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| 17:34 Uhr

Was braucht die Feuerwehr
Gut vorbereitet die Gefahr im Blick

 Übungen der Feuerwehr sind ein wichtiges Training für den Ernstfall. Doch auch die Ausstattung ist wichtig, maßgeblich ist dafür der Gefahrenabwehrbedarfsplan, über den Lübben gerade spricht.
Übungen der Feuerwehr sind ein wichtiges Training für den Ernstfall. Doch auch die Ausstattung ist wichtig, maßgeblich ist dafür der Gefahrenabwehrbedarfsplan, über den Lübben gerade spricht. FOTO: Andreas Staindl
Lübben diskutiert über seine „Lebensversicherung“. Ein Plan soll die Stadt auf mögliche Gefahren vorbereiten. Das betrifft vor allem die Feuerwehren. In zwei Bereichen gibt es einen Handlungsbedarf. Von Katrin Kunipatz

Der neue Gefahrenabwehrbedarfsplan ist seit August ein Thema der Stadtverordneten. Hinter dem Wortungetüm verbirgt sich Lübbens Lebensversicherung. Ein Plan wird daraus, wenn alle möglichen Risiken notiert, daraus Schlussfolgerungen für die richtige Abwehr und die dafür nötige Ausstattung der Feuerwehren gezogen werden.

Jede Kommune ist verpflichtet, den Gefahrenabwehrbedarfsplan regelmäßig fortzuschreiben. Lübbens gültiger Plan ist jetzt sieben Jahren alt.

Lübbener Feuerwehr löscht 2019 bereits 33 Brände

Wie wichtig eine einsatzbereite Feuerwehr ist, macht Stadtwehrführer Oliver Nopper an den Einsätzen in diesem Jahr deutlich: Im Januar und im März löschte die Feuerwehr große Brände in Mehrfamilienhäusern. Im März verhinderten die Feuerwehrleute einen Dachstuhlbrand. Im April brannte das Bürogebäude einer Holzbaufirma, und im Juni waren die Lübbener Feuerwehrleute in der brennenden Lieberoser Heide im Einsatz. Alle kleineren Feuer eingeschlossen waren es in diesem Jahr bisher 33 Brände.

 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr in Lubolz waren auch während der Ganztagsübung im vergangenen Jahr auf der Deponie in Lübben dabei.
Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr in Lubolz waren auch während der Ganztagsübung im vergangenen Jahr auf der Deponie in Lübben dabei. FOTO: Andreas Staindl

Deutlich häufiger – nämlich 68-mal – rückten die Lübbener Feuerwehren für technische Hilfeleistungen aus. „Dieser Bereich steigt weiter an“, sagt Oliver Nopper. Im vergangenen Jahr entfielen 51 Prozent der Einsätze auf technische Hilfen und 31 Prozent aufs Löschen. In 17 Prozent der Alarmierungen waren es Fehlalarme von Brandmeldeanlagen.

Sachbereich Brandschutz bei Lübbener Stadtverwaltung

Eine aus Sicht der Feuerwehr gute Entscheidung war es, den Sachbereich Brandschutz bei der Stadtverwaltung zu etablieren, so Nopper. Frank Böhme fungiert als Schnittstelle zwischen Feuerwehr und Stadt, und er nennt ein klares Ziel: Es müsse in moderne und auf allen Fahrzeugen einheitliche Technik investiert werden.

 Bernd Wrege (r.) mit dem Nachfolger-Führungsteam um den neuen Lübbener Stadtbrandmeister Oliver Nopper (2.v.r.) mit dem Sachbearbeiter Brandschutz in der Stadtverwaltung Frank Böhme sowie dem Stadtbrandmeister-Stellvertreter Edmond Krüger (l.). Foto: Ingvil Schirling
Bernd Wrege (r.) mit dem Nachfolger-Führungsteam um den neuen Lübbener Stadtbrandmeister Oliver Nopper (2.v.r.) mit dem Sachbearbeiter Brandschutz in der Stadtverwaltung Frank Böhme sowie dem Stadtbrandmeister-Stellvertreter Edmond Krüger (l.). Foto: Ingvil Schirling FOTO: LR / Ingvil Schirling

Nopper ergänzt, dass für das kommende Jahre die Anschaffung neuer Einsatzkleidung vorgesehen sei. Weitere Maßnahmen sollten auf Basis des Gefahrenabwehrbedarfsplans geplant werden.

Diesen erläutert Pascal Drewes vom Ingenieurbüro für Innovative Sicherheitslösungen. Die Firma aus Weyhe nahe Bremen hat im Auftrag der Stadt das über 100 Seiten starke Dokument erstellt. 11 000 Euro hat es gekostet.

Alte Feuerwehrgeräte in Lübben

Grundsätzlich stehe Lübben nicht schlecht da, so Drewes. „Bis auf einen kleinen Teil von Hartmannsdorf sind alle bewohnten Gebiete innerhalb von acht Minuten von den Feuerwehren erreichbar“, sagt er.

Aus der Gefahrenanalyse, in die Einwohnerzahl, soziale Einrichtungen, Straßenverkehr, Spree und Störfallbetriebe wie das Spreewerk oder das Tanklager in Steinkirchen einbezogen sind, leitet das Ingenieurbüro ab, welche Mindestausstattung vorhanden sein muss.

Hinsichtlich der personellen und technischen Gegebenheiten sieht Drewes in Lübben keinen dringenden Handlungsbedarf. Nur über die Ersatzbeschaffung für den Hubsteiger, ein Tanklöschfahrzeug und einzelne Mannschaftstransportfahrzeuge sollte nachgedacht werden, so der Fachmann. In Zukunft könnte es bei den vorhandenen Fahrzeugen aufgrund des Alters und der Laufleistung schwierig werden, Ersatzteile zu beschaffen und sie einsatzbereit zu halten.

Handlungsbedarf bei Lübbener Feuerwachen

Handlungsbedarf sieht der Sicherheitsinge­nieur bei den Feuerwachen selbst. Er empfiehlt eine Trennung zwischen dem Umkleidebereich und der Fahrzeughalle. Die Laufwege in den Gerätehäusern sollten geprüft werden. Gleiches gelte für die Wege, die ausrückende Fahrzeuge und ankommende Feuerwehrleute nehmen.

Die Gebäudeanalyse ist nicht Teil des Gefahrenabwehrbedarfsplans. Doch die Stadtverordneten wissen um die Probleme. In Lubolz wird gerade der Anbau für die Feuerwache geplant. Jens Richter (CDU) fordert Bürgermeister Lars Kolan (SPD) auf, auch für die anderen Feuerwehrgerätehäuser darzulegen, wo Investitionsbedarf bestehe.

Mit dem Verweis auf die angespannte Personalsituation dämpft Kolan die Hoffnung, eine Liste noch im September vorlegen zu können. Doch eigentlich drängt die Zeit, bis Ende Oktober müssten die Förderanträge fürs kommende Jahr gestellt werden, erläutert Stadtwehrführer Nopper.

Im nächsten Bauausschuss am Mittwoch ist der Gefahrenabwehrbedarfsplan wieder Thema. Konkret soll besprochen werden, wie schnell die Verbesserungsvorschläge umgesetzt werden können.