin mit der Wolfspopulation? Wo ist die Grenze? Und warum werden keine wolfsfreien Räume geschaffen? Fragen und Sorgen, die auch die Bewohner im Unterspreewald umtreiben.

Constanze Eiser, die ehrenamtliche Wolfsbeauftragte des Landes Brandenburg vom Naturschutzbund (Nabu) Finsterwalde, konnte als Dozentin für die Veranstaltung gewonnen werden. Seit 15 Jahren folgt sie den Wölfen und ihren Spuren in der Lausitz. Mit Vorträgen wie in Waldow wirbt sie für Akzeptanz für das Raubtier, und sie versucht, die Menschen für ein unaufgeregtes Zusammenleben zu sensibilisieren. „Der Wolf ist ein Konflikttier“, weiß Eiser, und sie wolle auch nicht in die Rolle von Isegrims Anwältin schlüpfen. „Aber man kann und darf den Wolf deswegen nicht ausrotten – man kann sich nur vor ihm schützen.“

Doch derlei Diplomatie, mit der der Naturschutz dem Wolf begegnet, geht einigen Bewohnern und Landwirten zu weit. Das wurde auch in Waldow deutlich, wo sich Constanze Eiser immer wieder mal aufgebrachten Widerworten aus dem Publikum erwehren musste. „Wir haben hier Riesenprobleme“, sagte eine Besucherin. Da sich Waldow in der Schnittstelle von drei gekennzeichneten Wolfsrudeln in Tschinka, Siegadel und Märkisch-Buchholz befindet, treffen Wolf und Mensch hier immer öfter aufeinander. „Warum bejagt man Wölfe nicht zumindest so, dass man wolfsfreie Räume schafft, wo sie uns Menschen nicht stören?“, fragte ein Bürger deshalb. „Das würde den Wolf ja nicht ausrotten, aber wir könnten ruhiger schlafen.“

Das allerdings sind Fragen, die keine Wolfsbeauftragen wie Cons-
tanze Eiser beantworten müssen, sondern die Politik. Deshalb steht zu vermuten, dass der Termin am Dienstag nicht die letzte Diskussion im Unterspreewald war. „Ich bin sehr zufrieden mit der Veranstaltung“, fasste Schönwalds Bürgermeister Roland Gefreiter zusammen. „Beim nächsten Mal müssen sich aber auch mal Leute vom Ministerium dazu äußern.“