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Tourismus im Spreewald
Winterkampagne im Spreewald

Beim traditionellen Fastnachtsumzug sind überall im Spreewald schöne Trachten zu sehen. Das und vieles Reizvolle mehr will der Tourismusverband nutzen, um auch im Winter mehr Gäste in die Region zu locken.
Beim traditionellen Fastnachtsumzug sind überall im Spreewald schöne Trachten zu sehen. Das und vieles Reizvolle mehr will der Tourismusverband nutzen, um auch im Winter mehr Gäste in die Region zu locken. FOTO: Paul Suppan
Straupitz. Angebote für die kühle Jahreszeit neu und emotional verpackt, gebündelt und vermarktet. Von Ingvil Schirling

Wenn’s um „Butter bei die Fische“ geht, müsste sich die Hamburger Glücksburg-Agentur wohl bestens auskennen. Aus ihrer Mitte steuert Annette Ernst schon mehrere Jahre den Tourismusverband Spreewald als Leiterin.

Noch länger liegt das Potenzial des Wintertourismus in der Fließlandschaft praktisch brach. Nun packte es der Tourismusverband erstmals umfassend an – um festzustellen, dass die Spreewälder in diesem Punkt schon viel mehr Butter an den Fischen haben als gedacht. Eine erste gemeinsame Übersicht über die Winterangebote, ordentlich sortiert in vier Bereiche und aufgestrippt nach Orten, ergab eine beachtliche Liste in Form einer 40-seitigen Präsentation, die Journalisten in der heimeligen Atmosphäre des Straupitzer Kornspeichers kürzlich vorgestellt wurde. Vielmehr lag es bisher wohl an der Verpackung oder Dekoration, dass die Fülle der Angebote, derart gebündelt, noch nicht richtig an den Gast oder die Besucherin gebracht werden konnte. Das soll im nächsten Schritt nun energisch angepackt werden – auf das der Fisch glänzen und genüsslich verspeist werden möge.

Im ersten Schritt gliedert der Tourismusverband das neue Aktionsfeld in vier große Themenfelder. Die Kampagne für den Winter zielt vor allem darauf zu zeigen, „dass auch er ein Sympathieträger ist, der emotional ansprechen kann“, so formulierte es Kora Kutschbach vom Tourismusverband. Thema Nummer 1 bleiben die Kahnfahrten, ob mit Glühwein, Sitzheizung, Kamin, dicken Decken oder warmen Gedanken. Winterpaddeln oder Stand-up-Paddling in Burg kommen dazu, der Nachtwächter leuchtet in Lübben durch die Winterdämmerung, Thema Nummer 2 sollen die „Genussorte“ mit ihren spezifischen Angeboten werden.

Und auch hier ist die Palette breit: Von den Winterwanderungen durch die Calauer Schweiz über das Cottbuser Museum und die Pückler-Ausstellung, die Führungen durch die Lieberoser Heide bis zu den Touren durch das Schloss. In Lübben lockt das Museum ab Dezember mit der Ausstellung „rätselhafte Märchenwelt“, in Luckau die Klinkmüllersche Weihnachtsbäckerei und im Spätwinter eine weitere Ausgabe von „Luckau leuchtet“. Thema Nummer drei wird der Komplex Gesundheit und Wellness sein, indem ebenfalls zusammengeführt wird, was es bereits gibt. Der vierte und letzte Themenkomplex beschäftigt sich mit Tradition und Feiertagen. Hierin wird alles zusammengeführt, was mit Advents- und Weihnachtsmärkten, Silvesterläufen, Zampern und Fastnacht zu tun hat.

Im Kern kommunizieren damit die Orte Burg, Lübbenau und Lübben, Cottbus, Peitz, Luckau und Vetschau, Märkische Heide, der Unterspreewald sowie die Tourismusgesellschaft Lieberose/Oberspreewald ihre Winterangebote unter dem organisatorischen Schirm des Tourismusverbandes.

Annette Ernst lobte einerseits: „Ich finde es großartig, was uns da gelungen ist. So können wir mit voller Kraft voraus den Winter bewerben.“ Mit dieser Zusammenstellung „sind wir in Brandenburg die Nummer eins“, sagte sie stolz. Andererseits ist ihr klar, dass das nur ein erster Auftakt sein kann – und dass es Jahre dauern wird, den touristischen Reiz der Frostwiesen, der verschneiten Calauer Schweiz oder den Zauber zarter kahler Zweige vor stahlblauem Himmel in die Allgemeinheit zu tragen.

„Wir fangen ganz unten an“, sagte sie. „Im Verkauf dauert es zwei bis drei Jahre, bis es überhaupt irgendwo ankommt.“ Es sei in einer ersten Arbeitsgruppe hauptsächlich darum gegangen, „was wir haben und was wir zusätzlich erreichen müssen“, ordnete sie ein. Wie sprunghaft die Anfangsentwicklung sei, zeige dies:  „Vor zwei Jahren hatten wir im Winter ein Plus von 25 Prozent.“ 2016/17 sei es „nur wenig mehr gewesen, aber wir haben sehr viel mediale Aufmerksamkeit bekommen.“ Die gebe es jetzt auch, doch die nächsten Schritte müssten sein, „mit den einzelnen Orten zu arbeiten. Wo müssen Hotels und Museen länger geöffnet sein“, nannte sie ein Beispiel. Spontan aber legte sie sich dann doch noch auf ein höher gestecktes Ziel fest, nämlich eine Steigerung von fünf bis zehn Prozent in den Wintermonaten.

Harald Altekrüger, Landrat von Spree-Neiße und Vorstandsvorsitzender des Verbands, war begeistert: „Der Winter hat seinen ganz eigenen Charme in unserer Region.“Wer alles auf einen Blick haben, genüsslich blättern und das ein oder andere nachlesen möchte, für den hat der Tourismusverband die Broschüre „Winterzeit“  mit den gesammelten Angeboten zusammengestellt. Untertitel: „Wo Dich Natürlichkeit von innen wärmt“. Von innen wärmen lassen können sich Gäste und Einheimische aktuell bei der „Fischzeit im Spreewald“, einer Aktion, in der viele Gasthäuser spreewaldtypische Fischgerichte anbieten, sowie am 4. November beim Fischzug an den Petkampsberger Teichen.