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| 02:48 Uhr

Wie wird man Erbe und was muss man dabei beachten?

Testament zu Hause behalten oder abgegeben?
Testament zu Hause behalten oder abgegeben? FOTO: dpa
Lübbenau/Luckau. Der Tod eines nahen Angehörigen ist ein schmerzliches Ereignis. "Die Abwicklung der Beerdigung übernimmt das Bestattungsinstitut. Die Frage, wer Erbe geworden ist, haben die Hinterbliebenen selbst zu klären", sagt Notar Jörg Richter aus Luckau und erläutert Details. red/bt

Hatte der Verstorbene ein notarielles Testament errichtet, bereitet dies keine Probleme, da das notarielle Testament zwingend beim Nachlassgericht verwahrt wird. Sobald das Nachlassgericht Kenntnis vom Tod des Erblassers erlangt hat, eröffnet es das Testament und sendet es den Personen zu, die in dem Testament bedacht sind, und den Personen, die von Gesetzes wegen Erbe geworden wären.

Allerdings werden handschriftliche Testamente oft zu Hause aufbewahrt. Dies birgt die Gefahr, dass sie nach dem Tod des Erblassers nicht gefunden werden oder "verschwinden". "Von Gesetzes wegen ist jeder, der ein Testament in Besitz hat, mit dem Tod des Erblassers verpflichtet, es beim Nachlassgericht abzuliefern, damit dieses die Testamentseröffnung vornehmen kann", so der Notar.

Ist kein Testament vorhanden, greift die gesetzliche Erbfolge ein. Die Klärung kann sich aber auch als schwierig erweisen. Zum Beispiel, wenn keine nahen Verwandten vorhanden sind oder Kinder aus verschiedenen Beziehungen stammen. Die Erfahrung zeigt, dass häufig falsche Vorstellungen bestehen. "Ich rate Personen, die kein Testament errichtet haben, dringend die Klärung", so Jörg Richter.

Erben können über den Nachlass nur dann verfügen, wenn sie ihr Erbrecht nachweisen können. Dies ist bei notarieller Regelung kein Problem. Hierfür reicht im Allgemeinen das Protokoll über die Testamentseröffnung des Nachlassgerichtes mit dem Testament aus. Anhand dieser Urkunden könne der Erbe etwa als Eigentümer im Grundbuch eingetragen werden. Bei einem handschriftlichen Testament oder dem Eintritt der gesetzlichen Erbfolge scheidet der vorherige einfache Weg aus. "Hier muss die Erbfolge durch Erbschein nachgewiesen werden. Der Erbschein kann beim Notar oder beim Nachlassgericht beantragt werden. Bei gesetzlicher Erbfolge muss die Erbfolge durch Vorlage der Personenstandsurkunden nachgewiesen werden. Anhand des Erbscheinantrages erteilt das Gericht den Erbschein", weist Jörg Richter hin. Sowohl der Antrag als auch der Erbschein verursachen Kosten.

Mit dem Tode einer Person (Erbfall) gehe das Vermögen (Erbschaft) als Ganzes automatisch auf den oder die Erben über. Es sei also keine Erklärung über die Annahme der Erbschaft notwendig. Möchte man den Anfall der Erbfolge vermeiden, etwa weil die Erbschaft nur aus Schulden besteht, müsse man die Erbschaft binnen sechs Wochen ausschlagen. Dies könne bei einem Notar oder beim Nachlassgericht erklärt werden. Im Falle einer wirksamen Ausschlagung werde man nicht Erbe und habe damit eventuelle Schulden des Erblassers nicht zu tragen.

Mehr zum Thema beim RUNDSCHAU-Leserforum in Lübbenau am 3. April um 18 Uhr in der Jena-Planschule. Für Abonnenten ist der Eintritt kostenfrei, für Nichtabonnenten kostet er fünf Euro.